Leserbrief: Imagine... oder: ein Geschenk mit Zukunft
Ehrlich gesagt bin ich gerade komplett überfordert von der Welt: Während in der nachfasnächtlichen Morgensonne auf der Tanne vor dem Haus ein Federbündel friedlich den Frühling herbeizwitschert, suchen in den Städten Charkivs verängstigte Menschen in Eisenbahnunterführungen Schutz vor Artilleriefeuer und ballert das US-Militär über den Weiten Kanadas Luftballons vom hellblauen Abendhimmel, Grossverteiler verkaufen geschmacklos(e) Himbeeren aus dem Hochland von Peru in Plastiksärgen zum Aktionspreis, im Jemen, in der Türkei, in Syrien usw. frieren und hungern Kinder und unsere ganze Nation fährt Ski oder schaut Odi und Co. zumindest dabei zu, wie sie den künstlich beschneiten Pisten Tausendstelsekunden abringen.
Um die Absurdität und den Zynismus dieser global-digital-medialen Gleichschaltung auszuhalten, gehe ich dieser Tage gern ab und zu spazieren, tauche die Nase, zum Glück allergiefrei, in die ersten Weidenkätzchenblütenstaubwölkchen und wische mir die Schatten vom Wintermantel und vom betrübten Gemüt, auf dass es sich erhellen möge.
Kürzlich zog es mich hinauf auf die Schlössli Höchi. Bei der Bänklialp setzte ich mich hin und liess den Blick über die baugespanngesteckte Landschaft schweifen, grüsste die junge Frau mit dem verknoteten warmen roten Raschelbeutelchen in der linken Hand und den eleganten silbergrauen Windhund an der Leine in der rechten, die von der Waldkathedrale her kommend ihre tägliche luftige Blosenberg-Runde hinter sich hatten und nun Richtung Stift unterwegs waren.
Da hatte ich eine Vision: Wie wäre es, wenn es jemanden gäbe, der die noch überschaubare kleine Welt hier auf der Schlössli Höchi retten könnte? Der politische Argumente, kontrovers ausgelegte rechtliche Sachverhalte, alternative Fakten, unheimliche behördliche Verheimlichungen, gehässige Leserbriefspalten- und Briefkasten-Wortgefechte in aggressivem Rot-Gelb und nicht zuletzt diese enorme Geld- und Energieverschwendung auf allen Seiten einfach beenden könnte, weil der Streitgrund dahinfallen würde?
Und da ist mir doch glatt jemand eingefallen. Stellen Sie sich vor: Eine schon jetzt abermillionenvermögende Unternehmerfamilie denkt, statt eine maximalrenditeorientierte Überbauung auf der umstrittenen Teilparzelle zu realisieren, einfach aus einer anderen, friedfertigen Perspektive. Unkonventionell, mit Freude und echtem Engagement für Land und Leute von hier. Und setzt sich und der Nachwelt – wie einst 1790 das Stift mit der Waldkathedrale – ein neues Denkmal. Das Tolle daran: Es bräuchte dazu weder Rosskastanien noch Hainbuchen, es bräuchte dazu rein gar nichts – ausser einem Herz für die Natur und einem Land-Geschenk an die Gemeinde in Form der Freihaltezone Schlössli Höchi, die für jetzige und künftige Generationen unverbaut und mit Weitsicht erhalten bliebe.
Wäre das nicht eine Multi-win-Situation? In Beromünster käme unsere aufgewiegelte Welt wieder zur Ruhe, die Unternehmerfamilie könnte Unsummen an Propaganda- und Kampagnenkosten sparen, die Bewohner:innen der Häuser auf der künftig rechtmässig bebauten zweiten Teilparzelle genössen die Nähe zur Waldkathedrale und die Aussicht ins Grüne und die Gemeindebehörden könnten ohne Gesichtsverlust zugeben, dass ihnen in der Vergangenheit Fehler unterlaufen sind, wie sie nun mal passiert sind.
So habe ich mir das vorgestellt, als ich da so sass bei der Bänklialp.
Und, ja, dort auf der Höchi bräuchte es dann noch ein schmuckes Schild, auf dem der Name des Land-Schenkers verewigt ist, zum Beispiel mit der Aufschrift: «Gschänklialp».
Petra Meyer, Beromünster