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Leserbrief zur Biker-Lenkung: Es braucht griffige(re) Massnahmen


Ich beziehe mich auf die Infoveranstaltung der Trägerschaft MTB Michelsamt vom 16. November, die sehr gut besucht wurde.

Für gewünschte, echte Verbesserungen und bleibenden Erfolg braucht es griffige Massnahmen. Vor allem Biker sowie auch Vertreter auf kantonaler Ebene und etliche Behördenmitglieder boten Präsenz. Diese Infoveranstaltung war strategisch gut geplant. Kompliment an die dafür Verantwortlichen, vorab an Roman Schuler, welcher diese Interessengruppe an der Spitze zu ihren Erfolgen führt. Roman leitet diese Gruppe professionell, extrem zielorientiert, aber auch sozialkompetent. Ich vertrete in dieser Biker Geschichte/-Lenkung komplett eine andere Meinung und Haltung als Roman, aber wir pflegen ein sehr freundschaftliches, verständnis- und rücksichtsvolles Miteinander. 

An dieser Veranstaltung war auch eine beachtliche Gruppe von Naturschützern, vor allem Jäger, anwesend und damit eine Gruppe von kritischen Stimmen gegenüber diesen Bike-Trails. Bei diesem Informationsanlass wurde über die Entstehung der illegalen, wilden Trails berichtet. Mitte / Ende der Achtzigerjahre kamen die ersten Mountainbikes auf den Markt und das Interesse an diesen geländetauglichen, allmählich immer besser ausgestatteten Fahrrädern wurde stets grösser. Der Verkauf dieser Velos fing an zu boomen und da sich einzelne dieser Fahrer immer weniger mit befestigten Strassen und Wegen begnügten, entstanden Probleme. Vor allem respekt- und rücksichtslose Fahrer suchten stets neues Terrain. In den Wäldern und den nahegelegenen Wiesen (oft den Waldrändern entlang) wurde wild gefahren. Die Sache nahm ein Ausmass an, das nun langsam bei der gesamten Bevölkerung für Auf-sehen sorgte und zu handeln gar verpflichtete. In den geltenden Waldge-setzen wäre dieses Verhalten geregelt und klar verboten. Doch, der Vollzug funktionierte nicht!

Bei Interventionen durch Landwirte, Waldbesitzer, Förster, Jäger, oder Erholungssuchende wurde nicht immer Verständnis entgegengebracht. Einzelne dieser Biker erlaubten sich trotz ihres gesetzeswidrigen Verhal-tens öfters auch verbal unschöne Geschichten. Mit diesem Zustand und Verhalten wurde für die Kon-fliktparteien klar: So kann und darf das nicht weitergehen. Auf der Suche nach Lösungen wurde nicht der gesetzesmässige Weg gewählt. Fauna und Flora bezahlen mit der nun eingeschlagenen «Lösung» einmal mehr einen hohen Preis! Das Bedürfnis für dieses grenzenlose Fahren ist dermassen gross und unverzichtbar, dass man sich für Lenkungsmassnahmen entschied.

Zum Stand der Dinge: Projekt 1 ist abgeschlossen. Der erste Bike-Trail auf der Höhe östlich vom Michelsamt, durch den schönen Herlisberger- und Chüewald bis nach Römerswil, ist gebaut und bereits eröffnet. An der Infoveranstaltung wurde nun über Projekt 2 orientiert. Ein zweiter Trail über das Gormund, den Moretaler- und Kegelwald bis zum Landessender ist beschlossene Sache und steht in den Startlöchern, da es eine Rundschlaufe mit dem ersten Trail geben sollte. Weitere Projekte sind wohl schon im Köcher, oder mindestens in den Gedanken der Bike-Fahrer, welche ihr Bedürfnis über die Natur stellen. Eine überregionale Anbindung an andere Trails wurde als weiteres Ziel bereits erwähnt. Der Verein MTB Michelsamt fördert und baut durch die schöne Natur, durch intakte Wälder und die Lebensräume der Tiere, Trails. Bestehende wilde Trails werden von den Bikern nicht zurückgebaut. Sofern ein Rückbau erfolgen sollte, oder zu erfolgen hätte, muss der Kantons-Forst und somit der Steuerzahler sich um diese Arbeiten kümmern.

Trotz meinem Empfinden in dieser Sache, suche ich nach positiven Veränderungen, die die Zukunft mit diesen Lenkungsmassnahmen doch noch bringen könnte. Dieses Tun und Lassen stimmt mich nachdenklich, aber leider nicht positiv. Zum Zustand mit diesem Treiben in den Wäldern führte der fehlende Vollzug!

Doch, wie sieht dies in Zukunft aus? Obwohl Massnahmen mit Wegsperrungen, Beschilderungen sowie Infotafeln und auch Medienberichte im Michelsamt erfolgten, habe ich weitere Biker auf meinen Reviergängen getroffen, welche sich nicht an diese Regeln halten. Sogar Fahrer:innen aus dieser regionalen Biker-Gruppe ignorierten ihre Lenkung und wählten die eigenen und gewohnten Routen. Ein Vollzug funktioniert auch heute nicht, obwohl das Projekt 1 bereits abgeschlossen ist. Die Luzerner Polizei wird mit Bestimmtheit keine genügende Präsenz erbringen können. Es fehlen personelle und finanzielle Ressourcen. Das Bevölkerungswachstum steigt stetig. Die Bedürfnisse von Menschen werden immer grösser. Fehlverhalten wird weiterhin toleriert, geduldet und somit akzeptiert. Bei Interventionen werden auch in Zukunft die verbal unschönen Szenen ihren Platz beibehalten, wobei der gute Ton natürlich stets auf beiden Seiten gewünscht wäre. Die Sache ist mit diesen Lenkungsmassnahmen nicht gelöst, da fehlende, strenge Vollzugsmassnahmen diese nicht unterstützen.

Die düsteren Aussichten plagen mich sowie viele meiner Jagdkollegen und Jagdfreunde weit über die Reviergrenzen hinaus. Als Jäger steht man in grosser Verbundenheit als Freund, Vertreter und Anwalt der wildlebenden Tiere und dessen Lebensraum. Jagdpächter besitzen nicht nur Rechte, sondern erhalten mit einer Pachtübernahme auch viele Pflichten: Fauna sowie Flora zu schützen und zu erhalten ist ein Auftrag und gehört damit zu einer grossen Herausforderung. Dass uns in dieser «Angelegenheit» die Möglichkeit dazu nicht geboten bleibt und wir nicht in der Lage sind, diese Aufgabe und Pflicht zu erfüllen, macht uns zu schaffen. Es bleibt nun die Hoffnung auf künstliche Intelligenz, da diese ja aus begangenen Fehler zu lernen verspricht.


Markus Riebli-Lang, Gunzwil




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