Huus74-Betreiber verabschieden sich mit «Ustrinkete»
Fünf Jahre waren Coni und Max Härri sowie Ursi und Felix Matthias die Gastgeber beim Huus74 in Menziken. Nun gaben sie feierlich den Schlüssel weiter und sagten sehr sympathisch Danke. Zum Abschied luden die Betreiber am letzten Freitag zur «Ustrinkete» ein.
In den letzten Betriebstagen fanden im Huus74 nochmals ganz spezielle Anlässe mit Ueli Schmezer und mit Stefan Künzli statt, der sein Buch «Schweizer Rockpioniere» vorstellte, was sehr gut zur Affiche der «Ustrinkete» passte. An diesem Abend sorgten die Musikgruppen «Has im Gras» und «Wyna West» für allerbeste Unterhaltung mit regionaler Verwurzelung. Viele der zahlreich erschienenen Gäste meinten, dass das Huus74 mit genau diesem Konzept Menziken enorm bereichert habe. Das ganze eingespielte Huus74-Team um Coni und Max Härri sowie Ursi und Felix Matthias bedankten sich für das Vertrauen, das ihnen in den vergangenen 2000 Tagen entgegengebracht wurde.
Das ausgetüftelte Erfolgskonzept weiterführen
Felix Mathias sagte gegenüber unserer Zeitung: «Wir überlegten uns vor sechs Jahren, was in der Region fehlt und was wir den verschiedenen Gästegruppen bei der Organisation von Festivitäten abnehmen können, damit sie sich vom Organisieren dispensieren können.» Die bisherigen Verantwortlichen übergaben den grossen gebackenen Schlüssel symbolisch und wirkungsvoll. Ursi Matthias sagte: «Wir wünschen dem neuen Pächterpaar Kirsten und Thomas Wiederkehr alles Gute, einen erfolgreichen Start ab dem 12. Januar 2022 und viel Elan in der Weiterentwicklung des fünfjährigen Betriebskonzeptes.» Das Ehepaar freut sich schon heute auf viele Besucher im Huus74. Vor dem und im Festzelt gabs feinen «Härdöpfelsalat» und verschiedene Würste, sympathisch und live zubereitet vom «Hausgärtner» Roli Sandmeier aus Seengen, der «schönsten Seetaler Gemeinde» wie er unbescheiden meinte und mit seinen Jokes vielen schon beim Check-in ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Roli avancierte zum Personalsprecher und stieg auch selber auf die Bühne, eloquent und humorvoll.
Wyna West» – Rock at its best
Zuerst spielten «Wyna West» gross auf: Die Country-Rock-Band um Andy Sager (Gitarre und Harp) sowie die charismatische Tanja Hunziker (Leadsängerin) überzeugte von A bis Z mit Spielfreude und Publikumsnähe. Da muss sich auch «Züri West» warm anziehen: Der Funke ging ab dem ersten Song auf das Publikum über. Marc Urech (Keyboard) erinnerte an Steve Winwood, eines seiner Vorbilder. Die 1996 gegründete Band begeisterte mit abwechslungsreichem Repertoire. Andy Sager: «Alle Bandmitglieder gehen seriösen Berufen nach, zum Beispiel Servicetechniker Aufzüge.» Sager war schon bei den legendären Blues- und Metalbands «Methusalem» und «Master Pflaster» dabei, die auch in der NZZ rezensiert wurden. Am 11. Februar 2022 sind Wyna West, die eigene Line Dancer haben, in Lenzburg im «Baronessa» gebucht für einen nächsten Gig.
«Has im Gras» – genau so machts Spass
Dann gaben «Has im Gras» richtig Gas: Ruedi Weber vom Trolerhof in Menziken (Rhythmus-Gitarre, Leadgesang und Bluesharp) kündigte die Band locker an als «AHV-positiv». Die Mundartstücke stammen oft aus seiner Feder. Drei Musiklehrer sind in ihren Reihen, die anderen sind leidenschaftliche Amateure. Sie stiegen fulminant ein mit Latin-Groove von Carlos Santana, sehr nahe an den Vorbildern, nur unterbrochen von einem Stromausfall, der aber irgendwie doch wieder passte zu diesen Zeiten. Beim Konzert wurde Just Hulst verabschiedet als Schlagzeuger. Rolf Richner ist der Neue an den Drums. Ruedi Weber sagte unserer Zeitung vor dem Konzert: «Wir spielen heute ein spezielles Set, mehr Partysound als sonst. Es soll abgehen.» Da hatte er nicht zuviel versprochen… Beim Heuler «All Right Now» von «Free» von 1970 war die Stimmung riesig. Bei einzelnen Songs baute er auch «Huus74» geschickt ein und verstärkte so den Eindruck eines einmaligen Erlebnisses.
Zusammen jammen!
Die drei gut ausgewählten Zugaben spielten die beiden Bands erstmals zusammen, nachdem sie kaum 30 Minuten zusammen geprobt hatten. Eine reife Leistung: «Mustang Sally», der Songperle von Wilson Picket (1967), dann «Sweet Home Alabama», der Southern-Rock-Klassiker von Lynyrd Skynyrd (1974), 2007 von Kid Rock schmissig gecovert für «All Summer Long» und schliesslich «Honky Tonk Women» von den Stones (1969) liessen keinen auf den Festbänken sitzen bleiben. Etwas Melancholie schwang trotz der tollen Stimmung mit. Der sonst rhetorisch so starke Felix Mathias liess diesmal andere reden und mischte sich unter das feiernde Volk. Wir dürfen gespannt sein und uns auf eine Fortführung der Erfolgsgeschichte freuen. Wir bleiben jedenfalls dran. Es lebe die geschichtlich nicht ganz durchgehend bestehende, doch so wichtige Freundschaft des Michelsamts mit dem Wynental!
Text und Bilder: Karl Heinz Odermatt