Hinterwäldler … von wegen!
Zweimal pro Jahr findet im Rickenbacher Gweyhuus jeweils der Culture Club statt. Letzten Freitag gab sich das Trio Hinterwälder die Ehre. Die drei meisterlich musizierenden Gesellen wussten ihr Publikum zu begeistern.
Pumpenvoll mit gut gelaunten Gästen präsentierte sich der Kulturraum zum freitäglichen Konzertabend samt gemütlichem Barbetrieb. Erfreut über den Zuschaueraufmarsch gab sich der Präsident des Kulturforums Thomas Wyss, welcher das Publikum begrüsste. «Auf der Homepage posieren die Hinterwälder doch tatsächlich vor einem Ortsschild namens Vordemwald … demfall wohnen sie ganz hinter dem Dorf, dort nämlich, wo der Wald aufhört …», schmunzelte er.
Ja, die drei machten schon etwas den Eindruck, wie aus der Zeit gefallen, mit ihrem Kleider-Look aus Gotthelfs Zeiten. Auch ihre knapp bemessenen Ansagen, in denen die Sätze oft ins Leere mündeten, als wäre der Text irgendwo im Kopf vergessen gegangen, waren anfänglich etwas ungewöhnlich.
Doch spätestens nach ein paar Takten des ersten Songs wurde die Meinung umgehend revidiert. Ihre Stimmen, dreifach harmonisch abgestimmt, dynamisch und voller Energie, jagten dem Zuhörer wohlige Schauer den Rücken runter. Unvergleichlich auch, was sie aus ihren Instrumenten – Gitarre, Banjo, «Kontrabass-Balaika» und «Bluegrass-Mandoline» – herausholten. Die bärtigen Gesellen habens voll drauf. Sie führten ihre gesungenen Geschichten mit meisterhaft filigran gespielten Soli auf ihren Instrumenten weiter, wechselten sich überall ab und sorgten immer wieder für neue musikalische Höhenflüge.
Weltruhm «ennet dem Teich»
Ihre Songs – allesamt in «gmögigem Mundart-Hillibilly» – berichteten von alltäglichen, zeitweise auch skurril anmutenden Problemen wie «Ich ha nie mösse heue» oder «Aline, lass d’Finger vo mim Maa» und ähnlichem. Die Melodien fussen zumeist aus bekannten Coverversionen, eigenwillig, gekonnt, und stets mitreissend interpretiert. Gemäss Aussagen der drei stammten selbige Covers ursprünglich eigentlich von ihnen, den Hinterwäldlern. Erst danach hätten es die Songs «drüben – ennet dem grossen Teich» zu Weltruhm gebracht ...
Toby Rechsteiner aus Brugg, Simon de Roche aus Zürich (aber eigentlich sei er überall geboren) und Gabriel Kramer aus dem Fricktal – die drei meisterlich musizierenden Waldschrate wussten ihr Publikum zu begeistern und die Bude in Schwung zu bringen. Ihre trockenen Sprüche – «Wir spielen auch an deiner Beerdigung, sags uns einfach rechtzeitig» – sorgten für manche Lachsalven. Die Zuhörer zollten frenetischen Applaus und entliessen die drei erst nach mehreren Zugaben an die Bar.
Text und Bilder: Karin Limacher Landtwing