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Kalle's Musik-Corner on the road: Das Secondhand Orchestra kann auch ABBA!

1020 begeisterte Konzertbesucher, noch mehr als bei «FREDDIE» vor genau zwei Jahren, darunter auch viele Michelsämter, genossen am vergangenen Mittwochabend in der Braui Hochdorf den neusten, dritten Streich des Secondhand Orchestra: «LOVE – Das Mundart-ABBA-Tribute». Sie lassen den zeitlosen Geist von ABBA auf ihre ganz eigene Weise auferstehen.


Unbändige Freude am Musizieren, hier achthändig am Klavier mit «Honey, Honey, Honey», eines von vielen Highlights.


Frölein da Capo, Adrian Stern, Roman Riklin und Daniel Schaub, die man in Rickenbach von ihrer Kollaboration von 2023 mit der Brass Band Rickenbach kennt, und dazu «FM», François Mürner: fünf höchst Kreative, fünf Stars zum Preis von einem. Das Secondhand Orchestra wurde 2016 von Roman Riklin und Daniel Schaub gegründet, mit dem Ziel anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eine Mundartversion des Albums auf die Bühne zu bringen. 2021 war dann zum 30. Todestag von Freddie Mercury die nächste Produktion dran. Beide Tourneen spielten sie aufgrund des grossen Erfolges länger als geplant. So wurde die Band zur beliebtesten Crossover-Truppe der Schweiz. Alleinstellungsmerkmal: Bei den meisten Bands ist der Bassist den ganzen Abend, ja oft die ganze Musikkarriere am Bass. Sie changieren nach jedem Lied an den Instrumenten, was ihre Vielseitigkeit und Variabilität unterstreicht.


«Egal wie's dier so gaht, für wer dis Härz grad schlaht, ABBA hed für dich es Liebeslied parat.»          Im Eröffnungssong von LOVE wird die ewige Emotionalität des ABBA-Songkatalogs thematisiert.


Grossartiger Mix aus ABBAS Greatest Hits und witzigen, perfekt passenden Eigenkompositionen 

1974 – vor genau 50 Jahren – gelang ABBA am Eurovision Song Contest der Durchbruch. «Waterloo» stand am Anfang einer beispiellosen Weltkarriere. Die schwedische Popgruppe wurde nach harzigem Start zu einer der erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte. Die Mundartshow bietet eine einzigartige Hommage an die unsterblichen Hits der schwedischen Songwriter und beweist, dass ABBA auch heute noch für jede Situation unserer eigenen Liebesgeschichten den passenden Soundtrack bereithält.

Dabei werden neue Eigenkompositionen wie «Ohrwurm» und «Tanzmuffel» hemmungslos mit ABBA-Gassenhauern wie «Dancing Queen» oder Songperlen wie «The Winner Takes it all» verwoben. Sie wollen nicht nahe am Original sein, sondern etwas Eigenes, oft Schräges entwickeln. Exemplarisch dafür «Waterloo»: Der Song wird unter Wasser gesetzt. Und es muss gesagt sein: Die Eigenkompositionen fallen musikalisch sowieso textlich überhaupt nicht ab, sind sehr gut verständlich und sehr originell. Manche Textzeile gibt zu Lachsalven Anlass, wie bei Frölein da Capo und Ricklin/Schaub in ihren Programmen. Auch Adrian Stern verdient eine lobende Erwähnung, seine Platten sind konstant von hoher Qualität, er ist der Mundart-Balladen-König schlechthin, sein «Amerika» hallt noch immer nach, auch die aktuelle Platte «Bubble» ist stark. In Kombination mit dem filigranen Schattentheater, das in Adrians Kopf stattfindet, wird «Ich bin ich, du bisch du» (Knowing Me Knowing You) zu einem wunderbaren Gesamtkunstwerk und bleibt in Erinnerung. Grossartig umgesetzt auch «SOS»: Die Rettungsaktion des gebrochenen Herzens samt dramatischer Reanimation durch Frölein Da Capo und Roman Riklin und Ambulanz-Einsatz geht zu Herzen. 


«Ich bin en Tanzmuffel, Tanzmuffel, ich bin sicher kei Dancing Queen. Ich spür de Beat nid vom Tamburin.»   Daniel Schaub im herrlichen Song «Tanzmuffel» 


Wenn sich Musikjournalisten brutal täuschen...

Radiolegende «FM» François Mürner schlüpft mit audiovisuellen Beiträgen abermals in die Rolle des augenzwinkernden Chronisten. Er gibt zu, dass er damals wie viele andere bekannte Musikjournalisten über den Kommerzsound von ABBA schnödete, viel lieber die Sex Pistols hörte und zu ABBA meinte: «Die sind so schnäll weg, wie sie cho sind».

Toll auch, als sie zwei Zuschauer auf die Bühne holten: das Liebesduett der beiden «Freiwilligen» aus dem Publikum ist ein Brüller. Und auch der Vergleich Schweiz/Schweden mit lustigen Slides ist vollauf gelungen. «Schwiz isch nid Schwede und Schwede isch nid Schwiz» heisst die Nummer. Das achthändige «Honey, Honey, Honey» am Piano samt Hand-Stepp-Dancebreak sorgt für grosse Augen, und wenn die drei Tanzmuffel dann zu tanzen beginnen zu Kiss von Prince und zu Staying Alive von den Bee Gees, gibts kein Halten mehr.


Mit «Feels like ABBA» fast am ESC

Wer die Aktivitäten des Secondhand Orchestra mitverfolgt, hat im Frühling wahrscheinlich mitgekriegt, dass sich die Band für den Eurovision Song Contest beworben hat. Ihr Beitrag «Feels like ABBA» konnte sich gegen Nemos «The Code» zwar nicht durchsetzen, gelangt jetzt jedoch jeden Abend als Schlusssong im Zugabenblock nach dem zauberhaften «Thank You For The Music» zur würdigen Aufführung.

Nach dem Konzert war sehr viel Begeisterung spürbar. Das Team der Braui Hochdorf um Marcel Stocker konnte sehr zufrieden sein mit dem Erreichten, über 1000 begeisterte Konzertbesucher sprechen eine deutliche Sprache.

Kritisch könnte man anmerken: ABBA haben 110 Songs auf sieben Alben veröffentlicht. Das Secondhand Orchestra geht auf Nummer sicher und interpretiert die allergrössten Hits. Dabei haben ABBA noch so viel mehr gute Songs. Doch es ist zu sagen: Auf welch originelle Art sie jeden der grossen Hits anpacken, begeistert dann trotzdem restlos.  


Roman Rocklin, Daniel Schaub, Frölein da Capo und Adrian Stern live on stage.


Die beliebteste Crossover-Truppe der Schweiz: Das Secondhand Orchestra.
Zeitlos gut und extrem erfolgreich: ABBA. So bereitet sich ein Musikkolumnist auf das Konzert vor 


Nachgefragt bei Frölein da Capo: Siehe separater Artikel 


Weitere Infos und Reservationen: https://www.secondhandorchestra.ch


Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt




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