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Kultur | Gunzwil

Männerchor macht mit Oelibrönnern gemeinsame Sache

Nach zweijähriger Zwangspause plant der Männerchor Gunzwil wieder auf die Bühne zu treten. Und es wäre nicht der Männerchor, wenn er das nicht mit Pauken und Trompeten machen würde. So grosse Ankündigungen gab es seit Jahrzehnten nicht.

Haben sichtlich Spass im Männerchor Gunzwil: Simon Hüsler, Lukas Erni, Philipp Galliker und Gabriel Dommen.

Schon seit zwei Jahren ist der Männerchor Gunzwil mit gezogener Handbremse unterwegs. Eigentlich dafür bekannt, dass er seine Feste mit Vollgas feiert, musste er das Jubiläumskonzert zum 65-jährigen Bestehen 2020 absagen. Auch 2021 gab es coronabedingt keine Möglichkeit, gemeinsam zu feiern. Nun hat das Warten hoffentlich ein Ende. Im April wird gefeiert – und zwar richtig. Rund 1000 Gäste erwartet Männerchor-Gunzwil-Präsident Toni Dörig am 30. April auf dem Reitplatz-Areal in Gunzwil. «Das wird ein mega Fest. Wir wollen das ganze Dorf einbeziehen», freut sich Toni Dörig. Und was ist mit Corona? Das Risiko, dass der Jubiläumsanlass abgesagt wird, besteht zwar. «Wir sind zuversichtlich, dass das Dorffest stattfindet, schliesslich haben wir schon ein Auto für die Tombola gekauft», wie der Vereinspräsident sagt.

Neue Fahne wird präsentiert

Zu seinem 65-jährigen Bestehen hält der Männerchor Gunzwil einen ganzen Strauss an Ankündigungen für den grossen Dorfabend bereit. So soll endlich die neue Fahne präsentiert werden, die nun seit zwei Jahren unter Verschluss beim Präsidenten liegt. «Wie sie aussieht, ist noch geheim. Das weiss nur das Fahnenkomitee», so Toni Dörig auf Nachfrage. Bereits zu erfahren ist aber, dass sie von Ludwig Suter gestaltet wurde. Die neue Fahne hat mit Rita Kappeler eine Gotte und mit Walter Meyer einen Götti gefunden. Die besten Feste feiert man mit Freunden und das macht auch der Männerchor so. Er tritt nicht alleine auf die Bühne. Zu Gast an der Jubiläumsfeier ist der bekannte Volks-Rocker Willy Tell. Der Männerchor Gunzwil hat mit ihm vor zwei Jahren den Song «Verbundenheit» aufgenommen. Gemeinsam kommt es in Gunzwil nun zur Erstaufführung des Stücks. Wer die beiden Formationen kennt, weiss: Das Lied wird für Hühnerhaut sorgen, wenn es auf der Bühne zum ersten Mal vorgetragen wird. «Verbundenheit» heisst nicht nur der Song, «Verbundenheit» ist auch das Motto der Jubiläumsfeier.

Oelibrönner machen mit

Bisher eng verbunden mit dem Männerchor Gunzwil war auch der Michelsämter Chor, der dem Jahreskonzert jeweils Pate gestanden ist. Da sich dieser jedoch in diesem Jahr aufgelöst hat, wird es keinen Auftritt des Michelsämter Chors mehr geben. Der Männerchor Gunzwil hat dafür nun eine kreative Lösung gefunden. Es dürfte ein Auftritt werden, der noch lange zu reden geben wird. Denn als Gastformation wird kein anderer Chor auf die Bühne geholt. Für die Jubiläumsfeier erhält der Männerchor lautstarke Unterstützung der «Oelibrönner Gonzbu». Ebenfalls bereits sehr verbunden mit dem Männerchor Gunzwil sind auch die Neumitglieder Philipp Galliker, Gabriel Dommen, Lukas Erni und Simon Hüsler. Alle vier sind diesen Sommer neu dem Männerchor beigetreten und bereits voller Vorfreude auf den grossen Tag. Im Gespräch mit dem «Anzeiger Michelsamt» schwärmen sie sehr für den Verein. «Ich war von der ersten Probe an gefesselt vom Männerchor», sagt etwa Lukas Erni und Philipp Galliker ergänzt: «Nach zehn Proben fühle ich mich bereits so, als wäre ich schon Jahre dabei.» Alle vier mussten erst das Klischee einer verstaubten Chorgemeinschaft von älterer Herren abstreifen. 

«Es ist überraschend cool», musste sich etwa Simon Hüsler nach der ersten Probe eingestehen. 

«Besonders die Nachproben machen Spass», doppelt Gabriel Dommen mit einem Lachen nach – und alle nicken mit einem Schmunzeln. Es sei die Geselligkeit, der Zusammenhalt, den man im Verein so schätze. So wird der Donnerstagabend, an dem jeweils geprobt wird, hochgehalten. «Der Donnerstag ist heilig. Es ist kein Müssen, es ist Vergnügen. Es ist keine Verpflichtung, man geht gerne», sagt Lukas Erni. «Wir machen viel Sport für unseren Körper, gehen in die Schule für den Kopf und wir singen für die Seele. Das tut gut. Das Singen gibt etwas zurück», so Lukas Erni weiter. Für Simon Hüsler und Lukas Erni hat der Männerchor zudem eine besondere Bedeutung, denn bereits ihre Grossväter waren im Verein aktiv. «Diese Tradition fortzuführen war mit ein Grund, es einfach auszuprobieren», sagen die beiden. Bereut haben sie es bisher nicht. «Wir wurden so herzlich aufgenommen, auch von den älteren Chormitgliedern. Wir wurden von Anfang an akzeptiert», sagen sie. Ein besonderes Erlebnis ist, wenn die ältesten Mitglieder mit über 50 Jahren Aktivzeit neben den Neumitgliedern stehen und singen. Wenn etwa Sepp «Schuelhüsler» Galliker, einer der Dienstältesten, neben dem jüngsten Mitglied Gabriel Dommen steht, liegen unglaubliche 50 Jahre dazwischen. Das berührt die Neumitglieder. Und doch: «Beim Männerchor sind alle gleich: Ob Professor oder Landwirt, nach den Proben sitzen wir nebeneinander in der Beiz», sagt Simon Hüsler. Aber nicht nur die Altersdurchmischung passt den vier Jungsängern, auch das moderne Musikrepertoire gefällt ihnen. «Wäre die Literatur zu hochgestochen, wäre ich am falschen Ort», sagt Philipp Galliker. Die Unterhaltung steht beim Männerchor Gunzwil im Vordergrund.

Bier und Pouletflügeli

Und was sind die liebsten Songs? Die Antworten der neuen Männerchörler geben zugleich einen Vorgeschmack auf den Konzertabend auf dem Reitplatz: Es ist das «Chianti-Lied», ist für Gabriel Dommen schnell klar, während Lukas Erni «Ameno» besonders gefällt. «Wenn d Sunne hingerem Jura untergeit», ist der Lieblingssong für Simon Hüsler und das Medley mit «Lauenesee» gefällt Philipp Galliker am besten. Und wie schlagen sich die Neulinge im Chor? «Sehr gut, auch vom gesanglichen her. Wir haben hier versteckte Talente gefunden», lobt Toni Dörig. «Es hat ein paar Bierli und Pouletflügeli gekostet, bis sie keine Ausreden mehr gefunden haben, aber es hat sich gelohnt.» Die Blumen geben die vier gleich retour: «Es ist auch alles so gut organisiert. Ohne dich, wären wir nicht in den Verein gekommen.»

Das Konzert

Die Jubiläumsfeier vom 30. April 2022 steht unter dem Motto «Verbundenheit» und beginnt um 16 Uhr mit dem Festgottesdienst und der Fahnenweihe in der Pfarrkirche St. Stephan, Beromünster. Der Männerchor begleitet den Gottesdienst gesanglich mit traditionellen Kirchenliedern. Nach dem Bankettessen in der Reithalle startet die Abendunterhaltung mit der grossen Tombola.

Text und Bild: Sandro Portmann


Sandro Portmann



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