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Nachgefragt bei: Karin Stadelmann, Kantonsrätin, zur Abstimmung «Beitrag an die Gardekaserne»

Die Luzerner Bevölkerung hat den Solidaritätsbeitrag an die neue Kaserne der Schweizergarde wuchtig abgelehnt. Das überparteiliche Pro-Komitee mit Luca Boog als Kampagnenleiter sowie Armin Hartmann und Karin Stadelmann als Komiteemitglieder nimmt dieses Ergebnis enttäuscht zur Kenntnis. Während der Bund und die Mehrheit der Kantone sich finanziell am Neubau beteiligen, lehnt Luzern den symbolischen Solidaritätsbeitrag ab. 

Kampagnenleiter Luca Boog sagt: «Leider haben es die Gegner geschafft, die Abstimmung zu einem Votum gegen den Vatikan umzudeuten. Kein Kanton ist so eng verbunden mit der Schweizergarde wie Luzern. Kein Kanton stellte in den vergangenen 500 Jahren mehr Gardisten und Kommandanten. Vor diesem Hintergrund bedauert es das Komitee, dass ausgerechnet Luzern den symbolischen Solidaritätsbeitrag ablehnt.» «Ich habe mit einem Nein gerechnet, das klare Resultate überrascht mich aber auch», sagt Armin Hartmann, SVP-Kantonsrat und ebenfalls Mitglied des Pro-Komitees.

Der «Michelsämter» hat bei Karin Stadelmann, Kantonsrätin und Vizepräsidentin Mitte Kanton Luzern, nachgefragt:


Karin Stadelmann, wenn 71.5 Prozent der Luzerner nein stimmen und auch in Beromünster und Rickenbach nur 41 beziehungsweise 33 Prozent zustimmen, muss dies beim Pro-Komitee ein paar Fragen aufwerfen. Was würdet ihr heute an der Kampagne anders machen?

Es ist uns offenbar nicht gelungen, die Luzerner:innen davon zu überzeugen, dass der Kanton Luzern eine Spende an ein Infrastrukturprojekt und damit auch an ein Kulturgut und nicht an den Vatikan oder gar den Papst spricht. Meiner Meinung waren wir präsent und das auf unterschiedlichen Ebenen. Rückblickend hätten wir vielleicht noch mehr Informationsveranstaltungen oder gar ein Podium durchführen sollen. Damit so eine Plattform für kritische Fragen zur Verfügung gestanden hätte. Was für mich aber jetzt ausser Frage steht ist, das Resultat so zu akzeptieren.

Was hält ihr vom naheliegenden Argument, dass auch gute Katholiken heute vermehrt Religion als strikte Privatsache ansehen und Kirche / Staat getrennt haben wollen?

Jede:r soll seinen Glauben haben können und das soll auch Privatsache sein. Gerade die Mitte gilt als Brückenbauerin und als eine Partei, welche sich offen und dialogbereit zeigt und viele Ansichten akzeptiert. Vorliegend stand für uns deshalb auch nicht der Vatikan oder der katholische Glaube im Zentrum. Für uns ging es um ein Kulturgut und um eine Anfrage, ob der Kanton Luzern dafür einen einmaligen Betrag sprechen soll. Für uns war auch klar, wir haben einen historischen und auch aktuellen Bezug, womit ein Engagement sich sachlich rechtfertigen lässt. Im Kantonsrat hat die Mehrheit das auch so gesehen.

An dieser Stelle möchte ich aber noch betonen: Bei aller Kritik, die man an der katholischen Kirche haben kann, die Kirchen tun sehr viel Gutes und engagieren sich in vielen sozialen Bereichen. Es gibt zahlreiche Institutionen, die ohne die Unterstützung der Kirche, ihr soziales Engagement oder ihr Angebot nicht aufrechterhalten können. Das sollten wir nicht vergessen, denn der Staat allein kann nicht alles finanzieren.

Wollte sich die Mitte nicht von der Kirche, vom C emanzipieren?

Sich für eine Tradition einzusetzen hat meiner Meinung nach nichts mit Kirche zu tun. Vorliegend ging es um eine Tradition und um einen Solidaritätsfranken an ein Projekt. Wir haben uns vor gut einem Jahr klar und deutlich für einen neuen Parteinamen entschieden. Wir haben uns damit aber nicht gegen Traditionen oder Werte entschieden. Jede und jeder – egal welcher Glaube sie oder er hat – ist bei uns willkommen. Ich selbst stehe für eine jüngere Generation und habe eine sehr gesellschaftsliberale Haltung. Doch auch mir sind Werthaltungen und v.a. die Solidarität wichtig.  


Interview: Karl Heinz Odermatt, Bild: zvg




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