«Idyllisches Beromünster»
Mit «Idyllisches Beromünster», der Stiftssilhouette im Abendglühn, dem «Dorfkern Fläcke», dem Marienbrunnen, unbebauten Wiesen und «saftiger Landschaft» werden die «Wohnungen im Dorfkern» vollmundig angepriesen. Verwundert habe ich das Heftli zur «Hinder Müli» von Della Valle Immobilien und Romano Christen durchgeblättert.
Ich höre Ludwigs Stimme: «Wir sind kein Dorf – Wir sind ein Flecken!» 1000 Jahre Siedlungs- und Kulturgeschichte. Ein Ortsbild von nationaler Bedeutung. Schade, haben sie weder eines seiner Bücher gelesen, noch sich ernsthaft mit unserer Geschichte befasst.
Aber warum locken sie mit dem historischen Stiftsbezirk statt mit ihren grossvolumigen Neubauten? Interessieren sie sich doch etwa aufrichtig für unser Kulturerbe, wie sie vorgeben? Sie besitzen selbst drei historische Liegenschaften am Ryn, die den schmucken Auftakt zu ihrer Siedlung bilden und sie eigentlich fotografisch inszenieren könnten. Die im Denkmalinventar aufgeführte Scheune haben sie leider schon abgerissen. Sie war die letzte inventarisierte «Schüür» in Beromünster und daher ein wichtiges Kulturgut. An anderen Orten gibt es Beispiele für solch gelungene Umnutzungen – trotz hoher Auflagen. Schade! Was mit den anderen beiden Häusern geschieht, entnimmt die interessierte Leserin leider weder dem Heftli noch der Internetseite, auf welcher alle Projekte aufwendig angepriesen werden. Das eine Haus (Ryn 25) aus dem 16./17. Jahrhundert wurde vom Vorgänger illegal leer geräumt und dient heute als lieblose, grossformatige Plakatwand für die Massenware «Räume der Kraft». Die Kamine haben sie im Sommer vorzeitig abgebrochen und die Löcher im Dach offengelassen. Die sichtbaren Plastikreste sind das alte Unterdach. Ob es schon hereinregnet? Versteckt, auf der Rückseite, haben sie mittlerweile die Füllung der Fachwerke komplett herausgebrochen. Das ist kein denkmalgerechter Umgang mit historischer Bausubstanz! Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Ausbruch auf der Rückseite bewilligt wurde. Eine aufrichtige Absicht, das Gebäude zu erhalten, sieht für mich als Fachperson jedenfalls anders aus. Ich warte schon auf die «Publireportage» und die «Ausreden».
Meine Familie, Freunde und Bekannte pflegen und finanzieren den Unterhalt historischer Liegenschaften in Beromünster liebevoll und aufwendig. Andere fotografieren diese als «Kulisse», um ihre «Räume der Kraft» anzupreisen, währenddem sie die eigenen historischen Häuser abreissen und mutwillig zerstören.
Ich bin gespannt, ob die beiden Gebäude denkmalgerecht umgebaut werden. Ich erwarte es!
Alles andere macht aus unserem einzigartigen Flecken ein gewöhnliches Dorf mit banalen Bauten.
Annabarbara Suter