Kalle's Musik Corner just around the corner: «Magic night» mit Slade, Level 42 und Simply Red - Musikgeschichte live!
5 800 Musikfans genossen am Mittwochabend, 9. August, die 14. Magic Night auf Zofingens Hausberg Heitere. Als Slade ihre Über-Ballade «My Oh My» von 1983 anstimmten, war auch für Level 42 und die Headliner Simply Red perfekt angerichtet. Wahrlich eine magische Nacht auf höchstem Level - Heitere-Feeling vom Feinsten!
Für viele ist es jeweils wie ein Heimkommen auf dem Heitere. Die Frage des Abends war: «Wegen wem oder was bist du heute Abend da?» Tatsächlich wurden alle drei Bands genannt, ich traf auch auf einzelne Leute, die sagten, nach Slade wieder zu gehen. Für viele war Level 42 der Hauptact, doch die meisten waren primär wegen Simply Red angereist. Nicht zu unterschätzender Grund für den Heitere-Besuch ist aber sicher die Lage, die chillige Atmosphäre, die Aussicht und die grosse Chance, Leute zu treffen, die man länger nicht mehr gesehen hat. High-Life auf dem Heitere halt...
Slade - aus der Zeit gefallen, doch mit «My Oh My» gefallen sie fast allen
Die britischen Glam-Rocker Slade wurden 1966 gegründet und waren eine der erfolgreichsten Bands der 70er und frühen 80er. Allein sechs Nr.-1-Hits wie «Cum On Feel The Noize», dazu die Hymnen «Far Far Away» und «My Oh My», die fast jeder mitsingen kann. Etwas aus der Zeit gefallen wirkte es schon, was die Band hier auf dem Heitere bot, hatte sich die Truppe ja eigentlich 1992 aufgelöst. Doch sie interagierten überraschend geschickt mit dem Publikum und zeigten ihre Freude, hier zu sein und in der Schweiz zu spielen. Gitarrist und Spassvogel Dave Hill ist als einziger noch von der ursprünglichen Originalbesetzung dabei, er ist inzwischen 77, also ein echter Rock-Opa. Bei «My Oh My» war die Magie des Heitere, der Oldies-Night auf Zofingens Hausberg wieder zu spüren, hier wo schon so viele grosse Namen aufgetreten sind, in der Blüte ihrer Karriere oder auch lange nach ihrer musikalischen Karriere, wie es bei Slade der Fall ist.
Level 42 - basslastiger Funk, ein Evergreen halt
Alle freuten sich auf den zweiten Act des Abends, die stilprägende Funk-Combo Level 42 um Bassist und Sänger Mark King, die in den 80ern zu den Abräumern gehörte mit «Running In The Family», «Lessons In Love», «Something About You» und «The Sun Goes Down (Living It Up)» zu den sicheren Hitlieferanten gehörte. Diese Titel spielte sie auch in funky Versionen. Einer meiner Lieblingstitel aus jener Zeit, «Leaving me now», fehlte leider, und die Band spielte nach ihrem Set im Gegensatz zu Slade keine Zugabe, was einige etwas enttäuscht zurückliess. Die Stimme von Mark King hat jedoch im Gegensatz zu seinem virtuosen Bass-Spiel gelitten - man hat halt bei den grossen Hits immer die perfekten Produktionen aus dem Studio und die damaligen Liveauftritte im Ohr...
Simply Red - gefühlsseelig, brillant und auf den Punkt
Getreu dem Steigerungsprinzip kam nun mit Simply Red die Band, die als einzige des Abends heute noch aktiv und kreativ ist, neue Alben rausbringt, was an sich eine Überraschung ist. Ich traf einige, die am 18. November 2010 im Hallenstadion mit 9 000 Fans auch dabei waren bei der «Farewell Tour», also der Abschiedstour von Simply Red, nach 25 Jahren Weltkarriere. Doch Mick Hucknall (63) und seine Truppe von ausgezeichneten Musikern revidierten nach 5 Jahren Pause, 2015 ihren Entscheid, gingen wieder auf Tournee und gaben seither drei gute Alben raus. In meinen Augen war ihr Debütalbum 1985, «Picture Book», mit den Singles «Money’s Too Tight (To Mention)» und «Holding Back the Years» das Allerbeste, was sie je gemacht haben. Ich war grad im Sprachaufenthalt in Lausanne und hörte tagelang das Album. Mick Hucknalls Soulstimme ist gut gealtert, er gibt allen in der Band Raum und stellt sie begeistert vor. Am frenetischsten wird der Basler Roman Roth am Schlagzeug bejubelt. Schliesslich sagt Hucknall: «... I am Mick, and I sing.» Die Stimmung ist fantastisch. Sie haben wirklich Hits ohne Ende. Bei «Stars», «Sunrise», «Come To My Aid», «It's Only Love», «Something Got Me Started» und «If You Don't Know Me By Now» tanzen, singen und summen alle mit, und ein stimmiger, magischer Abend löst alle seine Versprechen ein...
PS: Das Heitere Festival ist ausverkauft: Freitag bis Sonntag gibt es keine Tickets mehr an der Abendkasse.
Text: Karl Heinz Odermatt, Bilder: kho/zvg