Heitere 95. Geburtstagsfeier für Emma Weber
Am Montag, 13. März, konnte Emma Weber-Galliker im «Bärgmättli» in grossem Familienkreise den 95. Geburtstag feiern. Es war fast wie zu Hause in der Bauernstube und die Jubilarin erzählte sogar Geschichten, die noch niemand kannte.
Es ist wie in einer grossen Bauernstube. Alle sitzen fröhlich um den langen Tisch, Weingläser und Kaffeetassen zeugen vom gemütlichen Beisammensein. Und mittendrin: Emma Weber-Galliker, stolze 95 Jahre alt. Zu ihrem Geburtstagsbesuch im «Bärgmättli» am Montag, 13. März, besuchen sie ihre fünf Töchter Lydia, Monika, Anita, Claudia und Daniela; ihre drei Jahre jüngere Schwester Anna Hüsler-Galliker, Schwiegersohn Ruedi, die beiden «Gottekinder» Margrit und Doris sowie Gemeinderätin Carmen Beeli. Eine fröhliche Runde rund um ein zufriedenes Geburtstagskind.
Viel Familiensinn
95 Jahre, da hat man was zu erzählen. Emma Weber-Galliker hat vieles zu erzählen! Aufgewachsen ist sie in der Erlosen. 1950 heiratete sie ihren Mann Franz Weber und zog in die Wilhelmshöchi nach Gunzwil. «In der Öli war die Hochzeitsfeier, 16 Personen waren es!», lacht sie. «Weisst du auch noch, wie viel es gekostet hat?», lacht eine Tochter zurück. Bei Webers herrscht viel Familiensinn, das sieht man sofort. Nur Sohn Franz konnte beim Besuch im «Bärgmättli» nicht dabei sein. Tags zuvor hatte die Grossfamilie jedoch bereits den stolzen Geburtstag ihrer Doyenne gefeiert, mit rund 35 Personen im Restaurant Mühleholz.
«Mir gehts schon gut!», sagt Emma bodenständig und mit einem herzlichen Lachen auf die Frage nach ihrem Befinden. Was sie immer so mache? «Ich stricke gerne Socken für die Urgrosskinder», sagt sie und blickt aufgeweckt hinter ihrer Tasse Hagebuttentee hervor, «ich habe ein schönes, grosses Zimmer hier.» War sie denn aufgeregt auf den Geburtstag? «Ha!», meint sie trocken, «ich habe ja nichts gewusst! Alles war eine Überraschung. Ich habe schon blöd geguckt!»
«Da habe ich ihm eine ‹gekläpft›!»
Ja, bei Webers, da läuft was. «Und wie wars früher? Komm, erzähl was von früher!», wird sie gefragt. «Ha!», erzählt Emma mit breitem Lachen, «ich hatte einen weiten Schulweg. Aber einen schönen!» Von der Erlosen hinunter bis ins Schulhaus beim Schönbühl Gunzwil, da seien sie zusammen 17 Kinder gewesen. «Das ging jeweils lustig zu und her!» Ja, sie sei gerne in die Schule gegangen, sagt Emma und strahlt. Und danach? «Nichts. Ich musste zu Hause arbeiten.» Soviel zur Berufswahl einer 15-Jährigen vor 80 Jahren. Emma hat dann später die landwirtschaftliche Haushaltungsschule in Sursee besucht. «Da habe ich gelernt, zu kochen!» Und dann ist sie ja irgendwann ihrem Franz begegnet. «Wie, äh... wie war das?», wird sie sachte gefragt. «Jajaaa...», gibt sie zurück, «schon als Vierjährige habe ich ihm eine ‹gekläpft›!» Schallendes Gelächter. Und Emma erzählt detailgetreu die Begebenheit aus dem Jahr 1932, als wäre es gestern gewesen. «Ich hätte in der Genossenschaft etwas holen sollen. Da waren sehr schöne Äpfel, abgewogen in den Harassen. Ich war dazu erzogen worden, dass man keine nehmen darf», weiss sie genau. «Und der Franz, er war achtjährig, hat einfach einen genommen. Da habe ich ihm eine ‹gekläpft›!» Die Töchter lachen herzlich, diese Geschichte haben sie jetzt auch zum ersten Mal gehört.
Ruhe und Reisen
Nun, mit dem Klapf wars ja noch nicht gemacht. Da nähms einen schon wunder, wie die beiden... «Ja, mit 22 habe ich geheiratet.» Aha. Mehr gibt sie nicht preis. Die Familie sei gewachsen, alle Preise hätten damals aufgeschlagen – als junge Bauersfrau war Emma in den 50er-Jahren gewiss nicht auf Rosen gebettet. Zwölf Jahre lang hat sie zusätzlich als Reinigungskraft in der «Zigarri» gearbeitet, dort wo jetzt das Café 16 steht.
Und was hat sie genossen? «Die Ruhe! Die habe ich auch gebraucht.» Mit 50 war Emma zum ersten Mal in den Ferien. Später, nach der Pensionierung, hatte sie auch sehr gerne Reisen unternommen, Tages- und Wochenausflüge mit dem Car, auch Werbefahrten, bis zu dreimal pro Woche. Im Jahr 1995 musste Emma Abschied nehmen von ihrem Mann Franz. Bereits 1977 hatte sie von ihrem zweiten Sohn Peter infolge eines Unfalls Abschied nehmen müssen.
Ja, mit 95 hat man wahrlich viel erlebt und vieles zu erzählen. Emma Weber-Galliker hatte nicht nur selber viel Freude am geselligen Geburtstagsbesuch vergangenen Montagnachmittag. Mit ihrer Wachheit, ihrem Humor und den vielen Anekdoten hat sie ihren Gästen ebenfalls viel Freude bereitet. Der Gratulationsbesuch im Aufenthaltsraum des Pflegewohnheims Bärgmättli dürfte allen in wärmster Erinnerung bleiben.
Text und Bilder: Ursula Koch-Egli