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Meilenstein auf dem Weg zum Abschluss

Kanti Beromünster im Präsentationsmodus: Die Vorstellung der Maturaarbeiten lockte am Samstagvormittag, 19. November, hunderte von Besucherinnen und Besuchern ins Schulhaus auf dem Sandhübel, wo 51 Maturandinnen und Maturanden während je exakt 15 Minuten ihren Vortrag hielten. 

«Full House» in der Kanti Beromünster am Samstag, 18. November.

Konzentriert, fokussiert, redegewandt, souverän, etwas nervös und selten gar ein wenig schüchtern, oft auch humorvoll – so präsentierten sich die 51 Schülerinnen und Schüler im Abschlussjahr der KSB beim Vorstellen ihrer Maturaarbeiten vor Publikum. Im Schulhaus auf dem Sandhübel war an diesem Vormittag Full House, es herrschte angeregtes Gewusel, Geschwätz und viel Geselligkeit. Während der Präsentationen in den Schulzimmern war es aber mucksmäuschenstill.

Ein Rundgang nach Zeitplan

8.15 Uhr. Lena Kuhn steht ruhig hinter dem Stehpult, sie nimmt einen Schluck aus ihrer Trinkflasche und beginnt dann ihr Referat. Sie führt mit Bildern und Erzählungen die Gäste ans Leben einer im Kriegsgebiet aufgewachsenen und dann in die Schweiz geflüchteten Person. Mit ihrer Maturaarbeit «Migration einer tamilischen Flüchtlingsfrau» setzte sie sich auseinander mit den Folgen politischer Entscheidungen auf den Alltag von Geflüchteten.

Lena Kuhn: Migration.

8.45 Uhr. Im Zimmer von Liana Eiholzer herrscht gespannte Ruhe. Yoga ist ihr Thema. Die Maturandin begrüsst ihr Publikum und lässt es gleich zusammen mit ihr den Sonnengruss machen. Sie hat in ihrer Arbeit untersucht, ob und wie Yoga die Hüftbeweglichkeit fördern kann. Sie referiert souverän, als hätte sie nie etwas anderes gemacht, und erklärt auf Bildern Hamstrings, Hüftbeuger und Gesässmuskeln.

Liana Eiholzer: Yoga.

9.15 Uhr. Bei Thomas Häfliger geht es um Plastikpartikel im Trinkwasser und er schockt das Publikum gleich mit der These, dass wir durchschnittlich pro Woche Kunststoff in der Menge einer Kreditkarte über die Nahrung zu uns nehmen. Er hat mittels Filterverfahren das Trinkwasser von Rickenbach und Knutwil untersucht und dazu Statistiken und Hypothesen erstellt.

Thomas Häfliger: Mikroplastik.

10 Uhr. Das Zimmer füllt sich, Stühle werden zusätzlich hereingerückt, Leute nehmen auf der Fensterbank Platz. Yannick Eigensatz tigert hinter dem Pult herum, bis er endlich beginnen kann. Sein Referat nimmt gefangen von Anfang bis Schluss, es geht um Fürsorge, Missbrauch und Ethik in der Konversionstherapie. Ein bewegendes Thema hat er wissenschaftlich untersucht, referiert authentisch und selbstsicher, als wäre er schon lange Lehrperson.

Yannick Eigensatz: Ethik.

10.30 Uhr. Oliver Ineichen wartet hinter dem Stehpult auf das Startsignal. Vor ihm ein Halbkreis für die Gäste, rechts und links ein wahrer Fanclub, die jungen Leute besuchen gegenseitig ihre Vorträge. Und direkt vor ihm, wie überall, sitzt die «Jury» aus zwei Lehrpersonen, welche sich laufend Notizen macht. Er hat eine gestalterische Arbeit umgesetzt und ein Möbelstück designt, erklärt seine Überlegungen und zeichnet an der Wandtafel die verschiedenen Formen auf.

Oliver Ineichen: Möbeldesign.

11 Uhr. Bei Till Heini hat man es mit einem Kunstfälscher zu tun. Der junge Maturand hat untersucht, wie künstliche Intelligenz zur Kunstfälschung eingesetzt wird und woran Experten dies erkennen. Er machte Untersuchungen und Vergleiche und produzierte gleich selber ein solches künstlerisches Falsifikat. Wer hätte es gemerkt? Sein Fazit: Mit KI ist es grundsätzlich möglich, ein Bild zu fälschen, aber nicht, einen Experten zu täuschen!

Till Heini: Kunstfälschung.


Bereit für das Studium

Die Maturaarbeit ist ein Meilenstein auf dem Weg zum Abschluss des Gymnasiums. Was bei der Berufsbildung die praktische Abschlussarbeit darstellt, ist für Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die Maturaarbeit. Dabei befassen sie sich vertieft mit einer selbstgewählten Thematik, stellen Fragen, überprüfen Thesen und erforschen Zusammenhänge. Dabei müssen wissenschaftliche Standards und Regeln eingehalten werden, so wie sie später in einem Studium an einer Universität oder Hochschule auch gelten. Das Verfassen und Präsentieren einer Maturaarbeit gehört seit 2002 zum Pflichtprogramm im Abschlussjahr. Mit diesem Werk stellen sie die Fähigkeit des wissenschaftlichen Arbeitens unter Beweis.

Ein 765-seitiges Buch
Am vergangenen Samstag wurden in Beromünster 51 Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt, eine Präsentation dauerte 15 Minuten. In der Regel kann bei einer schriftlichen Maturaarbeit von einem Umfang von 10 bis 20 Seiten reinem Text ausgegangen werden. Die meisten Maturandinnen und Maturanden investieren dafür rund 100 Stunden.
Rechnet man das alles zusammen, so kommt man auf:
51 x 15 Minuten = 765 Vortragsminuten oder 12.75 Vortragsstunden.
15 Seiten Text x 51 = 765 Seiten Text
51 x 100 Arbeitsstunden = 5100 Stunden oder 212.5 Tage oder 7.08 Monate.
Kompakt: Ein 765-seitiges Buch, über 7 Monate entstanden und während 12 Stunden präsentiert ... das sind zusammengefasst die Maturaarbeiten 2023.

Und danach?

Was passiert eigentlich mit all den Werken danach? Ab in die Schublade? Rektor Marco Stössel sagt dazu: «Bei sehr guten Arbeiten motivieren wir unsere Schülerinnen und Schüler, sie im Rahmen von Wettbewerben oder für das zukünftige Studium weiterzuverwenden. Jeweils im März besteht die Möglichkeit, beim Wettbewerb Fokus Maturaarbeit teilzunehmen. Das werden die jeweils besten Arbeiten einer Fächerkategorie und eines Jahrgangs aus der Zentralschweiz prämiert. Von der Kantonsschule Beromünster haben schon mehrmals Schülerinnen und Schüler den ersten Platz belegt.»

Text und Bilder: Ursula Koch-Egli


Weitere Impressionen vom Vormittag der Maturaarbeits-Präsentationen am 18. November 2023 in der Kanti Beromünster: 

Bilder: uke




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