«iisatz chli!» in der Pfarrkirche Rain: Gelungene Premiere mit «Brass Christmas»
Das allererste Weihnachtskonzert der Rainer Formation «iisatz chli!» in der vollen Pfarrkirche Rain bot die perfekte Mischung aus besinnlicher Weihnachtsmusik und mitreissenden Brass-Melodien.
Die Band iisatz chlii ist um das Jahr 2011 in Rain entstanden und besteht seit jeher aus 10 Musikern. Sie haben eine Leidenschaft: gemeinsam zu musizieren, wobei auch das ausgiebige Feiern auf keinen Fall zu kurz kommen darf. Ob Festival, Festzelt oder Strassenecke, mit ihrem eigenen, unverkennbaren Stil quer durch alle Genres, musizieren und feiern sie in jeder Umgebung. Die zehn Mannen starteten in ihren spannenden «Ugly Christmas Sweaters» wuchtig, rollten quasi den roten Teppich aus mit «Einzug der Gäste» aus der Oper Tannhäuser, die Richard Wagner 1845 geschrieben hat. Dann nahmen sie deutlich Tempo weg und tauchten ein in die reiche skandinavische Wintertradition mit dem Traditional «Swedish Folk Song». Es folgte ein Stück aus dem fixen Repertoire der Band, Patent Ochsners traurigschöne Ballade «Guet Nacht, Elisabeth». Gänsehaut pur, sehr gelungen! Dann folgte die Ankündigung «Haltet euch gut fest, es wird rassig». Tatsächlich, die «Petersburger Schlittenfahrt», komponiert 1886 von Richard Eilenberg, ein «Galopp» und ein Klassiker der winterlichen Unterhaltungsmusik.
Die Magie von Weihnachten und von stillen Winterabenden
Dann wurde es etwas gemächlicher: «Glow, like the softly falling snow» von Eric Whitacre, 2013 komponiert, fing die Magie eines stillen Winterabends ein. «A Celebration of Christmas» von Howard Lorriman brachte bekannte Weihnachtsmelodien zusammen. Dann war es Zeit für etwas Modernes: «Yellow» von Coldplay, geschrieben von Chris Martin im Jahr 2000, erschienen auf dem Album «Parachutes». Laut Entstehungslegende ist «Yellow» von einer Sternennacht inspiriert. Nicht wirklich ein Weihnachtslied, doch es passte hervorragend. Weiter gings mit «Ring in the Season» aus «Olaf's Frozen Adventure», bevor es noch ins Bündnerland ging: «Nadal» von Gion Andrea Casanova beschrieb die Magie des Weihnachtssterns. Natürlich wollten die begeisterten Zuhörenden in der vollen Pfarrkirche eine Zugabe, und die bekamen sie auch.
21-mal «Feliz Navidad» und 16-mal «I wanna wish you a Merry Christmas»
«Feliz Navidad», das auch als Brass-Nummer eine gute Falle machte und zum Mitwippen anregte. Das Lied besteht aus nur drei Akkorden und einem Text, den sich wirklich jeder merken kann. In Zahlen sind das: 21-mal «Feliz Navidad» und 16-mal «I wanna wish you a Merry Christmas» – plus zwei weitere kurze Zeilen. So einfach kann man einen Welthit schreiben. Vollbracht hat das der Puerto Ricaner José Feliciano, 1970. Nach eigenen Angaben komponierte der blinde Sänger den Song in nur fünf Minuten. Aufgenommen hat er ihn in zehn. Trotz – oder gerade wegen – der Einfachheit gehört das Lied vor allem in Nordamerika zu den am meisten gespielten und heruntergeladenen Weihnachtshits. 2010 wurde es in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.
Rinaldo Gärtner und Elio Bachmann als Motoren der ganzen Truppe
Besonders hervorgehoben wurden in den Dankesworten Rinaldo Gärtner, der Bandleader, der die Stücke arrangiert hat und die ganze Truppe zusammenhält. «Ohne dich gäbe es diese Band nicht!», Unterstützt wird er von Elio Bachmann, der für die feinsten Arrangements verantwortlich war. Die Türkollekte wurde vollumfänglich der Stiftung Rodtegg überwiesen. Nach dem Konzert konnte man den Abend bei einem gemütlichen Raclette-Plausch vor dem Pfarreiheim ausklingen lassen. Für die musikalische Begleitung sorgten Posaunenschüler von Elio Bachmann, die ebenfalls ihr Können zeigten. Man spürte die grosse Begeisterung, die das Konzert ausgelöst hat und den Stolz und die Verbundenheit der Rainer mit ihren leidenschaftlichen Musikern.
Die Frage an Gemeinderat Hubert Rigert, ob ihm nicht doch etwas Kritisches einfalle, löste diese Antwort aus: «Da kannst du hier lange suchen, du findest nichts, ausser vielleicht, dass sie noch viel, viel länger hätten aufspielen können.» Alt-Gemeindepräsident Peter Brunner war hin und weg von den jungen Posaunisten und erzählte mit Leuchten in den Augen: «Ist das nicht wunderbar, diese jungen Posaunisten? Genau so einer war ich seinerzeit auch.» So gingen alle glücklich in die kalte Winternacht hinaus.
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt