Kalle's Musik-Corner live in der Schüür: Visu aus Beromünster begeistert mit Band (mit Bildergalerie)
Visu alias Vincenz Suter (28) aus Beromünster, seit elf Jahren in der Rap-Szene und Moderator beim Jugendsender SRF Virus, hat sich eine Band zugelegt: die «Vagabundos». Am Samstagabend, 6. April, tauften sie in der Schüür Luzern ihre EP «Früehlig». Es war ein stimmungsvoller, vom Opener bis zur Afterparty beseelter und eindrücklicher Konzertabend.
Der Luzerner Rapper Visu, mit vollem Namen Vincenz Suter aus Beromünster, liefert keine gewöhnlichen Shows ab. Sein Einbezug des Publikums, die spontanen Einlagen während der Konzerte und sein gewiefter Wortwitz lassen ihn aus der Gilde der Schweizer Rapper herausstechen.
Schon mit 13 Jahren eigene Texte geschrieben und gerappt
Mit 13 Jahren begann Visu selbst Texte zu schreiben und diese zu rappen. Mit 14 Jahren nahm Visu an einem Rap-Workshop in Beromünster teil, bei dem er seinen ersten Song aufnahm, mit Hilfe des schweizweit bekannten Berner Rappers Knackeboul. Diesen Workshop, der gleichzeitig ein Wettbewerb war, konnte Visu gewinnen und durfte deshalb am Winterfestival in Wolhusen einen Song performen. Seitdem hat Visu an zahlreichen Musikprojekten gearbeitet und mit namhaften Künstlern wie Nemo, der dieses Jahr die Schweiz am Eurovision Song Contest in Malmö vertritt, LCone oder Pablo zusammengearbeitet. Mittlerweile ist er eine feste Grösse in der Schweizer Rapszene.
Seit 2022 moderiert Visu die Morgenshow bei SRF Virus. Seine Karriere startete beim Zentralschweizer Jugendradio 3FACH, wo er sechs Jahre verschiedenste Sendungen moderierte. Zeitgleich studierte er Pädagogik an der PH Luzern und absolvierte die Diplomausbildung am MAZ. Nach seiner Zeit bei 3FACH wechselte Visu für kurze Zeit zu Radio Pilatus, bevor er im April 2022 zu SRF Virus wechselte.
Mit «Libra» auf Platz 9 der Schweizer Albumcharts
In den letzten 10 Jahren hat der 28-Jährige viele namensträchtige Locations & Festivals des Landes bespielt. Mit seinem Debütalbum «Libra» (2019) ist er auf Platz 9 der Schweizer Albumcharts gelandet. Ende letzten Jahres releaste er die «Focus EP». Auf Spotify haben seine Songs schon über eine Million Aufrufe. Aktuell ist er Vize-Schweizermeister im Freestyle-Battle und arbeitet als Host in einem 80-Prozent-Pensum bei «Radio SRF Virus». Nun folgt das nächste Kapitel in seiner Karriere: eine Liveshow mit Band. Dazu hat Visu die «Vagabundos» zusammengestellt. Mit DJ, Drums, Bass, Gitarre und Backvocals erreicht die Show musikalisch ein neues Level. Die jahrelange Erfahrung der Berufsmusiker kommt dem Projekt zugute. Seit geraumer Zeit bereiteten sich Visu & the Vagabundos vor, um die Schweiz mit einer Show zu bespielen, die es so noch nie gegeben hat; authentische, reale und unterhaltsame Schweizer-Rap Texte, kombiniert mit Beats von Boombap, über Trap, bis Dancehall, präsentiert mit der Energie einer sechsköpfigen Liveband.
Mit einer Band in eine neue Dimension
Nach «Libra» (2019) und der EP «Focus» (2022) macht Visu immer noch Hip-Hop. Mit Band eben, mit echten Instrumenten. Seine Bandmitglieder heissen Melissa Guglielmo (Gesang, schon seit 10 Jahren treu an der Seite), Jan Bachmann (Drums), Nico Stettler (Gitarre), Simon Iten (Bass) und Scito, Pascal Ineichen aus Beromünster, als Produzent und DJ. Auf der Bühne werden sie zudem unterstützt (die Rapper sagen dem gefeatured) von Kitoko, Miss C-Line, Pablo, C. Mee und Josha Hewitt.
Er passt sich nicht dem Zeitgeist an: kein Autotune. Produziert wurde die EP «Früehlig» von seinem Hausproduzenten Scito-Beats. Sein roter Faden sind immer noch seine Stimme und seine intelligenten Texte, sein Wortwitz. Er mag es selbstbewusst und doch selbstironisch, gesellschaftskritisch und doch freundlich. Vier Featurings machen die EP abwechslungsreicher. Seine Botschaften verkündet Visu damit genauso selbstbewusst wie ironisch. Die neue Single «Wachse» ist eine Liebeserklärung ans Mami, da sie ihm kein Ritalin gegeben hat. Mit «Perspektive», das er auch bereits veröffentlicht hat, wird Visu fast rebellisch: «Be ned zfrede i dere weschtleche Wält / Ech ha sone Fight i mim Grend / Aber wenn ech eis weiss denn scheiss ofs Syschtem». Aus seinem Werk «Libra» von 2019 spielt er viele starke Stücke, und alle aus der aktuellen EP «Früehlig». Er lässt sich, wie das kürzlich auch Frölein Da Capo im Stiftstheater Beromünster gemacht hat, im Konzert Begriffe zurufen, die er dann spontan zu einem Rap verarbeitet. Natürlich ist auch «Beromünster» einer dieser Begriffe. Er fragt in die Menge: «Wer ist aus Beromünster? Wer aus Luzern? Wer aus Zürich? Und wer kennt mich persönlich?» Es ist diese Nähe und Fassbarkeit, die ihn als Künstler ausmacht.
Kitoko eröffnet fulminant für Visu: «So let me chill, let me vibe»
Eröffnet wurde der Abend von Kitoko (23), einer Sängerin aus Winterthur, die kongolesische Wurzeln hat und schon als Voract von Lo & Leduc auf der Bühne stand. Ihre Message, die sie mit ihren Liedern weitergeben möchte, lautet: «Liebe dich selbst, denn du bist gut, so wie du bist, hab Power und werde zur besten Version von dir selbst, sei kreativ und mutig.» «So let me chill, let me vibe» singt Kitoko in ihrem Song «Vibes», der wie eine Hymne der guten Laune und des Temperaments rüberkommt, was sie inmitten der Konzertbesucher auch voll auslebt. Auch ihre Single des letzten Sommers, «Uh La La», ist bei vielen im Publikum bekannt und kommt richtig gut an. Überhaupt ist das Set kurzweilig und musikalisch hochstehend. Die Latte für den Headliner Visu ist also richtig hoch gelegt, von Kitoko wird man hoffentlich noch viel hören.
«Mach dis Ding»
Die «Vagabundos» stiegen auch fulminant ins Konzert ein und zeigten schon mit dem ersten Stück, was sie musikalisch drauf haben. Dann folgt die Optimismus-und-Zupack-Hymne «Mach dis Ding». «Libra», lateinisch für «Waage» oder «Gleichgewicht». Diese CD warf Visu dann locker ins Publikum als Geschenk. Vier oder fünf Kozertbesucher schauten sich fragend an, bevor die CD beim Journalisten landete – der sich sehr freute, er hat halt noch einen CD-Player ...
Die CD ist übrigens echt gelungen, beinhaltet viele tolle Songs. Auf dem Titeltrack «Libra» nimmt Visu Haltung ein, ja es ist eine wütende Gesellschaftskritik. Es geht um globale Ungerechtigkeit und das Bankensystem. Ein weiteres Highlight ist «Ella x Louis». Visus «Bonnie & Clyde»-Song, jedoch ganz ohne Kriminalität. Poppig singen und rappen Visu und Feature-Gast Valeria Lucia von einer Beziehung, in der alles passt. Kurz vor Mitternacht gibt es noch ein Duett mit Kitoko, bevor sich der glücklich und voll in seinem Element wirkende Visu verabschiedet. Natürlich ist er nachher im prächtigen Garten der Schüür noch für einen Schwatz und einen Drink mit seinen Fans zu haben, nahbar und authentisch eben, wie es nicht selbstverständlich ist.
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt