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Krallenverletzungen sind nicht zum Spassen

Eine der häufigsten Verletzungen, die wir beim Hund sehen, sind Krallenverletzungen. Wie zum Beispiel beim sechsmonatigen Havaneser Hündchen, dessen Besitzerin nach einem Spaziergang in Beromünster notfallmässig in der Praxis erscheint. 

Da sich ihr Hund an der Pfote nicht mehr anfassen lässt, ist sie alarmiert. Die kleine Daumenkralle, die absteht, ist aber mit einem Zangenklick schnell entfernt und mit Verband, Schmerzmittel und einem «Gudeli» ist das Hundemädchen nach wenigen Minuten wieder entlassen. Wenn aber eine Zehenkralle, die den Boden berührt, verletzt ist, schmerzt dies den Hund über Tage hinweg und dies zeigt sich in einer Lahmheit. In diesem Fall ist es ratsam, die verletzte Kralle mitsamt Krallenbeet unter Kurznarkose an der Basis zu entfernen. So kann die Kralle unter dem Verband schneller nachwachsen und schützt das Krallenbeet dann vor empfindlicher Berührung.

Bei der genauen Inspektion erkannten wir mehrere Krallen, die hohl waren.

Wenn ein Hund bereits das dritte Mal wegen einer abgebrochenen oder gespaltenen Kralle ­vorstellig wird, dann werden wir stutzig und überlegen uns, ob es sich um eine generelle Krallenerkrankung handeln könnte. So wie bei der fünfjährigen Labradorhündin, die immer wieder Krallen verloren hatte, was sich dann auch schmerzhaft bemerkbar machte. Bei der genauen Inspektion erkannten wir mehrere Krallen, die hohl waren, und überwiesen den Fall mit Verdacht auf «lupoide Onychodystrophie» an die Hautspezialisten. Für die gesicherte Diagnose wäre eine Zehenamputation erforderlich ­gewesen. Stattdessen entschieden sich die Besitzer aber

Meistens benötigen Hund sowie Besitzer viel Geduld.

für einen Therapieversuch. Verschiedene Medikamente können bei dieser, vermutlich angeborenen, vielleicht vererbten Krankheit ausprobiert werden: Entzündungshemmer, Durchblutungsförderung, Omega Fettsäuren, Vitamine. Eine direkte Ursache wurde bisher nicht beschrieben. Vermutet wird auch eine Autoimmunerkrankung, also eine Entzündungs-Reaktion des Körpers auf sich selber. Meistens benötigen Hund sowie Besitzer viel Geduld, weil sich unter der passenden Therapie die Symptome erst nach Monaten verbessern. Oft ist auch eine lebenslange Behandlung notwendig. Übrigens, gibt es auch einen nicht ganz salonfähigen Witz über das Krallenschneiden beim Tierarzt. Wer ihn kennt, der weiss, wieso ich ihn hier nicht veröffentliche.

Patrick Curschellas arbeitet als Tierarzt in der Kleintierpraxis Dr. Küng in Beromünster. In seiner monatlichen Kolumne «Tierisch gut beraten» beantwortet er Fragen rund um die geliebten Vierbeiner. www.kleintierpraxiskueng.ch 




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