«Montreux – wir kommen wieder!»
Nach zwei Monaten regelmässiger Register- und Gesamtproben, einem Probeweekend und einer Woche fast täglicher, intensiver Gesamtproben, ging es für die Brass Band Rickenbach am Freitagabend endlich los: mit dem Car nach Montreux ins Kongresshaus am Lac Leman an den schweizerischen Brass Band Wettbewerb. Die Jugend Brass Band Michelsamt reiste am Samstagmorgen nach.
Jeweils am letzten Wochenende im November trifft sich in Montreux die Bläserelite der Schweiz. Dieses Jahr rund 60 Brass Bands, davon 14 Vereine aus dem Kanton Luzern. In fünf verschiedenen Kategorien zeigten die top motivierten Bands ihr Können der ausgewählten Fachjury. Jede mit dem Ziel, Schweizer Meister zu werden.
Helle Begeisterung
Zwei Michelsämter Bands stellten sich am Samstag dem Wettbewerb in der 3. Kategorie und in der Elite. Teilnehmer zwischen 10 und 51 Jahre alt musizierten dieses Jahr in der Jugendbrass Band Michelsamt. Um 14 Uhr eröffnete sie in ihrer Kategorie den Wettbewerb in der Miles Davis Hall. Nach dem gelungenen soliden Vortrag herrschte helle Begeisterung und tosender Applaus bei den treuen Zuhörern und Fans. Eine junge Musikantin: «Die Akustik auf der Bühne im Miles Davis Saal ist nicht gerade top, ich hörte die anderen nicht. Als ich von der Bühne ging, vernahm ich von meinen Kollegen, dass paar Stellen schiefgelaufen seien.» Sachlich und kritisch analysierte der Jugend Brass Band-Dirigent Joel Spitaleri den Durchlauf. So sagte er bereits vor der Rangverkündigung: «Wir haben Verbesserungspotenzial und können noch an uns arbeiten. Nun haben wir bald eine Ausgangslage, um uns nächstes Jahr zu verbessern.» Nichtsdestotrotz, für viele Jungbläser, wie auch für ihren jungen Dirigenten, war dieses Jahr ihre erste Teilnahme am Montreux Wettbewerb in ihrer jeweiligen Funktion und gerade darum ein unvergessliches Erlebnis.
Die eine oder andere Träne
Bereits zum 29. Mal reiste die Brass Band Rickenbach an den schweizerischen Brass Band Wettbewerb. Die Brass Band Rickenbach schliesst ihre Kategorie, die Elite, um zirka 17 Uhr im Strawinsky Saal mit ihrem Auftritt, ab. Sehr abgeklärt, hochkonzentriert, souverän und melodiös präsentierte die Brass Band Rickenbach ihren Vortrag. Das Publikum, vor allem das heimisch Angereiste, dankte es ihnen mit grossartigem Applaus. Die Zuhörer waren durchwegs überwältigt vom Können der Rickenbacher. Da und dort wurde verstohlen eine Träne weggewischt. Auch hier, ganz analytisch und kritisch meinte Dirigent Enrico Calzaferri: «Als Gesamtes eine tolle Leistung, aber vier Fehler…»
Oft nur ein Punkt Differenz
Auffällig ist, dass in den jeweiligen Kategorien, das Feld nah beieinander liegt. Die Ränge werden oft nur um einen Punkt getrennt. Das Niveau jedes Teilnehmers ist sehr hoch. Eine knifflige Arbeit für die Juroren, um die Vorträge zu bewerten. Den beiden Michelsämtern Bands gelang eine hervorragende Darbietung. Ihre Leistung wurde mit dem 6. Rang, Jugendbrass Band Michelsamt in der 3. Kategorie und, zum dritten Mal in Folge, mit dem 4. Rang, Brass Band Rickenbach in der Elite, belohnt.
Fast ein Familientreffen
Nach den Auftritten durfte das traditionelle, gesellige Zusammensein im Foyer nicht fehlen. Denn dieser Wettbewerb ist eigentlich ein Familientreffen. Bis in die frühen Morgenstunden wurde diskutiert und analysiert. Es herrschte grosse Dankbarkeit bei den Musikern und den Zuhörern, dass der Wettbewerb dieses Jahr durchgeführt werden konnte. Oft hörte man an diesem Wochenende, dass es der Seele gut tut, endlich wieder Mal hochstehende Brass Band-Musik zu hören. Oder wie wichtig die Vereinsarbeit ist. Nicht zuletzt wurde erkannt, dass es sogar «Registermamis» gibt. Aber ist nicht das Berühren der Herzen die grösste Kunst der Musik, egal welcher Rang am Schluss erreicht wird? Alle sind sich einig: «Montreux, wir kommen wieder!»
Text und Bilder: Gerda Grossmann-Bättig