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Im Gespräch mit Gemeindepräsident Hans-Peter Arnold: «Ohne Zwang, aber mit guten Angeboten kann Mobilität gesteuert werden»

Mobilität ist eine der Grundlagen unseres Wohlstandes. Alle reden heute von nachhaltiger Mobilität und von «Mobilitätswende», « CO2-Kompensation» und «Netto-Null», nehmen dann für die kurze Strecke zum Bäcker doch das Auto. Gemeindepräsident Hans-Peter Arnold gab uns Auskunft darüber, was aktuell bezüglich Mobilität im Michelsamt läuft und welche Abhängigkeiten zu Grossprojekten bestehen.

Aktueller Planungsstand des neuen Busbahnhofs.  Visualisierung: Gemeinde Beromünster



Hans-Peter Arnold, was steht aktuell in Beromünster im Bereich Mobilität an, was sind die nächsten Schritte und Projekte?

Der Gemeinderat hat sich im aktuellen Legislaturprogramm einige Ziele im Bereich einer nachhaltigen Mobilität gesetzt und vermittelt, dass diese mit Rechtskraft der Ortsplanungsrevision und der kantonalen Zustimmung zum Baukredit der Umfahrungsstrasse umgehend in Angriff genommen werden. Damit bei der Mobilitätsstrategie die zielführende Abstimmung auf die verschiedenen Mobilitätsträger erreicht werden kann, steht die Umfahrungsstrasse im Zentrum. Die Neugestaltung des Fleckens mit Staldenrain und Oberdorf steht im Mittelpunkt, können wir hier doch attraktive Siedlungs- und Begegnungsräume und vor allem unseren Kindern sichere Schulwege schaffen. Im Rahmen der Mobilitätsplanung sind jedoch bereits einige Projekte in Planung, so namentlich

- die Parkplatzbewirtschaftung mittels Parkplatzreglement und Lenkungsmassnahmen 

- der Ausbau des Busbahnhofes als Umsteigeplattform mit diversen Sharing-Angeboten 

- der Bau einer Tiefgarage mit 84 öffentlichen Parkplätzen beim Busbahnhof

- die Neugestaltung der Bushaltestellen in Gunzwil und Neudorf

Was ist beim Busbahnhof ganz konkret als nächste Massnahmen geplant?

Es sind Anpassungen gemäss Behinderten- und Gleichstellungsgesetz BEHIG vorgesehen. Dann die Steigerung des Modalsplittes weg vom motorisierten Individualverkehr, Vorbereitungen für die gesamtkantonale Busplanung unter dem Titel «Bus 2040». Es soll auch eine Kiss&Ride-Zone geschaffen werden. Das Angebot für Sharing-Mobilität soll ausgeschrieben werden. Nach dem neuen Führungsmodell wird der ganze Bereich Mobilität von Sybille Schaub, stv. Gemeindeschreiberin, verantwortet und vorangetrieben. Wir haben für die ganze Planung nun auch ein externes Beratungsunternehmen an Bord.

 Sie sind Vetreter der Gemeinden im Verbundrat, dem obersten Organ des Verkehrsverbunds Luzern. Inwiefern betrifft das kantonale Projekt «ZUMOLU», Zukunft Mobilität im Kanton Luzern, die erste umfassende und gesamtheitliche Mobilitätsstrategie des Kantons, das Michelsamt?

Bei 43 Quadratkilometer Gemeindefläche wird Beromünster nie unsere ganze Bevölkerung mit dem öV, wie die Stadt Luzern, abdecken können. Der Individualverkehr (MIV) wird zur Abdeckung aller unserer Mobilitätsbedürfnisse wichtig bleiben. Doch mit dem neuen Busbahnhof mit den geplanten 84 öffentlichen Parkplätzen schaffen wir eine regionale Umsteigeplattform. Dies bringt attraktive Umsteigemöglichkeiten auf den flächeneffizienten Bus in die Zentren Sursee und Luzern, und die Möglichkeit, von da aus ein E-Sharing-Angebot oder Next-Bike-Angebot nutzen zu können. Die Planung ist weit fortgeschritten, ebenso bezüglich Abstimmung der Parkplätze, da Synergien mit dem Bifang-Park bereits im Juni genutzt werden können. Optimierungen des Busbahnhofs können noch im 2023 realisiert werden, der Kanton zieht mit.

Wie ist die vielzitierte Mobilitätswende aus Ihrer Sicht zu erreichen? Was braucht es dazu?

Die öffentliche Hand muss Vorbild sein und attraktive Infrastrukturen für «Zäme bewege» schaffen. Dazu zählt die Umfahrungsstrasse, der Busbahnhof, der Schulweg, der Bike-Trail wie auch die Quartierstrasse und vieles mehr.

Viele legen sich ein «grünes Mäntelchen» an (Stichwort «Greenwashing»), um doch inhaltlich wenig zu ändern. Wie kann hier gegengesteuert werden?

Ich bin überzeugt, dass hier, ohne Zwang, aber mit guten Angeboten, gesteuert werden kann: Auch mit guten Ideen im Mobilitätsmanagement, welches begleitend mit dem Parkplatzreglement in Erarbeitung ist. Anreize schaffen und aufzeigen, dass wir in Beromünster die verschiedenen Mobilitätsträger aufeinander abstimmen.

«Wer Strassen sät, wird Verkehr ernten», sagte Daniel Goeudevert. Was meinen Sie zu dieser Aussage? 

Der Kern liegt ganz woanders, das Bedürfnis des Menschen nach Mobilität wird bleiben und kann nicht verneint werden. Gesamtmobilität planen heisst, diese Bedürfnisse zukunftsgerichtet abzudecken und die richtigen Wege zu schaffen. Dies ist auf der Landschaft nicht gleich wie in den Agglomerationen. Die Räume umsichtig nutzen und die Mobilitätsformen aufeinander abstimmen, wird in Beromünster anders gelöst als in der Stadt Luzern. Der Nutzer zahlt die Wege, also müssen wir uns hier in der Lenkung vertieftere Gedanken machen.

«Die Menschheit ist zu weit vorwärts gegangen, um sich zurückzuwenden und bewegt sich zu rasch, um anzuhalten», meinte Winston Churchill. Was sagen Sie dazu? 

Dieses Zitat von Churchill kannte ich nicht. Mobile, also bewegliche Lösungen gemäss dieser Aussage sind zu kreieren, weiter nach vorne zu gehen und Falsches korrigieren muss das Ziel sein, denn Rückschritte will der Mensch nicht hinnehmen. Im Bewusstsein der Klima-Herausforderungen bin ich überzeugt, dass wir Menschen Wege in eine nachhaltige Zukunft schaffen werden.

Wie ist Ihr ganz persönliches Mobilitätsverhalten, und was möchten SIe selber bei sich noch verbessern?

Ich strebe an, den ÖV noch mehr zu nutzen, kein Zweitauto im Haushalt mehr zu benötigen und die Muskelkraft zu steigern: Dies hat im Hinblick auf mein Alter auch viele positive Effekte für meine Gesundheitsförderung.

Für wie realistisch erachten Sie inzwischen den Durchgangsbahnhof Luzern (DBL)?

Der DBL muss kommen, da er für die Mobilität auch für die Landschaft von zentraler Bedeutung ist. Die Kapazitäten der jetzigen Verkehrsträger nach Luzern sind ausgeschöpft, mit dem DBL können wir diese verdoppeln, so dass wir die Ziele in nah und fern zeitnah und in nachhaltiger Mobilität erreichen können. Der DBL kommt, doch es braucht seine Zeit, wie es bei der Umfahrung Beromünster ja auch so ist.

Hans-Peter Arnold: «Die Räume umsichtig nutzen und die Mobilitätsformen aufeinander abstimmen.»


Interview und Bild: Karl Heinz Odermatt




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