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Jugendliche via Social Media gewinnen: Die Gebäudetechnik Estermann AG weiss wie es geht

Wie erreicht man heute angesichts von Fachkräftemangel Jugendliche und begeistert sie für einen handwerklichen Beruf? Und wie erreicht man die Richtigen, die zum Unternehmen und zur Branche passen? Der «Michelsämter» wollte es wissen von einer Firma, die den Ruf aufgebaut hat, dass ihr dies vorbildlich gelingt. Auf Besuch bei der Gebäudetechnik Estermann AG in Hildisrieden. 

Lukas Estermann und Jessica Fischer im Gespräch mit dem «Michelsämter».



Lukas Estermann (LE), aufgrund Ihrer Social-Media-Präsenz könnte man das Gefühl haben, Sie sind ein Digital Nomad.

Nein, ganz und gar nicht. Ich bin Herzblut Handwerker und trage das mit Stolz nach aussen. Gerade deshalb stelle ich mir immer öfter die Frage, weshalb der Fokus unserer Gesellschaft nicht stärker auf die Vorteile nicht digitalisierbarer Berufe zielt.

Wie meinen Sie das?

LE: Ganz einfach, unsere Dienstleistungen werden auch in 30 Jahren keine 3D-Drucker ausführen können. Ausserdem bin ich überzeugt, dass Angebot und Nachfrage bezogen auf den Fachkräftemangel in wenigen Jahren bei vielen Berufen den Stellenwert sowie die damit verbundene Wertschätzung von selbst korrigieren wird.

Können Sie in drei Key Points die Grundlagen Ihrer Social-Media-Strategie erklären? 

LE: Ja, gerne! Für uns im Mittelpunkt stehen diese Werte: 

1. Der Zusammenhalt unterein-ander, der Teamspirit, die grosse Kollegialität untereinander.

2. Der Stolz aufs Handwerk, da es eine sinnstiftende Arbeit bietet und «echte» Wertschöpfung generiert wird. Die Gesellschaft ist sich dies oft zu wenig bewusst.

3. Authentizität: Wir zeigen das echte Leben ohne Filter.

Schon auf der Homepage fällt auf, dass Sie neuen Mitarbeitenden viele Vorteile bieten. Wie hat sich dies entwickelt?

LE: Um Erfolg zu haben, ist es entscheidend, die Leute anzuziehen, die den gleichen Spirit haben, die auch Nr. 1 sein wollen. Es geht um die Menschen, die wollen. Eines meiner Lieblingszitate ist: «Machen ist wie wollen, nur krasser!» Unser Team liebt und lebt täglich das professionelle Handwerk. Dieses Team soll sich entsprechend wertgeschätzt und wohlfühlen.

Jessica Fischer (JF), Sie sind seit gut einem Jahr verantwortlich bei der Gebäudetechnik Estermann AG für Administration und auch für die Social-Media-Aktivitäten. Wie erreichen Sie die Jugendlichen?

JF: Wir versuchen mit einem frechen, frischen und authentischem Auftritt auf Social Media die Menschen zu catchen. Wir wollen damit informieren, doch auch den Menschen Freude und Spass bereiten.

Auf welchen Plattformen sind Sie aktiv, und wie wichtig sind die jeweiligen Plattformen für Sie?

JF: Wir sind auf Instagram, Facebook und seit kurzem auf TikTok. Insta ist unsere bisher wichtigste Plattform. Wir werten die Views, Likes und Follower natürlich laufend aus, doch Zahlen sind hier gar nicht so wichtig: Social Media ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Es geht um Glaubwürdigkeit und Echtheit, Lebensnähe. Unser Leitsatz: Perfektion weckt Aggression. Deshalb lieber locker und humorvoll. Mit solchen Videos haben wir den grössten Erfolg. Zudem: Social Media ist ein Konsumgut. Überspitzt gesagt: Alle wollen nur konsumieren, keiner will liefern. Wir schätzen, dass unsere Mitarbeitenden gerne mitmachen, sich einbringen und gehen dabei mit gutem Beispiel voran. Generell sollte man den Aufwand für Social Media nicht unterschätzen.

Jessica Fischer zeigt voll Freude einige Aktivitäten der GTE auf Social Media. 


Auf welche lancierten Aktivitäten sind Sie am meisten stolz?

LE: Über die Reichweite, welche wir mittlerweile erzielen. Sowie unser gesamter Auftritt On- und Offline, transportiert unsere Botschaft: Wir treten an, um dem Handwerk seine Ehre zurückzugeben!

Wie ist die Arbeitsaufteilung diesbezüglich mit Ihrem Chef, Firmeninhaber Lukas Estermann?

JF: Mein Chef gibt mir die volle Freiheit in meinen Arbeitsbereichen, wir ergänzen uns bestens und ich kann jederzeit eigene Akzente setzen.

Gibt es auch Aktivitäten, die nicht erfolgreich waren? Wo mussten Sie Lehrgeld zahlen? 

JF: Wir sind seit Juni 2019 auf Social Media. Wir hatten in dieser Zeit manchen schrägen, mutigen Clip, doch nie einen Shitstorm, höchstens mal einen besserwisserischen Kommentar. Wir achten jedoch sehr darauf, dass wir niemandem auf die Füsse stehen, das wäre kontraproduktiv.

Lukas Estermann, welche drei goldenen Tipps können Sie anderen Unternehmen geben, um die anspruchsvolle Zielgruppe gut zu bearbeiten?

1. In die Sichtbarkeit kommen, machen, statt zu lange zu planen und zu diskutieren.

2. Ehrlich und authentisch sein sowie spontan bleiben. 

3. Den Menschen konsequent in den Mittelpunkt stellen. Viele machen sich zu viele Gedanken über die Oberfläche. Menschen interessieren sich nicht unbedingt für Radiatoren, doch für Geschichten und die Menschen dahinter.

Wie messen Sie den Erfolg in der Rekrutierung und insbesondere im Bereich Social Media?

JF: Dies ist natürlich nicht nur in Zahlen zu messen. Doch wenn wir gute Schnupperlernende, Lernende sowie Mitarbeitende anziehen, welche langfristig und mit Leidenschaft im Beruf bleiben, so ist dies die beste Bestätigung unserer Strategie.

Sie strahlen grosse Begeisterung fürs Handwerk aus – wie übertragen Sie diese?

LE: Mit gutem Beispiel gehe ich voran und versprühe noch immer dieselbe Freude, Leidenschaft und Begeisterung fürs Handwerk und den Beruf wie vor 20 Jahren.

Was begeistert Sie im Speziellen am Handwerk?

LE: Die Freude am Machen! Bei immer mehr Studien kommt das Ergebnis zum Vorschein, dass bei Handwerksberufen im Gegensatz zu vielen anderen ein extrem tiefes, quasi nicht vorhandenes Burnout-Risiko besteht. Erklärt wird dies aufgrund der Sinnhaftigkeit des Tuns. Ausserdem macht es nach wie vor grosse Freude, am Abend zu sehen, was man erschaffen hat.

Welchen Input haben Sie für die kommende Generation?

LE: Ich frage mich immer öfter, wann wir die Begeisterung verloren haben, etwas mit unseren Händen zu kreieren. Seit wann begeistert es Jugendliche mehr, 8 Stunden auf einem Stuhl zu sitzen, statt etwas mit seinen Händen zu erschaffen? Deshalb: Hör auf dein Herz und folge deiner Berufung.

JF: Vielleicht sollte insbesondere ein Umdenken bei der älteren Generation stattfinden, dass nicht die besten Schulnoten, sondern die Leidenschaft die glücklichsten Berufsleute hervorbringt. 

LE: Ausserdem wage ich die Prognose, dass ein Handwerker künftig auch finanziell dem Akademiker das Wasser reichen wird.

Last but not least: Welche nächsten Projekte und Aktivitäten haben Sie im Köcher?

JF: Bisher hatte TikTok bei uns eher ein Mauerblümchendasein. Da möchten wir stärker präsent sein, gerade um auch Jugendliche abzuholen und anzusprechen. Zudem glauben wir, dass kontinuierliche Weiterentwicklung und Feinjustierung der Massnahmen der richtige Weg ist. Wer uns auf unseren Kanälen folgt, darf gespannt sein, was als Nächstes kommen wird – stay tuned!

Weitere Informationen: www.gt-e.ch


Lukas Estermann und Jessica Fischer am Hauptstandort der Firma in Hildisrieden.




Die Gebäudetechnik Estermann AG im Selbstportrait

Handwerk begeistert! Der Name ist Programm und darauf sind wir stolz. Mit dem im Jahr 2013 gegründeten Unternehmen Gebäudetechnik Estermann AG gehen wir 2023 bereits in das 10. Geschäftsjahr. Wir bren-nen jeden Tag von Neuem, die Menschen mit den Grundbedürfnissen Wasser und Wärme zu versorgen. Wir dürfen ca. vier Dutzend Badezimmer und über 100 Heizungsanlagen jährlich, hauptsächlich für unsere Privatkunden, sanieren. Wir haben uns in einem immer grösser werdenden Umkreis einen Namen geschaffen und uns dementsprechend am Markt positio-niert. Abgerundet wird unser Angebot durch den Reparaturservice, wo wir neben zahlreichen Privat- und Gewerbekunden auch viele Immobilienverwaltungen in der Region bedienen dürfen.
Egal ob Sanitärinstallation oder Heizungsanlage, keine ist gleich wie die andere. Wir übernehmen diese Herausforderung gerne und bedienen unsere Kunden mit höchster Sorgfalt und Qualität, denn unser Team liebt und lebt das professionelle Handwerk. Ganz nach dem Motto: Wir treten an, um dem Handwerk seine Ehre zurückzugeben.
PS: Folgt uns gerne auf unseren Social-Media-Kanälen: facebook, instagram und TikTok oder besucht unsere Website: https://www.gt-e.ch und https://www.projekt-bad.ch



Interview. und Bilder: Karl Heinz Odermatt




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