Kalle’s Musik-Corner bei den winterharten Rappern: Starker Openair-Gig von Visu bei Minustemperaturen (mit Bildergalerie)
Im Rahmen von «Eiszauber» trat der Rapper Visu aus Beromünster vor dem KKL auf. Während 45 Minuten unterhielt er die Fans, die souverän der Kälte trotzten, bestens mit ausgewählten Songs aus allen Phasen seines Schaffens.
Visu (29) heisst eigentlich Vincenz Suter und ist in Beromünster aufgewachsen. Noch heute hat er das Aufnahmestudio in der Oezlige in Beromünster. Er hat Pädagogik an der PH Luzern studiert, war nach dem Studium kurz als Lehrer tätig, produzierte jedoch parallel immer viel Musik. Er war sieben Jahre Moderator bei Radio 3FACH. Heute ist er beim Jugendsender SRF Virus in einem 80-Prozent-Pensum tätig. Er wohnt in Luzern und arbeitet in Zürich. Seinen starken Bezug zu Möischter hat er über all die Jahre behalten.
Wahre Rapper-Freundschaften
Er trat zusammen mit «Scito» auf, der eigentlich Pascal Ineichen heisst, vier Jahr jünger ist als Vincenz Suter und diesen bei allen Songs am Mischpult unterstützte. Man spürte, dass Scito Visus bester Freund ist. Er ist verglichen mit Visu der ruhige(re) Pol. Sie ergänzen sich perfekt und lieferten ein energetisches Hip-Hop-Konzert mit intelligenten Texten und mit Special Guest Pablo Vögtli, der für einen starken Song, «Lüchte» von 2022, mitwirkte. Visu fiel bei zwei Songs kurz aus den Lyrics und wurde beide mal souverän von Scito supported. Ob es der Kälte zuzuschreiben war oder einem anderen Faktor? Man weiss es nicht...
«Im richschte Land und sind am Brüele...»
Besonders gross war die Begeisterung, als sie «Druff», einen ihrer bekanntesten Songs anstimmten. «Im richschte Land und sind am Brüele, well üse fucking Aaspruch, dä chamer nid erfülle. Mer sind druff - high von dem Lebensstil...» war einer der prägnantesten Zeilen aus den für Visu typisch intelligenten und sozialkritischen Lyrics. Auch «Wachse» und «Früelig» aus der neusten gleichnamigen EP von 2024 kam sehr gut an und schien die Crowd aufzuwärmen.
Spontan einen Moshpit gebildet und so der Kälte getrotzt
Wie bei seinem Konzert in der Schüür vom 6. April 2024, als er erstmals mit Begleitband, mit seinen «Vagabundos» und dem starken Act Kitoko auftrat, (der «Michelsämter» berichtete) verschenkte er seine CD von 2019, «Libra». Den Titelsong daraus, der einer meiner Lieblingssongs im Genre Rap überhaupt ist, spielte Visu leider nicht, dafür «Alles no bim Alte», ein Song, der von Visu einiges schauspielerisches Talent abverlangt, was er auch in der Kälte locker draufhatte. Auch «Focus» von der gleichnamigen EP von 2022 schlug voll ein. Man sah den Atem der drei Rapper auf der Bühne. Die Fans in den vordersten Reihen bildeten spontan einen Moshpit, also einen Kreis, in dem die Zuschauer zusammen tanzen.
Nebenan hatte es zum Aufwärmen auch einen Glühweinstand, an dem man nach dem Konzert mit Visu, Scito und Pablo noch einen Drink, vorzugsweise einen Glühwein, nehmen konnte. Visu und seine Jungs nahmen sich viel Zeit für die Fans, viele kennen ihn schon seit Schulzeiten.
Visus Weg
Mit 13 Jahren begann Visu selbst Texte zu schreiben und diese zu rappen. Mit 14 Jahren nahm er an einem Rap-Workshop in Beromünster teil, bei dem er seinen ersten Song aufnahm, mit Hilfe des schweizweit bekannten Berner Rappers Knackeboul. Diesen Workshop, der gleichzeitig ein Wettbewerb war, konnte Visu gewinnen und durfte deshalb am Winterfestival in Wolhusen einen Song performen. Seitdem hat Visu an zahlreichen Musikprojekten gearbeitet und mit namhaften Künstlern wie Nemo, der 2024 für die Schweiz den Eurovision Song Contest gewann, LCone oder Pablo zusammengearbeitet. Mittlerweile ist er eine feste Grösse in der Schweizer Rapszene.
Seit 2022 moderiert Visu die Morgenshow bei SRF Virus. Seine Karriere startete beim Zentralschweizer Jugendradio 3FACH, wo er sieben Jahre verschiedenste Sendungen moderierte. Zeitgleich studierte er Pädagogik an der PH Luzern und absolvierte die Diplomausbildung Journalismus am MAZ. Nach seiner Zeit bei 3FACH wechselte Visu für kurze Zeit zu Radio Pilatus, bevor er im April 2022 zu SRF Virus wechselte.
Mehr Infos über Visu: www.visusuter.ch
Interview mit Visu - siehe separater Artikel: «Ich kam sogar bei Minusgraden ins Schwitzen»
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt