Skip to main content Skip to page footer

Interview mit Michi Küng und Claudia Schwegler: «Wir sehen uns als Begleitpersonen oder Coaches»

Was man weiss und doch nicht kennt: Die Jugendanimation Beromünster leistet eine sehr wichtige Arbeit in einem anspruchsvollen Umfeld. Im Interview berichten Michi Küng und Claudia Schwegler, was sie motiviert und fordert.  

Claudia Schwegler und Michi Küng beim Einrichten für die Volljährigkeitsfeier (ehemalige Jungbürgerfeier) vom Freitagabend.


Was ist die Jugendanimation Beromünster?

Die Jugendanimation gehört zum Bereich Kinder und Jugend (BKJ) der Gemeinde Beromünster. Wir (Claudia und Michi) sind mit je 60% bei der Gemeinde angestellt. Zusammen mit der Schulsozialarbeit bilden wir ein Team aus vier Mitarbeitenden.

Was macht die Jugendanimation?

Der Fokus unserer Arbeit liegt bei den Kindern und Jugendlichen. Dabei sehen wir uns als Brückenbauer in vielerlei Hinsicht. Einerseits zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, andererseits auch zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Unser wichtigstes Ziel ist die Partizipation. Das bedeutet, dass wir dafür sorgen, dass sich Kinder und Jugendliche am Gemeinwesen beteiligen können. Für Jugendliche sind wir zudem eine Anlaufstelle für allerlei Themen. Bei Bedarf leisten wir Unterstützung oder vermitteln weiter an andere Fachpersonen. Auf der strategischen Ebene haben wir uns im Rahmen der Legislaturziele 2021–2024 mit dem UNICEF-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» auseinandergesetzt. Dazu haben wir mit den Fachpersonen von UNICEF eine Standortbestimmung in Beromünster durchgeführt. Der Gemeinderat wird demnächst darüber entscheiden, ob die Gemeinde das Label anstreben oder darauf verzichten wird.

Welche Ziele und welche Angebote hat die Jugendanimation Beromünster?

Wie bereits erwähnt, ist die Partizipation ein zentrales Ziel unserer Arbeit. Wenn Kinder und Jugendliche eigene Projekte umsetzen, können sie Kompetenzen entwickeln und vor allem ihre Selbstwirksamkeit stärken. Dies hat einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit. Ausserdem fördert Partizipation die Identifikation mit dem Wohnort und wirkt deshalb präventiv, um Littering oder Vandalismus zu minimieren. Unsere Gemeinde lebt vom freiwilligen Engagement der Menschen. Wir sind überzeugt, dass es sich lohnt, bereits Kinder zu beteiligen, damit sie es auch als Erwachsene tun.

Wie viele Jugendliche betreut ihr und in welcher Periodizität?

Betreuen ist aus unserer Sicht das falsche Wort, wir sehen uns eher als Begleitpersonen oder Coaches. Unsere Zielgruppe sind Kinder ab der 3. Klasse bis zum 20. Lebensjahr. Die Jugendanimation der Gemeinde stellt den Kindern und Jugendlichen Räume und Angebote zur Verfügung, die sie nutzen können. Dabei sind wir am Mittwoch und Freitag abwechselnd in den Ortsteilen von Beromünster präsent.

Gibt es besondere Erfolgsbeispiele?

Ja, unser Angebot am Mittwochnachmittag «Lernen und Sport» ist ein solches Beispiel. Die Zielgruppe sind 3.–6. Klässler:innen, die gemeinsam Hausaufgaben und danach Sport machen wollen. Sie werden dabei von Oberstufen-Schüler:innen, den sogenannten Junior-Coaches, begleitet. Wir von der Jugendanimation fördern diese Coaches, damit sie eine Leitungspersönlichkeit entwickeln können. Wir haben bereits von einigen Junior-Coaches gehört, dass ihnen dies persönlich wie auch für die Lehrstellensuche geholfen hat.

Welches sind die grössten Herausforderungen eurer Arbeit?

Die Arbeit auf den unterschiedlichen Ebenen mit unserem Arbeitspensum unter einen Hut zu bringen, ist sehr anspruchsvoll. Neben den Projekten mit Kindern und Jugendlichen, sind wir bestrebt, uns stetig weiterzuentwickeln. Ausserdem ist uns eine starke Vernetzung wichtig, insbesondere mit den Vereinen. Diese leisten einen grossen Teil der Kinder- und Jugendarbeit, was sehr wertvoll ist. Durch unser Engagement bei der Organisation des Gemeinde Duells im Mai 2022 konnten wir zahlreiche Verbindungen knüpfen.

Was motiviert euch jeden Tag, mit Jugendlichen zu arbeiten?

Die Jugendlichen erleben wir als sehr authentisch und lebendig. Dies hält uns fit. Sie stellen uns oft Fragen, durch die wir uns auch selber immer wieder hinterfragen müssen.

Michi, du hast kürzlich einen Abschluss in Sozialarbeit gemacht? Herzliche Gratulation dazu. Inwiefern nützt dir dies in der täglichen Arbeit?

Danke für die Glückwünsche. Ja genau, ich habe den Bachelor-Abschluss mit dem Schwerpunkt Soziokulturelle Animation gemacht, wie auch Claudia. Ich gebe zu, die Berufsbezeichnung ist etwas sperrig. Das Studium hat mir sehr gefallen. Ich konnte mir das Rüstzeug holen, um in meinem Arbeitsalltag professionell handeln zu können. Ich glaube in einer Zeit von gesellschaftlichen Herausforderungen ist das Know-how von soziokulturellen Fachperson wichtiger denn je. Da es eine relativ junge Studienrichtung ist, wissen viele Menschen nicht, was Soziokulturelle Animator:innen genau tun (siehe Kasten).

Was möchtet ihr sonst noch sagen, wenn ihr schon mal das Wort habt?

Michi: Wir nehmen oft wahr, dass grosse Erwartungen an die Jugendlichen gestellt werden. Neben den schulischen Herausforderungen dürfen sie kaum Fehler machen und sich mal daneben benehmen. Uns als Erwachsene sollte bewusst sein, dass Jugendliche in der Zeit zwischen 12 und 25 Jahren viele Entwicklungsaufgaben meistern müssen. Sei dies auf psychischer, physchischer oder sozialer Ebene. Das ist nicht immer einfach und kann auch mal überfordern.

Claudia: Wir sind sehr offen für konstruktive Rückmeldungen. Wir sind deshalb dankbar, wenn wir davon hören, wenn etwas für Unmut sorgt, was wir tun. Und ja, herzlichen Dank, dass wir in diesem Interview über unseren Alltag berichten durften. Mehr Infos zu unserer Arbeit findet man auf der Website https://www.bkj-beromuenster.ch


Soziokulturelle Animation
Der Studiengang Soziokultur ist eine Schwerpunktrichtung des Bachelor-Studiums in Sozialer Arbeit der Hochschule Luzern. Die Kernaufgabe der Soziokulturellen Animation (SKA) ist die nachrangige Kohäsionshilfe. Das heisst, die SKA versucht Menschen miteinander zusammenzubringen, die ohne sie nicht zusammenfinden würden. Gelingt dies, wird der gesellschaftliche Zusammenhalt sowie die Chancengleichheit gestärkt. Das wichtigste Instrument für die Fachpersonen ist die Beteiligung und Mitsprache der Zivilpersonen am gesellschaftlichen Zusammenleben. Die Arbeitsfelder der SKA sind vielseitig. So arbeiten die Berufsleute beispielsweise in der Gemeinde- oder Stadtentwicklung, der Kinder-, Jugend- oder Altersanimation oder in der Vermittlung von Freiwilligenarbeit.


Weitere Informationen: https://www.bkj-beromuenster.ch


Offene Kinder- und Jugendarbeit fördert psychische Gesundheit. 


Interview und Bilder: Karl Heinz Odermatt




Das könnte Sie auch interessieren