«Hier kann ich vieles bewegen und in die Zukunft führen!»
Lebensfreude und Sinnhaftigkeit sind der Antrieb von Kathrin Rogger, die per 1. März 2023 die Geschäftsleitung von Hof Rickenbach übernimmt. Mit einem motivierten Team will sie den Pionierbetrieb mit Angebot für junge Demenzbetroffene vorwärtsbringen. Dieser wurde seit der Eröffnung im Herbst 2021 vorbildlich geführt, dennoch drängte sich schon bald ein Wechsel auf.
Eine ruhige Atmosphäre empfängt einen im Eingangsbereich der Räumlichkeiten von Hof Rickenbach. Es duftet nach Kaffee, die Zimmer sind fröhlich geschmückt und die Sekretärin am Empfang begrüsst einen freundlich. Hier in dem Gebäude aus den 80er-Jahren, einst für eine Klostergemeinschaft erbaut und jetzt als Institution für Demenzbetroffene genutzt, fühlt man sich sofort angenehm aufgenommen.
«Kaffee oder Tee?», heisst es gleich einladend, und sowas schlägt man an einem kalten Februarmorgen nicht aus. Gleich zwei tragende Personen von Hof Rickenbach setzen sich an den Tisch in der Cafeteria und geben gerne Auskunft: Heinz Näf, der die Geschäftsführung interimistisch noch bis Ende Februar innehat und Kathrin Rogger, welche diese per 1. März 2023 übernimmt und die Institution «mit viel Elan in die Zukunft führen will», wie es in der Medienmitteilung heisst – und das glaubt man ihr.
Führungsfrau mit Boden
«Menschen!», sagt Kathrin Rogger begeistert auf die Frage nach ihrer Motivation, weshalb sie das Ruder eines Betriebs mit Angebot für Demenzbetroffene übernehmen wolle. Mit Menschen etwas Sinnvolles machen, Lebensfreude und Sinnhaftigkeit stiften und mit einem motivierten Team etwas bewegen – dies sei ihr Antrieb, sagt die 56-jährige Führungsfrau. «Hier kann ich meine vielseitige Erfahrung einsetzen, hier kann ich vieles bewegen und in die Zukunft führen!», sagt sie mit einem breiten, herzlichen Lachen.
Kathrin Rogger ist in Schlossrued als «Bauerntochter» aufgewachsen, wie sie lachend erzählt. Nach Grundausbildungen in Hauswirtschaft, Gastgewerbe und Landwirtschaft trat sie 2001 eine Stelle im Kurhotel Eichberg Seengen an, wo sie auch erstmals mit dem Sektor Gesundheit/Soziales in Berührung kam. Berufsbegleitende Weiterbildungen führten sie zum Status der Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin sowie Bereichsleiterin Hotellerie.
In stationären Pflegeinstitutionen wie Oftringen, Lenzburg, Rupperswil und Weggis war Kathrin Rogger darauf in leitender Funktion tätig. All diese Institutionen führten auch eine Demenzabteilung. In der Hofmatt Weggis war Kathrin Rogger Zentrumsleiterin von 2018 bis 2022. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Söhnen und wohnt in Triengen.
Der berufliche Hintergrund von Kathrin Rogger und das Betriebskonzept der Institution Hof Rickenbach passten offensichtlich zusammen wie ein Puzzleteil zum andern. Im Spätsommer wurde die Stelle ausgeschrieben, ein halbes Jahr später tritt Kathrin Rogger sie an.
Begeisterung, Motivation und Hürden
Die Institution Hof Rickenbach an idyllischer, naturnaher Lage am Dorfrand von Rickenbach besteht erst seit eineinhalb Jahren. «Es ist viel Potenzial da», sagt die neue Geschäftsführerin begeistert und fügt sogleich betonend an: «Es gibt auch noch viele Hürden zu meistern.»
Grosse Begeisterung und Motivation, aber auch Hürden – dies sind Komponenten, die das Projekt Hof Rickenbach seit Anbeginn begleiten. Im Oktober 2021 ist es gestartet, nach einer schon fast bilderbuchmässigen Fügung von zwei Puzzleteilen, die ebenfalls perfekt zusammenpassten: der leer gewordenen Infrastruktur des Klosters in Rickenbach und dem aus allen Nähten platzenden Angebot für Demenzbetroffene Hof Obergrüt bei Ruswil.
Er setzte den Rotstift an
Einzig die Finanzen wurden zum Problem. Die Grundhaltung «Vo Härz zo Härz» wurde voll und ganz umgesetzt. Sie ist jedoch sehr kostenintensiv. «Der Betreuungsaufwand wurde stark unterschätzt», erklärt Heinz Näf rückblickend. «Jung Demente sind im Vergleich zu älteren, an Demenz erkrankten Menschen noch sehr tatkräftig und bewegungsfreudig, sie wollen etwas erleben. Sie benötigen viel mehr Stellenpersonal.» Diese Betreuung falle denn auch sozusagen in eine Gesetzeslücke, denn sie sei nicht durch die Pflegefinanzierung abgedeckt, sondern rein von Spendengeldern abhängig, so Näf.
Für den 63-jährigen, in allen Bereichen Sucht, Behinderung, Psychiatrie und Alter sehr erfahrenen Heimleiter Heinz Näf hiess es dann, über die Bücher zu gehen. Einnahmen und Ausgaben zu analysieren und Prozesse schlanker zu gestalten. Klar war aber, dass der Rotstift nicht bei der Pflege angesetzt würde, sondern ausschliesslich in den Bereichen Administration, Garten und Hauswirtschaft. Nun kann Heinz Näf sein Pflichtenheft am 28. Februar definitiv in die Hände von Kathrin Rogger übergeben. Er ist für den Dachverband Artiset tätig und war vom Vorstand für die Geschäftsführung von Hof Rickenbach vorübergehend im Zeitraum von Juli 2022 bis Februar 2023 eingesetzt worden.
Langzeitangebot wird ausgebaut
Die neue Geschäftsleiterin Kathrin Rogger weiss zu schätzen, was sie übernimmt. Nämlich ein «Top-Konzept im ganzen Haus! Und extrem viele top motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter», wie sie sagt. «Die brennen! Die machen ihren Job mit Herzblut!» Und wieder lacht sie ihr klares, herzliches Lachen.
Hof Rickenbach gilt deshalb als Pionierbetrieb, weil er schweizweit das einzige Angebot darstellt für junge Menschen, die bereits in einem Durchschnittsalter 60 bis 62 Jahren von Demenz betroffen sind.
Neues steht bereits zur Umsetzung an: Das Langzeitangebot von Hof Rickenbach soll um acht Plätze ausgebaut werden, vier davon müssen noch bewilligt werden. Dazu wird die bisherige Betriebsleiterwohnung zu weiteren Zimmern umgebaut. Durch diesen Ausbau können mehr Plätze zur Verfügung gestellt und die Grundkosten rentabler verteilt werden, heisst es in der Medienmitteilung. Die Kosten für diesen Ausbau würden auf rund 250 000 Franken geschätzt. Auch weiterhin werde die zusätzliche Betreuungs- und Aktivierungsarbeit nicht durch die Pflegefinanzierung gedeckt, weshalb jede Spende an Hof Rickenbach die Arbeit für Demenzbetroffene unterstütze.
Text und Bilder: Ursula Koch-Egli
Angebot Hof Rickenbach
Das Betreuungsangebot in den Wohngruppen richtet sich vor allem an junge Menschen mit Demenz sowie an Gäste in jedem Alter in den Tages- und Ferienplätzen. Jung betroffen zu sein bedeutet, unter 65 Jahre an Demenz zu erkranken. In den Infrastrukturen des Hof Rickenbach stehen umfangreiche und fördernde Möglichkeiten zur Verfügung.
– Wohnangebote
– Tagesangebote
– Ferienbetreuung
– Freizeitangebote
– Beschäftigungs- und Therapieangebote
Inklusion: Mitarbeit im Garten und bei der Betreuung der Tiere
Fitness: Förderung motorischer und kognitiver Funktionen und des ganzheitlichen Wohlbefindens.
Spiritualität: Meditationen, Rituale, Gottesdienste, Gespräche, Konzerte
Stiftung Hof Rickenbach
Im August 2019 wurde die Stiftung Hof Rickenbach gegründet. Sie konnte im Herbst 2020 das Kloster erwerben. Die Stiftung stellt die Immobilie dem Verein Hof Rickenbach zur Verfügung. Sie ist für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Immobilie zuständig und generiert Gelder für die Weiterentwicklung von Angeboten für Menschen mit Demenz.
Der Stiftungsrat: Marion Reichert, Barbara Haas, Jörg Meyer und Priska Wismer (Stiftungsratspräsidentin).
Verein Hof Rickenbach
Der Verein Hof Rickenbach ist die Trägerschaft des Betriebes Hof Rickenbach. Der Vorstand unterstützt die Geschäftsleitung mit seinen Fachkompetenzen. Die Bedürfnisse und Einzigartigkeit der Menschen, die im Hof Rickenbach zu Gast sind, stehen im Mittelpunkt des Angebots. Dafür entwickelt der Betrieb bedürfnisorientierte und innovative Konzepte für Menschen mit Demenz und setzt diese um. Der Verein Hof Rickenbach unterstützt den Betrieb bei der Umsetzung der Angebote und Projekte.
Quelle: www.hofrickenbach.ch