Skip to main content Skip to page footer

Kalle's Musik-Corner: Musikalisches Beromünster - neuer Song von der Kultband The Nits (NL)

Die Redaktion des «Michelsämters» erhielt von Kultkolumnist Hans Graber, der jahrzehntelang für die LZ schrieb und nun als Pensionär mit «Schnee von gestern» eine herrliche Kolumne in der «Schweiz am Wochenende» unterhält, einen Tipp zum brandneuen Album der Nits: Sie beehren Beromünster mit einer elegischen Hymne auf unseren europaweit bekannten, geschichtsträchtigen Ort mit viel Ausstrahlung.

Neben St. Chrischona Basel der höchste Sendeturm der Schweiz, noch heute mit magischer Ausstrahlung.  Bild: Jacky Erni-Wey


Mit Hans Graber gabs folgenden Mailwechsel, der hier stark gekürzt wiedergegeben wird und in eine Einladung auf einen Kaffee auf der Redaktion mündete: «Ein kleiner Tipp für euch: Die holländische Rock/Pop-Gruppe Nits hat auf ihrem neuen Album ‹Neon› einen Song namens Beromünster.» – «Ach, the Nits. Was haben wir die Dutch Mountains damals auf und ab gehört! Und jetzt Beromünster. Das könnte Platz finden in ‹Kalle's Musik-Corner›. Es sei denn... du liessest dich zu einem Gastbeitrag im ‹Michelsämter› zum selben Thema inspirieren...?» – «Schön, dass ihr die Nits auch kennt. Die waren ja öfter in der Schweiz. Ein Fan war ich selber nie, aber Leute aus dem Freundeskreis. Einer von ihnen hat mir auch das neue Album geschickt. Ich sammle zwar Musik, das Schreiben darüber überlasse ich aber gerne anderen. Schuster bleib bei deinen Leisten.» Somit lieferte mir Hans Graber einen Steilpass für eine Musikkolumne, die Beromünster musikalisch gross rausbringt. Besseres kann gar nicht passieren... 

Holländer haben es einfach drauf 

Die Nits stammen aus Amsterdam. Sie begannen 1974 als Gitarren-Pop-Band, wandten sich bald dem New Wave zu und kultivieren seitdem einen exzentrischen Stil, der Einflüsse von Minimal Music, Jazz und Independent Pop aufnimmt. Der Name (Läuseeier, Nissen) gilt als Anspielung auf einen anderen Bandnamen mit Insektenbezug, den der Beatles. Die Nits sind immer noch aktiv, immer noch die grossartige kleine Band aus den Niederlanden, immerhin etwas grösser und weltbekannter als die auch in Neudorf bekannte und mit den Fasnächlern befreundete, total groovige «Sometimes Only Band». Holländer haben es einfach drauf...

«In the Dutch Mountains» hallt bis heute nach...

1987 hatten sie ihren grössten Hit mit «In the Dutch Mountains» aus dem gleichnamigen Album. Der Ohrwurm wird noch heute gern gespielt, der Text ist herrlich ironisch, gibt es doch in ganz Holland keinen einzigen Berg, der diesen Namen verdienen würde, nur im Süden hat es einige nicht nennenswerte Hügel. Ein weiblicher Fan schrieb auf Youtube zum Clip: «Dieser Song macht mich stolz, Holländer zu sein, obwohl ich es gar nicht bin.» Das ist in etwa die schräge Grundstimmung des Songs...

Die Nits erinnern in ihrem Sound an die Waterboys, eine britische Folk-Rock-Band, die auf schottisch-irische Musik zurückgreift. Sie veröffentlichte 1985 mit «The Whole of the Moon» ihren nach UK-Chartplatzierungen erfolgreichsten Titel. Ich mag ihn bis heute sehr. 

Beromünster mit europaweiter Ausstrahlung

Eine britische Musikkolumnistin schrieb kürzlich zu den Nits und Beromünster: «Beromünster war ein öffentlicher Sender in der Schweiz, der zwischen 1931 und 2008 existierte. Ich kenne den Namen noch von den alten Radiogeräten aus meiner Kindheit. Damals habe ich mich gefragt, ob es ihn wirklich gab. Ja, es gab ihn, und wie die BBC spielte er eine Rolle im Kampf gegen das Naziregime. Für mich war das Wort Beromünster immer rätselhaft. Und wenn eine Band auf diesem Planeten plötzlich in der Lage wäre, die Erinnerung in mir zu wecken, dann konnten es nur die Nits sein.»

«Sending my love to you...»

Das neue Nits-Album «Neon», das am 30. September 2022 erschienen ist, beweist, dass die Nits mehr sind als das ewige One-Hit-Wonder, nämlich ein sicherer Wert. Die 13 Songs sind jedoch nicht leicht zugänglich. Song 4 ist «Beromünster», Song 11 etwa heisst «Peugeot 504» – sie mögen es einfach leicht schräg... In Beromünster kommt immer wieder der Satz «Sending my love to you...» vor, der ja zu Beromünster und zu einer Broadcasting Station – ja zu DEM Radiosender überhaupt, perfekt passt. In der ganzen Plattenproduktion fallen kleine Details auf und die esoterischen Texte von Komponist, Texter und Keyboarder Henk Hofstede, den Mastermind der Band.

Tinu Heiniger und Hecht haben auch zu Beromünster komponiert

Welche Songs gibt es sonst noch zu «Beromünster»? Da ist mal einer von Mundartsänger Tinu Heiniger aus dem Album «Miss New Orleans» (1999). Und ein weiterer von den Mundart-Poppern und lokalen Überfliegern «Hecht», auf «Oh Boy» von 2019, in ihrem typischen Uptempo-Stil. Und beim Mundartstück «Freddie» in Hochdorf habe ich gelernt, dass Queen in Kontinentaleuropa erstmals auf Radio Beromünster liefen… Geschichten gibt es also ganz viele… 


Falls Sie auch noch einen Aspekt zur musikalischen Seite von «Möischter» wissen, lassen Sie es wiederum uns wissen. Die Redaktion freut sich auf Reaktion!

  

Der Klassiker von 1987: Stieg hoch in die Charts, hoch in den Holländischen Bergen...
Das Cover der neusten Scheibe von den Nits, Neon, mit Beromünster drauf.
Die Nits in einer neueren Aufnahme (Bilder: zvg)



Das offizielle Musikvideo startet mit diesem Eröffnungsbild.


https://www.youtube.com/watch?v=qtSV_DSAY00


Text: Karl Heinz Odermatt, Bilder: zvg





Das könnte Sie auch interessieren