Kalle's Musik-Corner in Weihnachtsstimmung: «It's Christmas Time» mit dem Christoph Walter Orchestra und Gast Luca Hänni (mit Bildergalerie)
Das populäre, vielseitige Christoph Walter Orchestra gastierte auf ihrer traditionellen Schweizer Tournee zweimal in der Braui Hochdorf. Als Special Guest hatten sie diesmal den sympathischen Berner ESC-Teilnehmer von 2019, Luca Hänni, dabei. Es wurde die perfekte internationale Einstimmung auf Weihnachten mit guter Michelsämter Beteiligung.
Am Freitag waren 650 Gäste, am Samstag nochmals 500 Besucher vor Ort. Wie ist es zur Zusammenarbeit mit Luca Hänni gekommen: Christoph Walter sagt gegenüber dem «Michelsämter»: «Wir haben im Sommer 2024 überlegt, was wir im Programm Spezielles einbauen könnten, und plötzlich ist der Name Luca Hänni aufgetaucht. Zuerst wollten wir ihn nur in Thun bei der Premiere anfragen, da er ja aus Thun kommt. Doch Stücke zu arrangieren ist aufwendig, und da haben wir ihn gleich für die ganze Tour angefragt und bis auf ein Konzert konnte er überall dabei sein.» Spannend ist, dass sich alle 13 Musiker erstmals am 12. Dezember zur Hauptprobe eingefunden haben und alles zusammen gespielt haben. Quasi ein Tag vor dem Start der Tour – das sind eben Profis.
Von Anfang an wurde Luca Hänni eingebunden. Christoph Walter kündigte ihn wortreich an, bis Hänni sagte: «Du machst ja gar keine Pause beim Reden, ich kann gar nicht einsteigen.» Darauf Christoph Walter: «Das sagt meine Frau mir auch immer...» Luca Hänni hatte ja 2019 beim ESC in Tel Aviv mit dem 4. Platz erstmals seit vielen Jahren wieder für die Schweiz eine gute Rangierung herausgeholt. Der Song hiess «She Got Me», und den brachte er natürlich. Der Song zündete nicht ganz, auch «Last Christmas» begeisterte nicht sonderlich. Seine neue Single «Love Me Better» im Stil von Nico Santos brachte er dann differenziert und druckvoll auf die Bühne. Er integrierte sich vortrefflich ins Ensemble.
Dann folgte ein Klassiker: «Drei Nüsse für Aschenbrödel» von 1973. Die ikonische Filmmusik schrieb Karel Svoboda. Weiter gings von Tschechien nach Irland. Die Iren geben Gas an Weihnachten. Man fühlte sich in ein irisches Pub versetzt mit Livemusik, temperamentvollen Fiedlern und Hot Whiskey am Chimney.
«Petit Papa Noël» als Highlight des Konzerts
Es folgte ein wunderschönes Lied, eingeleitet und gesungen von Nelly Patty. Mit ihrem charmanten französischen Akzent erklärte sie, dass das Chanson «Petit Papa Noêl», von Tino Rossi 1946 geschrieben, das meistverkaufte Lied Frankreichs und neben der Nationalhymne bis heute das populärste geblieben ist. Auch Karel Gotts erstaunlich gut gealterter Hit «Fang das Licht» von 1985 begeisterte. «Stand By Me» von Ben E. King aus dem Jahr 1961startete verhalten und entwickelte sich zum Funk-Titel. Der Song «White Christmas» von Bing Crosby aus 1941, mit allen Coverversionen eine der meistverkauften Singles aller Zeiten, wurde mit «Chanson d'Amour» verheiratet und steigerte die Stimmung ebenfalls weiter. Nachdem es kolumbianisch weitergegangen war, folgten die Standards «Santa Clause Is Coming to Town» und «Winter Wonderland». Dann gab es mit dem Cellokonzert von Beethoven (1. bis 4. Satz) einen Abstecher in die Klassik. Mit der «Alpenländischen Weihnachtsmusik» fühlte man sich ins Tirol versetzt. Und schwupps, gings in die Staaten rüber zu Elvis, 1957, mit seinem herrlich melancholischen, tiefgründigen «Blue Christmas», ein Blues, der rockig endete. Über eine groovige Version von «Jingle Bells» von 1853 und «Soon It'll Be Christmas Day» von Lynn Anderson, 1974, ging es Richtung Finale, dem obligaten gemeinsamen Singen von «Stille Nacht». Es gab Standing Ovations für das Orchester. Jeder Musiker ein Profi durch und durch. Gitarrist Randy Müller konnte wie letztes Jahr, als ich das Konzert in Hochdorf ebenfalls besuchte, nur bei wenigen Songs seine Rockerseele zeigen und seine Stärken aufblitzen lassen.
Christoph Walter ist auch ein unterhaltsamer Conférencier, wenn er auch einige Mal etwas zu viel erzählt. Doch viele Einlagen sind witzig, und obwohl sie alle Profis durch und durch sind und schon viel erreicht haben, nehmen sie sich nicht zu ernst und immer wieder selber auf die Schippe.
Nach dem Konzert standen Nelly Patty und Christoph Walter noch lange für Autogrammwünsche und einen Schwatz mit den Fans zur Verfügung. Nachdem Nelly Patty letztes Jahr gesagt hatte: «Ich komme gerne mal rauf nach Beromünster, das ist für mich ein Katzensprung», wurde der Jump von Sursee nach Möischter für 2025 anvisiert. «Wenn es dir gefallen hat, wir haben auch eine kleine Neujahrstournee, und am Mittwoch, 29. Januar, bin ich im Stadtkeller Luzern. A bientôt.»
Das sind Christoph Walter und Nelly Patty aus Sursee und so kamen sie zusammen:
Christoph Walter ist mit jeder Faser seines Wesens Profi-Musiker. Er lebt mit seiner Frau in Sursee. Doch wie kam es dazu? Wie einst Pepe Lienhard startete auch Christoph Walter seine musikalische Karriere bei der Swiss Army Concert Band. Damit legte er den Grundstein zum eigenen Show- und Entertainment-Orchestra, mit dem er nun seit fünfzehn Jahren erfolgreich unterwegs ist. Er lebt Tag und Nacht für die Musik – eine Leidenschaft, die Nelly Patty mit ihm teilt. Durch die Musik lernten sich die stimmgewaltige Entertainerin aus dem Elsass mit italienischen Wurzeln und der Surseer, der 1967 in Glarus geboren ist, vor 12 Jahren kennen. Ein Freund habe ihn auf Nelly Patty (44), die damals im Europa-Park Rust arbeitete, aufmerksam gemacht. «Musikalisch haben wir uns beim ersten Vorsingen sofort gefunden», erzählt er. Sie habe ihn aber auch als Frau nicht mehr losgelassen. Wegen Nelly habe er mit seiner eisernen Regel gebrochen, als Dirigent nie mit einer Musikerin eine private Beziehung einzugehen. Für beide wurde es die ganz grosse Liebe. Inzwischen sind sie verheiratet. Für den Vater von zwei erwachsenen Söhnen ist es die dritte Ehe. Sie habe weder vorgehabt in die Schweiz zu kommen noch je zu heiraten. Die Liebe hat alles verändert. «Christoph war der erste Mensch, der gespürt hat, wer ich wirklich bin und was in mir steckt. Er hat meine Seele gelesen», sagt Nelly Patty und strahlt glücklich.
Weitere Informationen und Daten der nächsten Projekte:
www.nellypatty.ch und www.christophwalter.ch
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt