«Lieben heisst, das Glück der anderen suchen»
Pater Toni Rogger (76) stellte vor mehr als 50 Jahren sein Leben in den Dienst der Salesianer Don Boscos. Die Arbeit für bildungshungrige Jugendliche in der Schweiz und in Deutschland prägte seine Anfangsjahre im rasanten Wandel von Werten und Gesellschaft. Heute wirft der weit gereiste katholische Ordensmann einen weihnachtlichen Blick auf sein weltumspannendes Hilfswerk «Don Bosco Jugendhilfe Weltweit» mit Sitz in Beromünster. Im Interview gibt er Einblick in Theologie und Tatendrang eines bescheidenen Gottesmannes – im Dienst für das Glück anderer.
Bedächtigen Schrittes und mit einem Lächeln kommt Pater Toni zum Interview in der Don Boscostrasse 31 in Beromünster. Ruhe, Zufriedenheit und auch Zuversicht sprechen aus den Augen des aus dem Kanton St. Gallen stammenden Ordensmannes. Mit einem halben Jahrhundert Rückschau und visionären Gedanken für die Zukunft schenkt er Mut und Hoffnung in bewegten Zeiten.
Schon seine Familiengeschichte war prägend für seine Berufung als Priester. Aufgewachsen ist Pater Toni Rogger in Uznach, in einem alten Bauernhaus. Gemeinsam mit seinen Eltern und drei Brüdern. Sie hatten ein sehr bescheidenes, aber auch schönes Leben mit viel Freiheit, wie er sagt. Getragen von Zuwendung und tiefem Glauben ihrer Eltern. Die Mutter war als Vollwaise aufgewachsen. Der Vater hat über 50 Jahre in derselben Textilfabrik Stoffe bearbeitet. Und mit einem Lächeln fügt er hinzu: «Meine Eltern haben uns gefördert, soweit es in ihren Möglichkeiten lag. Wohl auch aus dem Wunsch heraus, dass wir Buben es einmal besser haben sollten als sie.»
Pater Rogger, was bedeutet für Sie «Gottesdienst»?
Ich sehe hier zwei Aspekte: Zum einen ist es Gott dienen, indem ich den Menschen diene. Zum zweiten ist es Gott dienen, durch Gebet und Liturgie. Und damit in Beziehung zu Gott zu sein. Im Weihnachtsgottesdienst feiern wir insbesondere die Ankunft der Liebe Gottes bei uns Menschen. Die vielen Lichter sind Sinnbild dieser Zuwendung, die bei uns angekommen ist.
Was bedeutet die Weihnachtsbotschaft für Sie?
In all den Jahren meiner Arbeit durfte ich deutlich erfahren, dass das Weihnachtsevangelium gerade für die ärmsten Menschen eine Botschaft der Befreiung, der Hoffnung und der Freude ist.
Was gibt Ihnen Mut und Hoffnung?
Es ist der unerschütterliche Optimismus, inspiriert von Don Bosco. Dieser nährt sich aus dem tiefen Glauben daran, dass Gott es gut mit uns meint. Dieser Glaube hilft, schwierige Situationen zu bewältigen. Für mich ist es dieser Glaube an Gott, der meinem Leben Halt und Hoffnung gibt.
Woran glaubt der «moderne Mensch»?
Wohl in erster Linie an sich selbst. Dass er das Leben im Griff hat. An den Fortschritt. Und an materielle Werte. Wobei ich mich frage, wie weit Materielles überhaupt Werte haben kann.
Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?
Es geht mir um die Weihnachtsbotschaft: Frieden auf Erden. Das wünsche ich mir. Zwischen Nationen gleichermassen wie zwischen Menschen, die miteinander leben.
Was bedeutet für Sie «Schenken» zur Weihnachtszeit?
Es bedeutet für mich, für andere da zu sein. Zeit haben. Etwas von sich selbst zu geben. Für meine Mitbrüder koche ich ein Weihnachtsmahl. Ich habe seit Jahren kein Weihnachtsgeschenk mehr gekauft.
Wie können wir heute die Herbergssuche in Bethlehem verstehen?
Das ist eine wichtige Frage, gerade in diesen bewegten Zeiten. Ob in Gaza, dem Libanon, der Ukraine oder dem Sudan: Millionen von Menschen sind auf der Suche nach einer geschützten Herberge mit Wärme und Licht. Mit sauberem Wasser und Nahrung. Gerade an sie sollten wir zu Weihnachten denken und im Rahmen unserer Möglichkeiten Gutes tun.
Mit Spenden an die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit?
Das ist ein guter Weg, um konkrete Hilfe für Menschen in Bedrängnis zu schaffen. Meine Mitbrüder gleichermassen wie die Don Bosco Schwestern, leisten in 136 Ländern dieser Welt Hilfe für die am meisten benachteiligten Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche. Durch unsere jahrzehntelangen Präsenzen vor Ort sind wir tief mit der Bevölkerung verbunden. Unsere Arbeit und Hilfe kommt sehr zeitnah und beinahe gebührenfrei an.
Sie sprechen auch offen über die Möglichkeit der Testaments-Spende.
Weil es vielen Menschen meines Alters ein Bedürfnis ist, aus dem lebenslang Erarbeiteten etwas Gutes zu hinterlassen. Gerne erinnere ich mich an einen Testaments-Gönner vor einigen Jahren. Er hatte nur die Primarschule besucht und war viele Jahre lang einfacher Knecht auf einem Bauernhof. Später konnte er dann doch noch eine Lehre machen. Aber sein ganzes Leben war entbehrungsreich und geprägt von Bescheidenheit. Als er im Altersheim sein Ende kommen sah, bat er mich um ein Gespräch und drückte seinen letzten Willen aus, dass es benachteiligte Kinder und Jugendliche mit seiner Hilfe einmal besser haben sollen. Ich sehe heute noch die Freude und Seligkeit in seinen Augen, als er das zu Lebzeiten in die Wege leiten konnte.
Was ist für Sie die wichtigste Botschaft des Ordensgründers Don Bosco für die heutige Zeit?
Don Bosco hat sich leiten lassen vom Gedanken, den er seinen Jugendlichen mehrmals weitergab: „Ich will euch zeitlich und ewig glücklich sehen“. Von diesem Wunsch war sein ganzes Leben bestimmt. Wie kein anderer hat er mit seinem ganzen Lebenseinsatz junge Menschen begleitet. Ihnen eine Heimat zu geben, die Freizeit mit ihnen zu teilen, Ausbildungsplätze zu finden. Und bei den grossen und kleinen Sorgen auf dem Weg zum Erwachsensein einfach da zu sein. Jeder einzelne junge Mensch war für ihn wichtig, weil Gott ihn liebt.
Was bedeutet das für die Jugend von heute?
Junge Menschen erfahren heute oft wenig Liebe. Schon gar nicht machen sie die Erfahrung, dass Gott sie liebt. Wir leben in einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche (aber auch wir Erwachsene) jeden Tag Hass, Missgunst und Feindseligkeit erfahren. Die Flucht in soziale Medien macht es oft noch schwieriger. Deshalb ist es für uns Salesianer Don Boscos heute besonders wichtig, jungen Menschen aufzuzeigen, dass sie in ihrem Leben nicht allein sind. Wir sind für sie da und begleiten sie mit Lebensfreude und Optimismus. Damit verbunden ist eine gute menschliche, schulische und berufliche Bildung. Damit das Leben junger Menschen gelingt.
Was ist Ihr Lieblingszitat von Don Giovanni Bosco?
Lieben heisst, das Glück der anderen suchen. Und: Liebe siegt immer.
Text und Interview: Gabriel Müller
Spenden aus der Schweiz für die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit ...
... ermöglichen sehr zeitnahe und direkte Hilfe vor Ort in den Hilfsprojekten der Salesianer Don Boscos. Viele Menschen sind begeistert, wie rasch, sparsam und effizient hier Unterstützung an den Brennpunkten der Not geleistet wird. Mit der Errichtung der Stiftung Don Bosco für die Jugend der Welt wurde zusätzlich ein Gefäss geschaffen, wo Menschen auf lange Zeit und mit zielgerichteter Berücksichtigung ihrer Förderwünsche einen nachhaltigen Beitrag im Dienst benachteiligter Jugendlicher leisten können.
Ähnlich ist die Situation von Menschen, welche die Don Bosco Jugendhilfe Weltweit in ihrem Testament berücksichtigen und oft noch zu Lebzeiten das Gespräch mit Pater Toni Rogger suchen, um ihren Gönnerwünschen Ausdruck und Verbindlichkeit zu verleihen. «Ohne diese Hilfe wären wir hilflos und ich bin dankbar für jedes hilfreiche Gespräch. Und doch ist das Herzstück unserer so wichtigen und nachhaltigen Hilfsprogramme das Engagement meiner Ordensbrüder sowie aller Mitarbeitenden vor Ort in Afrika, Asien, Lateinamerika und auch Osteuropa», so der tatkräftige Priester, der auch noch seine Vision in Worte fasst: «Meine grösste Hoffnung ist, dass wir Menschen in Frieden miteinander leben und uns vermehrt einsetzen für die Bewahrung der Schöpfung. Als Salesianer Don Boscos sind wir gefordert, junge Menschen durch ökologische Erziehung und Spiritualität in eine gute Zukunft zu führen und ihnen so den Glauben an einen menschenfreundlichen Gott zu erschliessen.»
www.donbosco.ch
Bilder: don bosco jugendhilfe weltweit