Kirche wohin? Was lohnt sich in die Zukunft zu tragen?
Vor vierzig Jahren – hat mir ein alter Priester gesagt – hätten sie festgestellt: Wir haben nur noch alte Leute in der Kirche. In dreissig Jahren sei es aus. Doch nach dreissig Jahren hatte es immer noch «nur alte Leute» – aber andere. Das heisst: Es muss etwas geben, das die Menschen berührt.
Gehen wir an die Wurzeln: Beim Abendmahl knisterte es. Die gewachsene Gemeinschaft um Jesus war vom Zerfall bedroht. Da sagte er: Glaubt an Gott und glaubt an mich. Weil sie geglaubt haben und den verheissenen Beistand, den Heiligen Geist, erbeten und angenommen haben, ist Kirche gewachsen.
Was war entscheidend? Sie hörten und liessen sich berühren. Das heisst in einem Bild: Sie kamen in Resonanz mit dem, der ihnen den Glauben vermittelt hat. Sie haben den Grundton von Jesus angenommen und in ihr Leben aufgenommen. Dieser Grundton ist durch die Menschen über Jahrhunderte weitergegeben worden – bis in unsere Zeit. Wir sehen: Wer diesen Grundton aufnimmt, kann ihn weitergeben.
Darum ist die Klassierung in konservativ und progressiv, in alt und neu keine Basis für Entscheidungen, die die Kirche positiv in die Zukunft führen. Entscheidend ist, schafft das, was wir tun und mit andern im Leben teilen, Beziehung zu Gott? Wenn ja, dann lohnt es sich, dies in die Zukunft zu tragen.
Prüfen wir nach diesem Kriterium das Leben in unserer Kirche mit unterschiedlichen Aufbrüchen und unterstützen wir alles, was die Gottesbeziehung fördert.
Chorherr Stefan Tschudi, Leutpriester Stift St. Michael