Lichterlohe Freude an der Tradition
Nur wer sich achtete, nahm es wahr: Das lodernde Feuer auf der Schanz am vergangenen Dienstagabend. Es war das «Gregorifüür», aus heiterer Freude an der Tradition von einem guten Dutzend Möischterern entzündet.
Es braucht schon etwas «Pfuus», damit die Flammen aufflackern können, denn das Holz ist etwas nass. «Ohne Gasbrenner wärs schwierig», meinen Bär und Ritschi und zündeln freudig in den Stapel, der nun doch allmählich zu ziehen beginnt. Nieselregen fällt, der Westwind frischt auf. Ein gutes Dutzend Leute stehen gutgelaunt auf dem Hügel der Schanz bei Beromünster. Urtümlich, was hier abgeht, es entspricht einer uralten Tradition, immer exakt am 12. März hier dieses Feuer zu entzünden.
Papst Gregor oder Fleckenbrand?
Vor 260 Jahren, in der Nacht vom 12. auf den 13. März, brannte der Flecken von Beromünster nieder, heute brennt das Gregorifeuer auf der Schanz. Ob dieser Brauch auf den Fleckenbrand oder auf Papst Gregor zurückzuführen ist – oder auf beides – ist ungewiss. Spielt in dem Moment aber auch gar keine Rolle. Die Tradition brennt und besteht, das beweisen die paar Unbeirrten, die sie sich nicht nehmen lassen.
Der Stapel gerät nun richtig in Brand. Es wird heiss. Die Frauen und Männer lachen, plaudern. Das Gregorifeuer 2024 macht Freude! Vor allem jenen, die dort sind. Von Weitem sieht man auf dem Hügel der Schanz bloss einen rötlich flackernden Punkt.
Seit vielen Jahrhunderten trifft man sich am 12. März auf der Schanz. «Zu Ehren Papst Gregors, gestorben am 12. März im Jahre 604, wird dort jeweils das Gregorifeuer entzündet», schrieb einst Ludwig Suter. Eine Legende erzählt, Sankt Gregor habe Eltern und Lehrern verboten, die Kinder mit Ruten oder Stöcken zu schlagen. Um dieses Verbot einzuhalten, mussten alle Erzieher die Stöcke auf einen Platz bringen, wo sie verbrannt wurden. Eine schöne Sage. Ähnliche Feuerbräuche in dieser Jahreszeit gibt es aber unzählige. Sie haben ihren Ursprung in der Vertreibung des Winters und im Feiern vom Erwachen der Natur. Der Chienbäse-Umzug in Liestal, das Zürcher Sechseläuten und das Lichterschwemmen in Ermensee, die alten Fasnachtsfeuer und selbst das kirchliche Osterfeuer sind weitere Beispiele dafür.
Kein Grund zu verzichten
Dem Gregorifeuer 2024 von Möischter widerfuhr vorgängig eine kleine Verunsicherung, denn die Fleckenzunft, die dieses traditionsgemäss organisiert, befindet sich derzeit im Ausstand. Kein Grund, auf den flammenden Brauch zu verzichten, fanden einige Zünftler und zündeten den Funken aus eigener Initiative. So lässt sich wohl sagen: Solange das Feuer noch brennt...
Beeindruckt steht man in dieser Dienstagnacht ums «Gregorifüür», mächtig, diese Kraft. Ein Windstoss, dann fällt der lodernde Stapel hin. «Nach 8 Minuten und 13 Sekunden», witzeln einige in Anlehnung ans Sechseläuten von Zürich, und jemand lacht: «So lange dauert das nächste Bot!» Eine angenehme Prognose.
Ursula Koch-Egli
In der Nacht vom 12. auf den 13. März 1764 brach Feuer im Flecken Beromünster aus. Der verheerende Brand konnte nicht eingedämmt werden und breitete sich über alle Häuser aus. 92 Gebäude brannten nieder. Glücklicherweise konnten die rund 370 Bewohner gerettet werden und es gab keine Tote zu beklagen. Oberhalb des Fleckens waren nur die herrschaftlichen Stiftsgebäude und der «Hirschen» unversehrt geblieben, am unteren Ende der Spittel und das Zollhaus. Dazwischen stand nichts mehr. Anstelle der abgebrannten Häuser wurden zwischen 1764 bis 1769 insgesamt 46 breitere und feuersichere Neubauten errichtet.
Quelle: Haus zum Dolder
Weitere Impressionen vom Gregorifeuer am Dienstagabend, 12. März, auf der Schanz:
Bilder: uke