Kirchenzeit: Ein Galgen neben der Kapelle – die bewegte Geschichte der Maria Hilf Kapelle Beromünster
«21. März, 1974. Es ist Frühlingsanfang und ich bin heute 3 Jahre alt geworden. Mein Mami holt den grossen Schlüssel und sagt zur mir: Komm Markus, wir gehen zum Chäppeli und zünden eine Kerze für deinen Geburtstag an».
Das sind schriftliche Erinnerungen von Markus Willimann, Sanitär, aus Beromünster. Das besagte Mami ist Lisbeth Willimann. Die Sakristanin der kleinen Maria Hilf Kapelle. Viele werden sie noch gar nie beachtet haben. Ein kleines, schmuckes Einod, liegt diese Kapelle einen Steinwurf vom VOI Laden entfernt, gleich gegenüber dem Block Stützenfeld 1. Beschützt wird die Kapelle von einem auslandenden Lindebaum.
Die Geschichte der Kapelle ist keine einfache. Hier war die Möischterer Richtstätte. Die Verurteilten durfte bei der Kapelle ihr letztes Gebet verrichten. In unmittelbarer Nähe der Kapelle wurden das Urteil dann mit Schwert oder Galgen vollstreckt. Im Mittelalter fanden Blutgerichte häufig im Schutz einer Linde statt. Deshalb steht bei der Maria Hilf Kapelle noch heute eine sogenannten «Gerichtslinde».
Viele Todesurteile und Vollstreckungen sind bezeugt, ein Heini Schmidli wurde gehängt, Töb Ulin, der einen Knecht erschlug, wurde enthauptet. Die letzte Vollstreckung fand im Jahr 1797 statt. Martin Frey, ein begnadeter Möbelschreiner, entwendete einem Chorherrn eine grosse Geldsumme und versuchte später neuerlich, in die Schatzkammer des Stifts einzubrechen. Nicht einer Goldtruhe, sondern dem Galgen schaute er schon bald entgegen.
Oder der Fall der Johanna Dolder, Tochter des Metzgers Moritz Dolder. Sie war als Magd bei Xaver Lips angestellt und wurde von ihm geschwängert. Welch Schande in diesen katholischen Stammlanden. Um Xaver heiraten und der Schande entgehen zu können, verabreichte Johanna Dolder der Frau des Xaver Gift. Der Vorsitzende des Blutgerichtes, Landvogt Xaver Balthasar, fällte in Anwesenheit des Propstes das Todesurteil. Am 24. November 1764 wurde Johanna um 12 Uhr mittags, auf Zeichen der grossen Glocke der Kirche St. Stephan abgeholt. Sie zeigte auf ihrem Weg zur Richtstätte so viel inbrünstige Reue, dass gemäss Annalen das zusammengelaufene Volk grosses Mitleid bekundete und weinte. Alles Jammern und Wehklagen half nichts und der Scharfrichter waltete mit dem geschärften Schwerte seines Amtes.
Gesitteter und gnädiger geht es heute im Tal der wilden Wyna zu und her. Und kein noch so störrischer und widerspenstiger Ansässiger muss den Gang zur Maria Hilf Kapelle fürchten.
«Mit einem Zundhölzli darf ich dann die Kerze für meinen Geburtstag anzünden», so beschliesst Markus Willimann seine Erinnerungen an seinen 3. Geburtstag. Markus ist heute ein stattlicher Mann in den 50ern, der seine Mutter im fürsorglichen Unterhalt der Kapelle unterstützt. Neulich durfte die Kapellenstiftung Beromünster Elisabeth Willimann mit einem Blumenstrauss überraschen. Seit nunmehr über 55 Jahren schaut Elisabeth zu ihrer Kapelle. Und die Kapellenstiftung darf getrost darauf vertrauen, dass Elisabeth dieses Lebenswerk weiter verrichtet, solange es ihr die Gesundheit ermöglicht. Der liebe Gott segne sie für dieses wundervolle Werk mit bester Gesundheit.
namens der Kapellenstiftung Beromünster, Michael Egli