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Kalle's Musik-Corner: Jaël – eine der allerstärksten Stimmen der Schweiz


Als Musikfan hatte ich immer schon die Devise: «Ehret einheimisches Schaffen». Es ist unglaublich, und es zeigt sich auch in den bisher vier Staffeln von «Sing meinen Song – das Schweizer Tauschkonzert», welche Vielfalt an starken Stimmen und starken Komponist:innen die Schweiz hervorbringt. Schon als Stimme und Kopf der Band «Lunik» habe ich Jaël sehr geschätzt, und auch jetzt als Solokünstlerin überzeugt die Bernerin mit jedem ihrer vielfältigen Werke von Neuem. Ideal zum Runterfahren und Schwelgen in Melodieseeligkeit.


Einige der erfolgreichsten Alben von Lunik (1998 bis 2013). Gibts ein Revival? What is Next?


Die Löwe-geborene Rahel Krebs wuchs in Bern auf. Ihr Rufname «Jaël» entstand bereits in ihrer frühen Kindheit, als sie das «R» ihres eigentlichen Vornamens als «J» aussprach. Als «Jaël» trat sie später folgerichtig als Sängerin auf und liess auch ihren offiziellen Vornamen in Jaël ändern. 1998 stiess sie zur Band «Lunik», in der sie bis 2013 als Leadsängerin, Koproduzentin und Komponistin tätig war. Lunik war in der Schweiz über viele Jahre erfolgreich. Ihr Debütalbum «Rumour» war noch vom damals aktuellen Trip-Hop geprägt, dessen Helden Portishead mit «Glory Box» (Give Me A Reason To Love You), Massive Attack mit «Unfinished Sympathy» und Morcheeba mit «Rome wasn't built in a day» noch heute Bestand haben. Mich hat es begeistert, dass eine Schweizer Band hier total mithalten konnte. Auch die Folgealben überzeugten. Besonders hat es mir 2003 «Weather» angetan, und 2004 die Live-Platte «Life Is On Our Side», die CDs höre ich heute noch oft. Jaël hatte auch oft starke Kollaborationen, z.B. mit «Schiller» dem erfolgreichen Hamburger Musikprojekt von Christopher von Deylen, mit Kuno Lauener, Mich Gerber, den Kanadiern «Delerium», DJ Tatana und vielen mehr. Der Stil wandelte sich mehr zu Pop und Rock, immer mit Hang zu schwelgerischen Melodien und viel Melancholie. In Zusammenarbeit mit Gründungsmitglied Luk Zimmermann, ihrem ehemaligen Lebenspartner, gründete Jaël 2007 die Band MiNa, deren Debütalbum «Playground Princess» im gleichen Jahr erschien. Die Alben «Preparing to Leave» (2006), «Small Lights in the Dark» (2010) und «What Is Next» (2012) erreichten allesamt Platz 1 der Schweizer CD-Hitparade.

«S'isch grad so schön, wett, dass es nie vergahd»

Ich sah Lunik zweimal am «Heitere Festival» (2002 und 2007) und war restlos begeistert, und als Jaël ins Publikum rief «S’ isch grad so schön, wett, dass es nie vergahd», war es einer der emotionalsten Momente, die ich an einem Konzert je erlebt habe. «Das finden wir doch genau auch» lachte ich glückselig mit einem Kollegen. Damals gab es noch eine Sendung am Schweizer Farbfernsehen, «Music Night» mit Dani Beck, dem Sohn von Radiolegende Ueli Beck. Da kamen regelmässig starke Konzertmitschnitte und Festivals am späten Samstagabend. Leider gibts die grossartige, einfach gestrickte Sendung nicht mehr, wieso eigentlich?

 «Midlife», bewusst ohne «Crisis»

Nach der Auflösung von Lunik startete  Jaël Malli, wie sie heute mit vollem Namen heisst, eine vielbeachtete Solokarriere. Seit 2015 hat sie bereits wieder sieben hervorragende Alben rausgebracht, das erste «Shuffle The Cards», das aktuelle heisst «Midlife», bewusst ohne  «Crisis». Neben den Studioalben hat sie Songperlen auch akustisch und orchestral eingespielt. Herausragend 2018, als sie ihr Livealbum «Orkestra» (2017) mit dem litauischen Kammerorchester am Montreux Jazz Festival spielte.

Sie ist inzwischen zweifache Mutter und hat 2021 auch eine spezielle CD mit Namen «Sensibeli» in Mundart herausgebracht. Sie geht offen damit um, dass sie und ihr erstgeborener Sohn hypersensibel sind, mit allen Vorteilen und Herausforderungen, die dies mit sich bringt. Ihre Botschaft: «Anderssein ist okay und wertvoll». Damit hat sie für die Hochsensiblen dieser Welt eine Lanze gebrochen und Verständnis geschaffen. Sie macht bis zum Versand und der Verpackung der CD vieles selber, so erhält man bei ihr oft ein unterschriebenes Exemplar.

Vielen wurde Jaël tatsächlich erst mit der zweiten Staffel von «Sing meinen Song» zum Begriff. Ihr Gefühl, auch andere Songs zu ihren eigenen zu machen, und ihre elfenhafte und doch kräftige, wunderbar wandelbare Stimme wurde noch bekannter. Ich kann jedes ihrer Alben der letzten 25 Jahre und jeden ihrer Songs vorbehaltlos empfehlen. Gibt es vielleicht sogar ein Lunik-Revival? Wär doch ein Gedanke wert, Jaël wird auch immer wieder darauf angesprochen - die alten Songs sind zeitlos gut und die Fans würden sich bestimmt darüber freuen...


Anspieltipps Lunik und Jaël solo:  

Rumour und Other Side – 1999, Static – 2001, Waiting – 2002, Summer's Gone – 2004, Go On – 2005, Little Bit und Life is All Around You – 2006, Preparing to Leave und Through Your Eyes – 2007, People Hurt People und How Could I Tell You – 2010 (feat. Carlos Leal), Me-Time – 2012, , Easy Life feat. James Walsh und Tell Me When I'm Wrong – 2015, Warum syt dir so truurig 2017, Sensibeli und Mir si Drü –2021, To Miss You – 2023


Von «Shuffle the Cards» bis «Midlife»: Jaël hat sich auch als Solointerpretin eine treue Anhängerschaft erhalten und spielt ihre Lunik-Songs immer noch gerne.


Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt




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