KSB-Kulturabend: «Don’t Feed the Troll!»
Was heute im Internet-Slang «Troll» genannt wird, gab es schon immer: Menschen, die es mögen, andere zu plagen, ihnen bewusst und gezielt lästig zu fallen – oder Schlimmeres: sie zu verfolgen, zu bedrohen, ihnen ihre Existenz unmöglich zu machen. Am Kulturabend der KSB vom 26. November wird dieses Thema gesanglich und gestalterisch kreativ umgesetzt.
«There’s always one … troll! » Von links: Gina B., Philomena H., Mara M. und Amelie S. bei den Proben.
Hinter «Trolling» verbirgt sich vieles: Lust an der Provokation, Kompensation eigener Enttäuschungen (oder gar Traumata), Rachefantasien, Machtgelüste und mehr. Eines ist Trolling also nie: harmlos und unbedeutend.
Aber: Trolle leben von Aufmerksamkeit, die Wut und Verzweiflung ihrer Opfer bringt ihnen Befriedigung und Selbstbestätigung; darum ist es ihnen gegenüber auch viel wirksamer, sie zu ignorieren, als es dies gegenüber rücksichtsvollen Menschen wäre – sie verlieren buchstäblich alles, worauf es ihnen ankommt, wenn man sie ausblendet. Das meint der Satz: «Don't feed the troll!»
Trolling: Risiken, Strategien und Lösungen
Aber leider birgt diese Strategie drei Risiken und Probleme, die es zu lösen gilt: Erstens: Trolle sind zäh, geben nicht so leicht auf und können darum ihren Opfern noch lange nachstellen, selbst wenn diese sie nicht beachten; je nachdem steigern sich Trolle auch in den Wahn hinein, sie müssten nur genug Schaden anrichten, dann würden sie schon wieder wahrgenommen. Das heisst, gerade das an sich nützlichste und einfachste Rezept führt vielleicht ungewollt und unerwartet zu einer Eskalation.
Zweitens: Es ist nicht ausgeschlossen, sogar durchaus wahrscheinlich, dass hartgesottene Trolle die gegen sie gerichtete Strategie durchschauen und sich dafür zu rächen versuchen, indem sie indirekt arbeiten und über das Umfeld einer Person Schaden bei derselben anzurichten versuchen. Man muss also mit Angriffen aus verschiedenen, auch völlig unvermuteten Richtungen rechnen – bis hin zum Versuch, existenzielle Beziehungen zu zerstören.
Kulturabend am 26. November im Stiftstheater
Drittens: Möglicherweise ist, wer einen geärgert hat, eigentlich gar kein Troll, sondern lediglich unerfahren, ungeschickt oder verunsichert, vielleicht sogar panisch. Gerade solche Menschen können extrem darunter leiden, geschnitten und ausgeschlossen zu werden – wendet man das Rezept also gegenüber einer grundsätzlich unschuldigen Person an, dann richtet man selbst so viel Schaden an, wie es ein Troll getan hätte.
Der diesjährige Kulturabend am 26. November um 17 Uhr im Stiftstheater Beromünster geht diesen Problemen und Zusammenhängen auf den Grund. Es treten auf: Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Beromünster unter der Leitung von Jolanda Brunner (Gesang), Matthias Gaiser (Konzept und Texte) und Oliver Rickli (Gestaltung).
Text und Bild: Matthias Gaiser