Kalle's Musik-Corner: Fleetwood Mac – legendäre Rockmusik live in Hochdorf (mit Bildergalerie)
Man muss einige Jahrringe aufweisen, um die Blütezeit der hochklassigen Rockband Fleetwood Mac noch erlebt zu haben, die über 100 Millionen Tonträger verkauft hat. Am vergangenen Donnerstag war die Gelegenheit, in diese Zeit und ihre Musik einzutauchen, und das ein paar Kilometer vom Michelsamt: in der immer inspirierten Braui Hochdorf: «Go Your Own Way – The Legacy of Fleetwood Mac».
Nach einer ausverkauften UK-Tournee kam die fesselnde Show mit der Musik der legendären, mehrfach mit dem Grammy ausgezeichneten Fleetwood Mac für drei Stopps in die Schweiz. Die Leidenschaft für die Musik von Fleetwood Mac ist bei jedem Musiker von ihnen spürbar und die Live-Energie, die sie versprühen, fesselnd. Die gleichnamige UK Tour von «Go your own Way – The Fleetwood Mac Legacy» begeisterte vollends. Die virtuos aufspielende Truppe kam am Morgen des 2. Mai direkt aus London, gar nicht schlecht für Hochdorf mit gerade mal 10 000 Einwohnern, also knapp an der Grenze zur Stadt.
Mit «Rumours» Rockgeschichte geschrieben
Die aufwendige Show ist eine Hommage an die 1967 gegründete Band, ganz besonders aber an die Bandzusammensetzung mit Stevie Nicks, Mick Fleetwood, John und Christine McVie und Lindsey Buckingham, die für die Erscheinung des erfolgreichsten Albums von Fleetwood Mac, «Rumours» (1977), verantwortlich waren und Rockgeschichte schrieben. «Rumours» (deutsch: Gerüchte) gehört bis heute zu den meistverkauften Alben der Musikgeschichte. Ich habe die Platte natürlich auch in der Sammlung, habe sie immer wieder aufgelegt, sie strotzt vor guten Melodien, Lebensfreude und Energie. «Rumors» gilt dann auch als das Krisen-Album der Band, da es während der Entstehung unter anderem zum Bruch zwischen dem alkoholkranken John McVie und seiner Frau Christine auf der einen Seite kam und Stevie Nicks sich von ihrem damaligen Freund Lindsey Buckingham trennte. Den Song «Don't Stop (thinkin' 'bout tomorrow)» hatte Bill Clinton als Wahlkampfsong verwendet und so für ein Revival ihres Oeuvres gesorgt.
Die bluesgetränkten Anfänge mit dem Über-Gitarristen Peter Green
Die energiegeladene Show nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise in die Vergangenheit und macht auch bei den frühen Jahren der Band mit Frontmann Peter Green Halt, den ich mal als Solomusiker, immer noch auf Blues-Pfaden, live erleben durfte.
Die Band erzählte immer wieder Geschichten zu den Songs und spielte den frühen Hit «I Need Your Love So Bad» von 1967 eindringlich und bluesig. Hits aus dieser Zeit waren auch Greens Songs «Albatros», «Man of the World», «Oh Well», das auch von Aerosmith gecovert wurde, sowie «Black Magic Woman», das später ein Welthit für Carlos Santana wurde. Gary Moore war ein grosser Fan von Peter Green und nahm ein ganzes Album mit Green-Covers auf (Blues for Greeny).
Viel Drogen, viel Alkohol, viele schräge Beziehungskisten
1969 verkaufte Fleetwood Mac noch als Blues-Band mehr Schallplatten als die Beatles und die Rolling Stones. Jedoch brachte der Überdruss an den Funktionsweisen des modernen Musikbusiness und der Medien Peter Green dazu, sein Tun und seine beachtlichen Einnahmen in Frage zu stellen, was später auch Marc Knopfler, Peter Gabriel und anderen so erging. Greens Vorschlag, die Tantiemen karitativ einzusetzen, lehnten die anderen Bandmitglieder ab. Er verfiel dem LSD, sagte selber einmal: «I went on a trip and never came back ...» Nach seinem Weggang trat die Bluesorientierung in den Hintergrund, und Fleetwood Mac wurde zu einer Rock-Pop-Band mit häufig wechselnden Mitgliedern.
Auch das Album «Tango in the Night» von 1978 wurde wiederum ein Millionenseller weltweit mit sechs daraus ausgekoppelten Singles. In dieser Zeit hatten vor allem Stevie Nicks und Christine McVie auch erfolgreiche Solokarrieren und wechselnde Duettpartner.
Melodien, die kein bisschen Rost angesetzt haben
Die Zuschauer erhielten spannende Einblicke in eine einzigartige Bandgeschichte und die einmalige Möglichkeit, die Energie und Leidenschaft von Fleetwood Mac nochmal live zu erleben mit grossartigen Hits wie «Dreams», «Don’t Stop», «Go Your Own Way», «The Chain», «Hold Me», «Everywhere», «Rhiannon», «Gold Dust Woman», «Little Lies», «Silver Springs», «Big Love», «Tusk», «You Make Loving Fun» und vielen mehr, die kein bisschen Rost angesetzt haben. Auch 20-Jährige im Publikum feierten mit und waren überrascht, wie viel vom Songmaterial sie kannten.
«Songbird» ist eine Traum-Ballade von Fleetwood Mac, die 1977 auf dem Album «Rumours» veröffentlicht wurde, geschrieben von Christine McVie. Sie sang den Song oft am Ende von Fleetwood-Mac-Konzerten. Dies war ein sehr berührender Moment, wie auch die Trennungs-Ballade «Sara».
Als die Musik noch analog und beseelt war ...
Nach dem Konzert wurde noch lange diskutiert und gefachsimpelt über die guten alten Zeiten, als die Musik noch analog war und zuerst die Melodie, die Dramaturgie und Geschichte des Songs war und nicht die Technik alles beherrschte. Eine Amerikanerin im Publikum meinte fröhlich: «Ich habe Tickets gekauft und war überzeugt, dass dies die Originalbesetzung ist, die auf der Bühne steht. Erst während des Konzerts merkte ich, dass sie vor 10 Jahren zu touren aufgehört haben und gar nicht mehr alle von der Originalbesetzung leben, Christine McVie etwa 2022 mit 79 gestorben ist. Das tat dem Vergnügen aber überhaupt keinen Abbruch, ich habe es total genossen.»
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt