Kalle's Musik-Corner am Retro Festival 2025: Party mit Shaggy, funky Musikgenuss mit der Average White Band (mit grosser Bildergalerie)
Das Retro Festival ist seit 2012 ein sicherer Wert im Luzerner Kulturleben. Mit Chaka Khan, Suzi Quatro, Shaggy und der etwas weniger bekannten Average White Band hatte man im KKL und im Schweizerhof Luzern wieder vier heisse Eisen im Feuer.
Mit der amerikanischen Sängerin Chaka Khan kam wieder ein absoluter Weltstar ans Retro-Festival ins KKL Luzern für gleich zwei Auftritte. Ihr Einfluss reicht von den 70ern bis heute. Ihr grösster Hit hiess: «I Feel For You», geschrieben von Prince. Kurz darauf kam Suzi Quatro, die unverwüstliche Rocklady, die es mit bald 75 Jahren noch draufhat. Ich habe sie vor zwei Jahren an selber Stätte genossen. Ihr gegenwärtig bekanntester Hit ist «Stumblin' In», das Duett mit Chris Norman von Smokie, das vom Australier Cyril mit einem härteren Beat unterlegt zu einem weltweiten Hit wurde und gerade bei Jungen sehr beliebt ist, die Suzi Quatro und Chris Norman nicht mal mehr kennen. Es gibt auch eine deutsche Version, «Schau mal herein» mit dem ehemaligen wohl bekanntesten Liebespaar Deutschlands, Helene Fischer und Florian Silbereisen.
Für die zwei letzten programmierten Konzerte hatte ich Tickets besorgt: der Jamaikaner Shaggy und die Schotten The Average White Band (AWB). Diese zwei Konzerte waren dann sehr unterschiedlich. Shaggy konnte mich musikalisch nicht überzeugen. Er spielte sogar seine grossen Hits wie «Boombastic (Mr. Lover Lover)» nur kurz an und wechselte dann zu Covers. Seine Fans feierten ihn jedoch frenetisch, der Saal war ausverkauft, die Stimmung riesig. Eine Kollegin, die ich zufällig traf, lachte: «Was machst du als Musikexperte ausgerechnet bei Shaggy.» «Gleichfalls!», meinte ich, wissend, dass sie Pink Floyd Fan ist und die starke Floyd-Coverband «Crazy Diamond» sicher schon 20-mal gesehen hat. Es war auch ein riesiges Gedränge, ich hatte keine Chance, nach vorn an die Bühne zu kommen. Shaggy hat vor drei Jahren ein starkes Album mit Sting aufgenommen, für Shaggy bestimmt ein Ritterschlag, dass einer der grössten Musiker im Popbereich aller Zeiten mit ihm kollaborierte. Davon brachte Shaggy jedoch nur ein Stück, das ohne Sting halt nicht gerade glänzte ...
Am Folgeabend ganz andere Szenerie: Das Konzert war nicht ausverkauft, an der Abendkasse noch Tix erhältlich. Man konnte im Raum gut zirkulieren, nach vorn zu den Stars gehen. Die AWB stammt aus Schottland, wurde 1972 gegründet und ist eine der wenigen europäischen Soul- und Funkbands, die mit schwarzer Musik populär wurden. Ihr Name bedeutet: «Durchschnittliche Band von Weissen» und macht selbstironisch auf ihre «falsche» Hautfarbe aufmerksam. Besonders ihr Überhit «Pick Up The Pieces» wurde extrem oft gesampelt und begeistert jedesmal von Neuem. Mit allen Stücken aus allen Schaffensphasen bewiesen sie, dass sie hochmusikalisch sind. An diesem Konzert hätte auch Prince selig seine helle Freude gehabt. Nur er hätte es wohl noch etwas funkiger hingekriegt. Es war ein Konzert für Musik-Liebhaber. Besonders die Bläsersektion war so spielfreudig und hochklassig, wie ich es noch selten erlebt habe. Nachher lauschte man noch gerne dem Talk von Phil Dankner mit den sieben grossartigen Musikern und hatte Shaggy fast schon vergessen ...
Fazit: Das Retro Festival bleibt ein sicherer Wert für Nostalgiker und Fans von handgemachter, starker Musik. Vorfreude auf 2026 herrscht!
Text: Karl Heinz Odermatt, Bilder: Marc Gilgen