«Man wird ja nicht alle Tage hundert!»
Es gehe ihr gut, lächelt Josefine Lang. Ihre beiden Söhne und sechs Töchter stimmen zum Geburtstagslied an. Der Gemeinderat von Beromünster erweist seiner hundertjährigen Bürgerin in Nottwil ebenfalls die Ehre. Eine gefreute Stimmung in liebevollem Rahmen.
Die Jubilarin sitzt mit dem Cüpli in der Hand im lichten Raum auf dem Rollator, umrahmt von zwei Söhnen und sechs Töchtern. Sie möchte gemeinsam singen. Liedtexte liegen schon bereit, und aus sicheren Kehlen erklingen mehrstimmig «s’ Guggerzytli», «uf den Alpe obe» und weitere heimelige Volkslieder. Sofort wird klar, in dieser Familie wurde viel gesungen.
Glückwunsch vom Gemeinderat
Am vergangenen Sonntag, 12. Mai, durfte Josefine Lang-Näf ihren 100. Geburtstag feiern. All ihre Kinder waren bei ihr. Zwei Tage darauf überbringt eine Delegation des Gemeinderates von Beromünster die besten Glückwünsche. Gemeindepräsidentin Manuela Jost-Schmidiger und Gemeinderätin Carmen Beeli erweisen der hundertjährigen Bürgerin die Ehre. Josefine Lang geniesst die Feier in der fröhlichen Runde.
21 Grosskinder und 31 Urgrosskinder
Hundert Jahre, was für ein reiches Leben. Erst vor gut einem Jahr ist Josefine von der Gassmatt in Neudorf nach Nottwil ins Zentrum Eymatt gezogen. Tochter Beatrice wohnt da ganz in ihrer Nähe. Das Augenlicht fast gänzlich verloren, erkennt Josefine ihre Kinder an der Stimme. Neigt den Kopf zu ihnen, lächelt und plaudert. Von früher weiss sie noch vieles zu erzählen, auch wenn die Daten mittlerweile etwas durcheinanderkommen. 21 Grosskinder und 31 Urgrosskinder reihen sich in Josefines Nachkommenschaft. Am kommenden Samstag darf sie mit ihnen allen nochmals feiern.
Idyllische Heimat Lindenberg
Eine gesunde Natur war Josefine ein Leben lang, «gsond ond gschaffig», wie man so sagt. Geboren wurde sie 1924 in Herlisberg, mit 22 heiratete sie den jungen Bauern Kaspar Lang vom Lindenberg bei Neudorf. Bäuerin wurde sie, bekam bald darauf vier Kinder und mit einem Abstand von sieben Jahren nochmals vier, zwei davon Zwillinge. Den ältesten Sohn und die jüngste Tochter trennt ein Altersunterschied von 19 Jahren.
Eine idyllische Heimat hatte die Bauernfamilie auf dem Lindenberg. Bräteln mit den Kindern im nahen Wald war Josefines liebste Abwechslung zum strengen Alltag. Freizeit gab es damals noch nicht. «Sie war streng, aber auch sehr neuzeitlich eingestellt», sagt Tochter Heidi heute. «Unsere Mutter wollte, dass die Töchter einen Beruf erlernen konnten. Das war damals nicht selbstverständlich.»
Schalk und Runzeln
Und, wie geht es dem bewundernswerten Geburtstagskind heute? Gut, meint Josefine Lang, man werde ja nicht alle Tage hundert. «Ou afi Ronzele hed sie», meint sie schalkhaft und lacht. Auch träfer Humor gehört in ihrer Familie offensichtlich dazu. «Mängisch hani ou mösse chli donnere», sinniert sie rückblickend. Und: «Jo, me hed mängs döregmacht.»
Vieles durchgemacht in einem ganzen Jahrhundert – das kann man wohl sagen. Und heute, was macht die Hundertjährige heute am liebsten? Singen! Das Singen ist das Wesentlichste, das ihr noch bleibt. Sie geniesst es, wenn sie jemand besucht und mit ihr singt.
Das Leben schätzt sie. Geniessen solle man deshalb jeden Tag, sagt sie. Und nicht übertreiben, mit «fäschte ond lompe». Wieder lächelt sie. Mit den Gross- und Urgrosskindern wird allerdings schon gefeiert. Wie? Natürlich mit Bräteln im Wald.
Ursula Koch-Egli