Kalle's Musik-Corner: Bob Marley – «One Love»/«Could You Be Loved?»
Kürzlich ist der Film «One Love», das Biopic über das Leben und Wirken und vor allem über die stilbildende Musik von Bob Marley, in den Kinos gestartet. Mehr als Grund genug, dem Phänomen Bob Marley nachzuspüren und in Zitaten und Songzeilen zu stöbern.
Filme, die um die besten Songs herum die Geschichte eines Musik-Helden erzählen, gibt es schon einige. Am erfolgreichsten in letzter Zeit waren 2018 «Bohemian Rhapsody» zum Leben von Queen-Frontmann Freddie Mercury und 2019 «Rocketman» über das turbulente, exaltierte Leben von Elton John. Nun ist «One Love» zum Leben von Reggae-Superstar Bob Marley rausgekommen. Die Kritiken sind eher durchzogen bis zum Totalverriss: «Schlechter Film. Völlig falsch dargestellt und komplett miserabler Regisseur. Selbst bekifft war der kaum erträglich.» Oder: «Besser daheim bleiben und ein paar Bob Marley LPs auflegen.» Ok, machen wir, er hatte ja auch wunderbare Platten. Meine Lieblings-LP von ihm ist «Uprising» von 1980 mit dem Überhit «Could You Be Loved». Der Song «Coming in From The Cold» ist ebenfalls Weltklasse. «When one door is closed, don't you know another is open» und «Well, the biggest man you ever did see was just a baby» hab ich noch heute im Ohr, 44 Jahre später. Ich erinnere mich an 1980/1981, als innerhalb von 6 Monaten John Lennon ermordet wurde und dann Bob Marley an Hautkrebs starb. Das beschäftigte uns damals schwer, während der Schulstoff eher wenig spannend erschien. Ich hörte oft «Sounds» und da vor allem die «Reggae Specials» abends auf DRS, es gab noch nicht mal DRS 3, erst das grosse Vorbild SRF 3, aber viele gute Specials mit «FM», also mit Moderator François Mürner. Der junge Journalist, damals 31 Jahre alt, traf backstage auf den jamaikanischen Reggae-Star, als er im Hallenstadion Zürich mit seiner Begleitband The Wailers auftrat. «Buffalo Soldier», «I Shot The Sheriff», «No Woman No Cry», «Get Up Stand Up», «Three Little Birds», «Redemption Song», «Stir It Up», «Sun Is Shining», «Is This Love?» – das war unser Kosmos, Bob Marley ein Leitstern, eine Lichtgestalt aus Jamaika, wo alle anscheinend so gut und so locker drauf waren, wieso auch immer...
Ein Synonym für Reggae und für unerschütterlichen Optimismus
Bob Marley, geboren als Robert Nesta Marley am 6. Februar 1945 in Jamaika, stand für Reggae, die Rastafari-Bewegung und für unermüdlichen Optimismus. Seine tiefgründigen Ansichten und Überzeugungen haben Menschen weltweit berührt. Aussagen über Liebe, Freiheit und Selbstbetrachtung dienen auch heute noch als Inspirationsquelle für Weisheit. Am 11. Mai 1981 ist er in Miami, Florida, gestorben. Ein Grund für die Faszination von Bob Marley liegt in seiner Lebensgeschichte und seinem Hintergrund. Als Sohn einer jamaikanischen Mutter und eines britischen Vaters wuchs Marley in ärmlichen Verhältnissen auf und erlebte persönliche Herausforderungen sowie politische Unruhen in seinem Heimatland. Diese Erfahrungen prägten seine Musik und seine Botschaft und verliehen ihnen Authentizität und Tiefe. Er hat uns nicht nur wunderbare, unsterbliche Musik hinterlassen, sondern auch unvergessliche Zitate, die ich für den Schluss aufgespart habe.
Zeitlose Botschaft, universelle Musik
Wahrscheinlich ist seine Aura auch 43 Jahre nach seinem Tod noch so unglaublich stark, weil er eine eigenständige Philosophie mit einer visionären Musik verband und sich nicht verbiegen liess. In einer Welt, die von Konflikten und Spaltungen geprägt ist, bleibt die Faszination von Bob Marley bestehen, weil seine Botschaft zeitlos und seine Musik universell ist. Er ist nicht nur ein Musiker, sondern ein Symbol für Hoffnung, Liebe und Einheit – und das ist etwas, das die Menschen immer wieder gedanklich zurückkehren lässt, um ihn zu feiern und zu ehren.
Einige der besten Zitate in seinen Songs und in seinen Aussagen
«Manche Menschen können den Regen fühlen/spüren. Andere werden nur nass.»
«Ich schaue in mich selbst. Ich sehe die Welt draussen kaum. Meine Augen blicken nach innen. Es ist mir egal, was die Menschen tun oder sagen, ich jedenfalls suche die wahren Dinge.»
«Es ist besser im Kampf um Freiheit zu sterben, als sein ganzes Leben ein Gefangener zu sein.»
«Jeder Mensch hat das Recht, über sein Schicksal selbst zu entscheiden.»
«Liebe das Leben, das du lebst. Lebe das Leben, das du liebst.»
«Die Grösse eines Menschen hängt nicht davon ab, wie viel Reichtum er erlangt, sondern von seiner Fähigkeit, andere in seinem Umfeld positiv zu beeinflussen.»
«Der grösste Feigling ist ein Mann, der die Liebe einer Frau erweckt ohne die geringste Intention, sie zu lieben.»
«Die Wahrheit ist, jeder wird dich verletzen. Du musst einfach diejenigen finden, die es wert sind, ihretwegen zu leiden.»
«Du hast dieses eine Leben. Wie willst du es verbringen? Entschuldigend? Bedauernd? Kritisch? Dich selbst hassend? Diät haltend? Indem du Menschen hinterherläufst, die dich nicht sehen? Sei mutig. Glaube an dich. Mach, was sich gut anfühlt. Gehe Risiken ein. Du hast dieses eine Leben. Mach dich selbst stolz.»
«Die beste Kurve am Körper einer Frau ist ihr Lächeln.»
Wahrscheinlich ist seine Aura auch 43 Jahre nach seinem Tod noch unglaublich stark, weil er eine eigenständige Philosophie mit einer visionären Musik verband und sich nicht verbiegen liess.
In «Could You Be Loved» heisst es: «Der Lebensweg ist steinig, und du magst auch stolpern, also während du mit dem Finger auf andere zeigst, urteilt jemand anders über dich.»
In «Three Little Birds» heisst es: «Mach dir um nichts Sorgen, denn alles wird gut.» Ziemlich religiös, denn das heisst es auch in der Bibel.
In «Redemption Song» heisst es: «Befreit euch selbst von mentaler Sklaverei, nur wir selbst können unsere Gedanken befreien.»
Reggae, wichtigster kultureller Export Jamaikas
Reggae ist Ende der 60er-Jahre durch den Einfluss von verschiedenen Stilrichtungen aus den USA und den jamaikanischen Stilrichtungen Ska, Mento und Rocksteady entstanden. Kennzeichnend für den Reggae ist ein Grundrhythmus, welcher bei Ska-Eigenproduktionen in Jamaika durch das Covern von R&B-Songs entstand. Weitere grosse Namen des Reggae sind Jimmy Cliff und Peter Tosh. Ab den 1990ern wuchs die Zahl der originär deutschen, zum Teil deutschsprachigen Reggae-Bands und -Artists, seit der Jahrtausendwende erzielen deutsche Reggaekünstler auch Charterfolge, allen voran Gentleman, Culcha Candela und Seeed (Peter Fox auch als Solokünstler) sowie Jan Delay und die Beginners. Auch in der Schweiz gab es früh Stücke mit Reggae-Anleihen, etwas Polo Hofers Hit «Kiosk» und viele mehr.
Hast du auch spezielle Erinnerungen an das Lebensgefühl damals und an die Songs und die Philosophie von Bob Marley und anderen Reggae-Künstlern? Lass es uns bitte wissen. Die Redaktion freut sich auf Reaktion!
Text und Bild: Karl Heinz Odermatt