Klang, Licht und Bewegung – ein Abend voller Höhenflüge
Der Konzertevent «Brass in Motion» der Brass Band Rickenbach ging vergangenes Wochenende fulminant über die Bühne. Die diesjährige Gastformation war der STV Rickenbach. Kunst- und Geräteturner sowie die Sprungsektion brachten explosiv Bewegung ins Spiel und den Kubus zum Kochen.
Die Zutaten für einen Rickenbacher Konzertevent sind eigentlich schnell aufgezählt. Etwa zwölf Musikstücke für Brass Band in ausgewogener Zusammensetzung von seidenfein bis fulminant, dazu die spezielle Anreicherung durch Auftritte einer spartenfremden Gastformation, eingehüllt in eine abgestimmte Licht- und Bildershow. Das Ganze dann dreimal kompakt angerichtet in der Kubushalle, vor familiärem, Brass Band-treuem Publikum, wo man sich gleich über den Tisch hinweg kennt.
Das ist der Konzertevent der Brass Band Rickenbach, wie er konstant seit 19 Jahren über die Bühne geht. Er entlockt den Besucherinnen und Besuchern stets ein Raunen der Begeisterung und Beschreibungen nur in Superlativen. Auch dieses Jahr, am Wochenende vom 26. bis 28. Januar, war das nicht anders. In anderen Worten, der Rickenbacher Konzertevent verbindet Faszination, Perfektion, Motivation und Emotion.
Ein Heimspiel
«Brass in Motion» war der Titel der diesjährigen Show, also «Brass in Bewegung», die Gastformation hatte diesmal ein Heimspiel: Das Kunst- und Geräteturnen des STV Rickenbach sowie die Sprungsektion brachten auf atemberaubende Weise Bewegung ins Spiel und den Saal fast zum Kochen.
Schon beim Einmarsch der Band unter der Leitung von Florian Lang herrschte tosender Applaus. Die Bühne war in Nebel und blaues Licht gehüllt. Mit dem Anklingen der «Olympic Fanfare» von John Williams wirbelten auch schon die Kunstturner an Reck, Barren und Ringen am und über dem Publikum vorbei, begleitet von einem projizierten Lichtertaumel und mitreissender Perkussion. Bewegung, Licht, Klang – alle Sinne waren angesprochen, da und dort stockte vor Staunen der Atem. Die Brass Band spielte sattelfest.
«Höher, weiter, schneller...», so bezeichnete Moderator Manuel Burkhard das Motto der Stunde und lud die Gäste ein zu einem «Abend voller Höhenflüge». Er versprach nicht zuviel. Es folgten drei Brass Band Stücke solo, also ohne turnerische Interaktion. Funky, mit zunehmender Intensität und abrupt ändernden Tempi, überraschenden Rhythmen und irreführenden Wechseln – so erklang «Fanfare and Funk» von Oliver Waespi, begleitet von einem pulsierenden Lichterrausch in Blau, Lila und Gelb. Es blieb einem nichts anderes übrig als einzutauchen in diesen Kosmos aus Klang und Farbe. «Avsked – Federspiel», arrangiert von Florian Lang, brachte danach meditative Klänge hervor. Bühnenfüllende Landschaftsmotive bannten das Auge zum Sound der Brass Band, die als homogener Klangkörper wirkte.
Schlag auf Schlag
Für den zweiten Showblock erschienen die Turner in Hemd und Fliege, Hosenträgern und Mütze. «Brooklyn – Youngblood Brass Band» war ein klangvoller Abstecher ins Amerika des frühen 20. Jahrhunderts, die Barrenshow der Kunstturner liess nichts zu wünschen übrig. Mit «Solum Valeo» führte die Brass Band danach bereits in die Pause, alles folgte Schlag auf Schlag und die Zeit verging wie im Flug.
Dynamik und Magnesium
Mit zwei weiteren Turnshows im zweiten Teil setzten die Kunst- und Geräteturner zusammen mit den Turnerinnen der Sprungsektion in perfekter Abstimmung zur Musik mit Sprüngen, Salti und Schrauben zu zwei weiteren Höhenflügen an. Das Non-plus-ultra war das explosive «Danger Zone» von Kenny Loggins. In Anlehnung an den Kultfilm «Top Gun» legten die jungen Athletinnen und Athleten als Militärpiloten und Crew definitiv Showtalent an den Tag. Der Saal war erfüllt von Hitze, Dynamik und Magnesiumstaub.
Emotion in Klangform
Auch im zweiten Teil des Konzertevents 2024 erfreute die Brass Band Rickenbach ihr Publikum mit einer ungebrochen soliden Darbietung. «Prismatic Light» von Alan Fernie liess abheben und der Tango «Chiquilin de Bachin» von Astor Piazzola liess schwelgen. Emotion in Klangform! Begnadete Solistinnen und Solisten gaben zahlreichen Stücken ihren brillanten Firnis. Der Schlusstornado der zwei Stunden und zwei Minuten dauernden Wucht aus Licht, Musik und Bewegung bestand dann aus der feurigen Zugabe «Armenian Firedance» und riss komplett vom Hocker. Alle gaben nochmal alles und dies in perfektem Zusammenspiel. Dazu muss man wissen, dass jedes Tempo, jeder Takt vom ersten bis zum letzten Ton genau abgestimmt war auf die Choreografien, wie ein Räderwerk griffen Musik und Turnelemente ineinander – ausgetüftelt in monatelanger Vorbereitung. Im Herbst 2023 wurden Aufnahmen der ausgewählten Stücke gemacht, dazu studierte der STV seine Show ein. Dann folgten die Anpassungen, was hiess, die Musik musste da mal schneller spielen, dort etwas langsamer, Takte wurden entfernt oder eingebaut, damit alles am Ende aufging.
Ein Freudenspektakel
Am Event war es den Turnerinnen und Turnern des STV Rickenbach durchgehend anzusehen, dass ihnen diese Auftritte Spass machten, dass sie hier unbeschwert von Punkte- oder Leistungsdruck ihre Leidenschaft zum Ausdruck bringen konnten. Die verschiedenen Schweizer Meister Titel, die der STV Rickenbach auf seinem Konto verbucht, repräsentieren das Können dieser Formationen auf Topniveau. Die Aufführungen am Konzertevent fühlten sich dann an wie die Kür nach der Pflicht: ein einziges Freudenspektakel.
Die Brass Band Rickenbach, die sich am Schweizerischen Brass Band Wettbewerb in der ersten Stärkeklasse einreiht und dort in der Elite teilnimmt, bildet demzufolge der Leistung des STV Rickenbach eine ebenbürtige Entsprechung. Zwei solch hochklassierte Vereine aus einem Dorf, zusammen auf die Bühne gebracht – da kam schon eine gewaltige Ballung an Energie zusammen. Das Publikum war demzufolge auch in bester Stimmung. Über Generationen gewachsene Verbindungen kamen zum Tragen, man kannte sich, entweder vom Turnen oder von der Musik oder von beidem, und wer sich kennenlernen wollte, tat dies als Leichtes über den Tisch hinweg. Alle waren locker gestimmt, denn bei einer solchen Darbietung konnte man gar nicht angespannt bleiben. Der Service galt auch schon fast als sportliche Leistung und klappte hervorragend. Ein vielseitiges kulinarisches Angebot wurde geboten und rege genutzt.
Ein Erfolgsmodell
Das Modell «Konzertevent» wurde 2005 durch Corsin Tuor ins Leben gerufen, dem damaligen Dirigenten der Brass Band Rickenbach. Die Idee, anstelle eines reinen Jahreskonzertes ein spartenübergreifendes Musik- und Showerlebnis zu bieten, wurde nun bereits zum 19. Mal realisiert. Comedy oder Filmmusik, Jodel oder Tenöre, Turnen oder Malerei... alles bringt man geschmeidig mit dem Element der Brass Musik auf einen Nenner – der Erfolg scheint ungebrochen und auf die nächste Kombination darf man gespannt sein.
Text und Bilder: Ursula Koch-Egli
Weitere Bilder und Impressionen vom Konzertevent 2024 in Rickenbach:
Bilder: uke