Kunst aus Bewegung und Harmonie
Pinselschlag – von drinnen nach draussen: Am vergangenen Sonntag gab es in der Gärbigass Beromünster eine Kunst-Performance der besonderen Art. Die 80-jährige Künstlerin Kwang-Ja Yang bewegte Pinsel, Geist und Seele im Einklang.
Die Ausstellung «Pinselschlag» von Kwang-Ja Yang im Atelier fotobass von Christian Hartmann dauert noch bis zum 17. Juni. Vergangenen Sonntag aber machte die 80-jährige, aus Südkorea stammende Künstlerin ihre Bewegung selbst zum Kunstwerk. Sie zog, schlug, drehte und rollte ihren grossen, in schwarze Tusche getränkten Pinsel auf einer Papierbahn vom Innern des Ausstellungsraumes hinaus auf die Strasse – und wieder zurück. Dazu brachte die Schauspielerin Silvia Planzer ihre Stimme, akustischen Pinselstrichen gleich, spontan in die Performance ein. Zwanzig Gäste, meist von weither angereist, verfolgten die aussergewöhnliche Darbietung still und gebannt.
Seele und Geist in Harmonie
«Tusche ist Seele, Pinsel ist Geist», erklärte Kwang-Ja Yang mit sanfter Stimme in gebrochenem Deutsch. Erst müsse sie selber ganz leer werden, um dann beides in Harmonie zu führen. Was auf dem Bild entstehe, wisse man vorher nie. So ging es auch den Zuschauern. Die zierliche Asiatin bewegte sich über das Papier, rollte es mal ein, dann wieder aus, drehte sich um, wechselte Richtung und Kraft der Pinselführung abrupt – dann setzte sie die Papiere zusammen, «fertig», lächelte sie. Entstanden war eine grossflächige, ausdrucksvolle Tuschmalerei, die in sich eine überraschende Einheit bildete.
Geheimtipp in der Nebengasse
Die beiden Künstlerinnen Kwang-Ja Yang und Silvia Planzer bekamen von Christian Hartmann eine leuchtend gelbe Lilie überreicht. Er führt das Atelier fotobass in der Gärbigass Beromünster – für Kenner ein Geheimtipp – und begleitet als Fotograf verschiedenste Kunstschaffende auf ihrem Weg.
Die Ausstellung «Pinselschlag» dauert noch bis Mitte Juni. Auskunft auf Telefon 079 273 36 48, Finissage: Samstag, 17. Juni, 11 bis 15 Uhr.
Von Südkorea nach Zürich
Kwang-Ja Yang wurde 1943 in einem kleinen Dorf in Südkorea geboren und verbrachte ihre ersten Lebensjahre in Japan und kehrte 1946 nach Südkorea zurück. 1966 siedelte sie nach West-Berlin und machte das Studium für Bildende Künste, wurde Meisterschülerin und machte den Abschluss mit Staatsexamen. Weiter folgte das Studium der europäischen Kunstgeschichte, der Bildenden Kunst, der Werkerziehung und Kunstpädagogik.1980 zog Kwang-Ja Yang in die Schweiz, es folgte das Studium der Ostasiatischen Kunstgeschichte an der Universität Zürich. Heute wohnt und arbeitet sie in Zürich.
Text: Ursula Koch-Egli, Bilder: Christian Hartmann