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Mit dem Bike nach Barcelona: «Nimm doch das Bike statt den Flieger»

Nicolas Niederberger aus Herlisberg hat mit dem Bike zusammen mit zwei Kollegen, Tobias Renggli und Michael Meier, am vorletzten Wochenende eine unglaubliche Biketour nach Barcelona unternommen – von der Seebrücke zur Sagrada Família. In zwei Tagen haben sie 1020 Kilometer bewältigt. Der Anzeiger Michelsamt hat mit den drei Bike-Enthusiasten über ihre gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse gesprochen.


Finito! Geschafft! v.l.: Tobias Renggli (2003), Michael Meier (1992) und Nicolas Niederberger (1993) vor der Sagrada Família in Barcelona. 


Was hat euch motiviert, nach Barcelona mit dem Bike zu fahren?

Die Motivation war, eine Reise mit dem Rennrad zu absolvieren, die normalerweise mit dem Flugzeug gemacht wird. Als wir uns auf Barcelona als Ziel festgelegt und die Kilometeranzahl gesehen haben, entstand die zusätzliche Challenge, das Ganze in nur zwei Tagen zu schaffen. Also in zwei Tagen von der Seebrücke Luzern zur Sagrada Família mitten in Barcelona zu fahren. Wir dachten, wenn wir schon schwitzen, dann doch bitte bei einer epischen Herausforderung – und nicht nur, weil die Klimaanlage im Flugzeug ausgefallen ist.

Was war das Allerschönste an diesem Erlebnis?

Das allerschönste Erlebnis ist schwer zu definieren, da die Tour sehr anspruchsvoll war und uns an unsere körperlichen Grenzen gebracht hat. Schön war jedoch zum Beispiel, dass wir alle auf einem ähnlichen Leistungsniveau sind und somit alles zusammen als Team gefahren werden konnte. Wir wechselten uns regelmässig in der Fahrtposition ab, sodass der vordere Fahrer den Wind brechen und die beiden hinteren davon profitieren konnten. Dies ist bei einer solch langen Tour nicht selbstverständlich. Dieses gemeinsame Durchhalten machte die Tour zu einem unvergesslichen Team-Erlebnis. Es war wie ein gut geölter Maschinentakt – nur dass die Maschine gelegentlich nach Schokolade und Energieriegeln verlangte.

Was war das Schwierigste?

Der wahre Gegner der Reise war nicht die Distanz, sondern der Kampf gegen die Uhr und der damit verbundene Schlafmangel. In den zwei Tagen haben wir nur fünf Stunden geschlafen. Die Müdigkeit verstärkte sich in der Nacht mit der Dunkelheit, und man merkte, wie verlangsamt man denkt und handelt. Teilweise waren die Strassen ein Flickenteppich aus Schlaglöchern und Unebenheiten. Manchmal sahen wir die Löcher erst im letzten Moment, unser schwaches Licht und die Geschwindigkeit waren keine gute Kombination. Das war echt gefährlich und eine Herausforderung. Unsere eigenen Schatten haben wir sogar mal mit wilden Tieren verwechselt. Da erschrickt man schon ziemlich, wenn man mitten in der Nacht auf nicht beleuchteten Landstrassen unterwegs ist und die Fantasie verrückt spielt. 

Welche Route habt ihr genommen?

Wir starteten am Freitag, 24. Mai 2024, um Mitternacht bei der Seebrücke Luzern, und unser Ziel war die Sagrada Família in Barcelona. Die Route wurde so flach wie möglich gehalten und unnötige Pässe vermieden. Am Ende betrug die Strecke 1020 Kilometer und 5100 Höhenmeter, welche wir mit einem Schnitt von knapp 30km/h bewältigen konnten. Unsere Wegpunkte waren Willisau, Lyss, Yverdon, Genf, Renage, Valence, Nimes, Perpignan, Girona und dann Barcelona. Siehe Routenplan (Bild).

Wie seid ihr wieder nach Hause zurückgekommen?

Der Rückflug nach Zürich war für Sonntagabend um 20.05 Uhr gebucht. Für den Rücktransport der Räder haben wir uns im Vorfeld bei einem lokalen Fahrradgeschäft gemeldet und für Fahrradkartons angefragt. Das Geschäft stellte uns die Kartons gegen ein kleines Entgelt zur Verfügung. So konnten wir nach der Ankunft in Barcelona ausschlafen, die Rennräder auseinanderbauen sowie verpacken, und dann zum Flughafen aufbrechen. Das war der Moment, in dem wir uns sagten: «Die Rückreise wird ein Kinderspiel!» Und tatsächlich, das Fliegen ohne zu treten war dann ein wahrer Genuss...

Was nehmt ihr aus dieser Erfahrung für euer weiteres Leben mit?

Wir haben gelernt, dass fast alles möglich ist, wenn man ein klares Ziel hat und bereit ist, hart dafür zu arbeiten. Die Tour hat unser Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit gestärkt und gezeigt, dass wir grosse Herausforderungen meistern können.

Zudem haben wir gelernt, dass zusätzliche 10 000 Kalorien pro Tag echt auch eine Herausforderung für Magen und Geldbeutel sein können. Am Ende der Tour konnten wir jedenfalls keine verpackten Snacks und Süssigkeiten mehr sehen und freuten uns auf frisch gekochte Tapas in Barcelona.

Was gebt ihr anderen Menschen als Empfehlung, um aus der Komfortzone herauszukommen?

Wir empfehlen, die Komfortzone zu verlassen und neue Herausforderungen anzunehmen. Egal, ob sportlich oder in anderen Lebensbereichen. Manchmal scheint das grosse Ganze unerreichbar zu sein. Doch wenn man es in kleinere, machbare Schritte unterteilt und diese nach und nach angeht, wird plötzlich möglich, was zuvor unmöglich erschien.


Das sind Nicolas Niederberger, Michael Meier und Tobias Renggli
Wir sind Michael, Nicolas und Tobias und haben uns durchs Radfahren in Luzern kennengelernt. Nicolas ist aus der Region und im Herlisberg aufgewachsen. Er und Michael sind Mitglieder vom RSH «Rennstall Herlisberg» und haben schon viele Kilometer gemeinsam auf dem Asphalt zurückgelegt.                                      Tobias hat bereits in sehr jungen Jahren ganz grosse Abenteuer quer durch Europa bewältigt. Er hat auch einen sehr beliebten und aktiven Instagram-Kanal, wo man ihn verfolgen kann und auch das Abenteuer Barcelona dokumentiert ist. Schaut gerne mal rein unter https://www.instagram.com/tobiasrenggli/


Die Route von der Seebrücke Luzern zur Sagrada Sagrada Família in Barcelona: Tag 1 (rot) und Tag 2 (blau). 



Das neue RSH «Rennstall Herlisberg»-Dress in Action.


Etwas gar viel Regen auf einmal...
Das müsste nun wirklich nicht sein...
Auch eine Panne kann uns nicht aufhalten.


Herrlich, wenn die Sonne aufgeht.
Herrlich im Süden angekommen zu sein. Nur noch 220 km...
Glücklich am Ziel angelangt.


Interview: Karl Heinz Odermatt, Bilder: zvg




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