Lebhafte Auseinandersetzung mit dem Lebensende
«Letzte Schritte» heisst das Forum Theater, das Ende Oktober im Stiftstheater Beromünster aufgeführt wurde und Konfliktsituationen im letzten Lebensabschnitt beleuchtete. Das Publikum wurde dabei selber aktiv. Lebhaft inspirierte Auseinandersetzung mit dem Lebensende.
«Ungefähr so wie dieses Bühnenbild wird einst mein Zuhause aussehen. Da werde ich Zeit haben zum Reden, zum Lachen, zum Zuhören, zum Spassen, Zeit zum Leben – sofern ich liebe Menschen finde, die diese Zeit mit mir teilen.» Dies mögen sich viele der Zuschauerinnen und Zuschauer des Forum Theaters gedacht haben, welches am Dienstag, 29. Oktober, in Beromünster aufgeführt wurde unter der Affiche «Altwerden, Altsein, Sterben.» Wer dabei etwas Düsteres zu diesen Themen erwartet hatte, änderte schnell seine Meinung. Alle, die dem Anlass beiwohnten, und das waren an die hundert Personen, waren hell begeistert von der Lebendigkeit und der anregenden Inspiration von Schauspiel und Moderation. Altwerden, Altsein und Sterben. Themen, deren Dringlichkeit auch die Leute vom Ortsmarketing 5-Sterne-Region und Rickenbach nachkamen und deshalb das Forum Theater «Letzte Schritte» ins Stiftstheater einluden.
Wenn Veränderung unumgänglich wird
Auf dem grossen, blauen Teppich im blauen Lehnstuhl sitzt Else Elsener. Daneben ein Tischchen, Kaffee, Bilder, Möbel. Else Elsener in ihrem Zuhause. Für sie ist die Welt in Ordnung. Dass sie zunehmend Dinge vergisst und der Nachbar für sie einkauft, merken ihre Kinder erst, als sie mit dem Backgut die Küche beinah in Brand setzt. Wie sagt man es der betagten Mutter, dass es nun Zeit wäre, in eine betreute Wohnsituation zu wechseln? Dass dies nicht nur eine Frage, sondern ein Problem werden kann, wussten alle nur zu gut. Wer war nicht schon in seinem Umfeld irgendwo mit diesem heiklen Punkt in Berührung gekommen.
Das Spannende an diesem Forum Theater war, wie es sein Name sagt, dass das Publikum direkt miteinbezogen wurde. Es wurde aufgefordert, selber auf die Bühne zu treten und Lösungsschritte einzubringen. So kam es, dass auf einmal Jolien van Ekeren vom Publikum auf die Bühne wechselte und mit Else Elsener diskutierte – Improvisationstheater par excellence.
«Alles war spannend! Man war durchs Band hindurch dabei.» Ruth Müller, Gunzwil
Per Wurfmikrofon diskutiert
Der blaue Teppich von Frau Elsener ist in der nächsten Szene kleiner. Sie ist umgezogen. Auch ihr Radius ist kleiner geworden. Frau Elsener ist allein. Im Heim. Sie nörgelt ständig herum. Eine Pflegerin redet bestimmend auf sie ein. Eine verfahrene Situation – wer hat einen Lösungsansatz dazu? Das Wurfmikrofon kommt zum Einsatz, ein Schaumstoffwürfel mit Tonverstärkung fliegt durch die Luft und wer ihn auffängt, kann seinen Text einbringen. Lebendige Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben. Es wird nicht nur zugeschaut bei diesem Theater, sondern auch selber mitgemacht, anschliessend diskutiert, zu zweit und im ganzen Forum.
Zwei volle Stunden dauerte der Anlass, beim anschliessenden Apéro war man sich einig: Es hätte gut noch länger dauern können. So spannend und anregend waren die lebensnah vor Augen geführten Situationen. Else Elsener, mal 79, mal 91. Letzte Schritte tut man nicht belanglos. Im Forum Theater vom Dienstagabend kam man nahe an sie heran.
Das nächste gemeinsame Projekt vom Ortsmarketing 5-Sterne-Region und Ortsmarketing Rickenbach steht bereits auf dem Plan. Im kommenden April findet im Hof Rickenbach eine Diskussionsrunde statt zum Thema: «Diagnose Demenz – Betroffene erzählen».
«Sehr schön gespielt. Es hat mich wachgerüttelt: In unserer Gesellschaft ist es gewissermassen klar, dass man mal eine Familie gründet, die Kinder gross werden und man irgendwann wieder Zeit hat für sich. Aber das Thema, dass man dann seine eigenen Eltern begleitet, die alt sind – das ist irgendwie gar nicht verankert.» Jolien van Ekeren, Beromünster
«Sehr gut umgesetzt und aus dem Leben gegriffen. Eindrücklich, ist es doch ein schwieriger Abschnitt im Leben von Eltern und Kindern.» Conny Schenker, Rickenbach
Ursula Koch-Egli