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KSBJazz im Dolderkeller: «Stormy weather» drinnen und draussen

Cooler Auftakt ins Wochenende: Draussen prasselte der Regen nieder und drinnen erklang grooviger Jazz. «KSBJazz meets Dolderkeller» fand am vergangenen Freitagabend zum zweiten Mal grossen Anklang und machte den souterrainen Kulturraum zum Full House. 

Mit ihrer Stimme im Jazz zuhause: Theodora Zumthurm.

«Was wäre das Leben ohne Musik?», fragte Manuel Menrath, Leiter des Haus zum Dolder, die Gäste bei der Begrüssung. Das zweite «KSBJazz meets Dolderkeller» der Kanti Beromünster war auch am vergangenen Freitagabend auf grossen Anklang gestossen. Der Kulturraum unter dem steinernen Kellergewölbe war bis auf den letzten Platz besetzt.

Was das Leben wäre ohne Musik? Auf jeden Fall trockener. Wer das Konzert am Freitagabend im Dolderkeller besuchte, kam nicht darum herum, nass zu werden. Dies in wahrem und übertragenem Sinn: Der Regen schüttete in Strömen und die Jazzmusik perlte wie köstlicher Wein. Leiterin des Konzerts und Gesangslehrerin Jolanda Brunner strahlte pure Begeisterung aus für das Musikgenre Jazz und freute sich, dass sieben Schüler:innen sich auf die besondere Herausforderung eingelassen hatten, Jazz zu singen. Unterhaltsam informierte sie das Publikum über die Ursprünge und Entstehung der Songs – Jazzstandards genannt, also Kompositionen aus dem vergangenen Jahrhundert, die von Jazzmusikern kontinuierlich gespielt wurden und alle Stilentwicklungen überdauert haben. Und nicht selten, so erfuhr man, waren viele dieser berühmten Stücke legendärer Jazzgrössen unter einem nicht unbeträchtlichen Einfluss von Alkohol entstanden. Solcher Jazzperlen kam man nun voll in Genuss, natürlich ohne Alkohol, dafür jugendlich vorgetragen, swingend und klingend am Piano begleitet von Jazzpianist Peter Zihlmann.

Zum Mond und zurück

Mara Müller eröffnete das Konzert mit «Fly me to the Moon» von Frank Sinatra, ein Stück, das 1969 nach der Mondlandung über Funk zur Besatzung der Raumfähre gestrahlt worden sei, wie Jolanda Brunner erzählte. 55 Jahre später trug es nun eine junge Gesangsschülerin im Dolderkeller vor, und ihre anfängliche Nervosität verflog nach und nach im Verlauf dieses musikalischen Mondflugs. Erst bei der Ansage zum zweiten Stück realisierte die Leiterin, dass Mara das Stück ganz ohne eingeschaltetes Mikrofon vorgetragen hatte – wofür sie gleich nochmals Spontanapplaus bekam.

«Ain’t no Sunshine when she’s gone» folgte darauf, ein Song aus dem Film «The Days of Wine and Roses» – Wein als Jazz-Inspiration lässt grüssen. Eliona Shala trug diesen Standard hinreissend vor, die auf der Treppe sitzenden Mitschülerinnen und sogar Rektor Marco Stössel im Hintergrund, eine Hand in der Hosentasche, schnippten lässig dazu mit den Fingern im Takt.

Düster, kratzig, schimmernd, heiter

Mit einer satten Prise Düsterheit gings dann weiter zu «Alice» von Tom Waits, einem Künstler mit unverkennbarer Stimme und bekannt dafür, dass er nicht nur über Betrunkene sang, sondern auch oftmals wie einer klang. Gesangsschüler Laurenz Pirchl interpretierte das sehr ruhig, tief und traurig klingende Lied sicher und souverän, wenn auch seine samtige Stimme noch nicht ganz an die Kratzigkeit jener von Tom Waits herankam.

Als Nächstes zog darauf die seidig schimmernde Stimme von Naima Cottone das Publikum in den Bann. Ihr «Black and Gold» trug die Schülerin sehr klar und berührend vor, dezent unterstützt von zwei weiteren Stimmen ihrer Mitschüler. Black and Gold – drinnen glänzende Jazzrhythmen, draussen plätschernder Regen auf dem Asphalt.

«Manuel Moser ist der Einzige, der nicht singen ‹muss›», sagte Jolanda Brunner charmant den nächsten jungen Interpreten an. «Er hat weder Musik als Grundlagenfach, noch muss er zu einem Casting... Manuel singt einfach, weil er will.» Und das merkte man sofort. Sein «What a Wonderful World» war erfrischend direkt und ehrlich. Die Melancholie des Jazz vermochte seiner natürlichen Heiterkeit nicht beizukommen. Auch dieser Song wurde mit einem leisen Background-«uuh-uuh» des auf der Treppe sitzenden Chors wunderbar abgerundet.

Die nächste Sängerin begann schon mit einem Lächeln im Gesicht ihren Vortrag und man gewann den Eindruck, dass sich die junge Frau im Jazz wirklich zuhause fühlt: Theodora Zumthurm mit «Can’t get out of this Mood». Sie gab ihrer Stimme vollen Ausdruck, sang sich jazzig, pur und überzeugend in die Herzen des Publikums, da wollte man doch bloss hoffen, die junge Stimmkünstlerin gelänge niemals «out of this mood».

Berührend klar: Naima Cottone interpretiert «Black and Gold».


Man muss nicht – aber es hilft

Darauf folgte «Lonesome old Town» aus dem Film «Leaving Las Vegas» und wie Jolanda Brunner unterhaltsam ausführte, lag auch diesem Werk - die Hauptfigur war Alkoholiker - ein gewisser Pegel als Nährboden zugrunde. Irgendwie, so schien es, hatten alle einflussreichen Jazzmusiker etwas mit Alkohol am Hut. Muss man das denn, um guten Jazz zu machen? Nein, aber wahrscheinlich hilft es. Wie auch immer. Wer dem Jazz noch nicht verfallen war, konnte es nach dem Abend im Dolderkeller werden. Sehr gute und eingängige Standards wurden dem Publikum geboten, die in den Ohren liegen und jugendlich frisch nachklingen, wie eben guter Wein im Nachgang.

Während der Gewitterregen sich zunehmend über den Dächern von Beromünster entleerte, brachte Shirin Mabrouk ein relaxtes, von – was auch sonst? – Liebeskummer handelndes «Stormy Wheather» in den souterrainen Kulturraum im Flecken. Ein Stück aus dem Jahr 1933, erstmals gesungen von Ethel Waters in einem Nachtclub in Harlem, ein Meisterwerk seit über 90 Jahre erhalten und von Stars wie Etta James, Frank Sinatra oder Ella Fitzgerald performed – und dann gesungen von einer jungen Frau irgendwo in der Schweizer Provinz. Der Platzregen prasselte noch stärker auf den Asphalt und groovig tönte es drinnen: «Keeps raining all of the time...»

Jazz im Blut

Als krönenden Abschluss beschenkte Theodora Zumthurm das Publikum nochmals mit ihrem weichen, flirrenden, bisweilen zwitschernden «How high the Moon», das volle Glas ihres Stimmspektrums auskostend bis zum letzten Tropfen.

«Jazz braucht Mut, Offenheit, Frechheit und Herzblut!», sagte Marco Stössel in seiner kurzen Rede im Anschluss an das Konzert. Er bedankte sich bei Jolanda Brunner für diese Bereicherung des KSB-Kulturangebots, das sie zum zweiten und bestimmt nicht zum letzten Mal organisiert hat. Mit viel Lob bedankte er sich auch beim Pianisten Peter Zihlmann, der die jungen Stimmen locker und sicher begleitet hat und meinte: «Du hast sowieso Jazz im Blut!» «Ja, und Wein auch.», konterte dieser trocken. Na also, ist halt doch was dran.


Text und Bilder: Ursula Koch-Egli


Von links: Laurenz Pirchl, Manuel Moser, Naima Cottone, Eliona Shala, Mara Müller, Shirin Mabrouk, Theodora Zumthurm.
Hat «Jazz im Blut»: Pianist Peter Zihlmann.


Bringt den Jazz in den Dolderkeller: KSB-Gesangslehrerin Jolanda Brunner.
«Flying to the Moon»: Mara Müller.
Gibt dem Gesang das gewisse Etwas: Der Chor mit den Fingern schnippend mit im Takt.
Strahlend wie die Sonne: Eliona Shala mit «Ain't no Sunshine».
Hingebungsvoll, aber nicht ganz so kratzig wie Tom Waits: Laurenz Pirchl.
Die Background-Stimmen (links) geben dem Song «Black and Gold» wunderbares Volumen.
«What a wonderful World» mit Manuel Moser – und das glaubt man ihm.
«Ich versuchte, die Nervosität einfach auszublenden»: Shirin Mabrouk.
Scatten wie Ella Fitzgerald: Theodora Zumthurm.
Wenn am Ende Erleichterung die Nervosität ablöst: fröhliches Schlussbild aller Sänger:innen.
Reger Austausch beim Apéro, der Dolderkeller wurde zum Full House.
Für einmal nicht im Rahmen des Schulalltags: Flavia Steiger (links) im Gespräch mit Schülerinnen.





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