Hazel Brugger rockt Reinach AG: «Kennen Sie diese Frau?»
Sie ist nicht nur sehr bekannt geworden, sondern auch erwachsen: Mittlerweile ist Deutschlands «Beste Komikerin 2020» Hausbesitzerin, Ehefrau und Mutter. In Deutschland hat sie mit ihrer Veräppelung insbesondere von CDU/CSU-Politikern Kultstatus erreicht und den Gang der Politik mitbeeinflusst. «Konzentriert. Schnörkellos. Saucool. Hazel lässt alle Gockel-Allüren ihrer männlichen Kollegen weg», sagt Berufskollege Josef Hader aus Österreich. Klaas Heufer-Umlauf meint: «Hazel Brugger macht die beste Stand Up-Comedy Deutschlands.» Aber taugt das auch für Reinach AG?
Die gebürtige US-Amerikanerin wuchs in Dielsdorf auf und lebt und arbeitet heute in Zürich und Köln. Sie ist bekannt als «böseste Frau der Schweiz», braucht keinen roten Faden, zieht lieber selber die Fäden… Sie ist unglaublich schlagfertig, und es ist beeindruckend, wie sie beiläufig Geschichten erzählt, die immer mehr auswuchern und dann doch irgendwie zum Ausgangspunkt zurückkommen. Unübertroffen ist sie in der Interaktion mit dem Publikum. Wie locker die Komikerin spontane Absurditäten bringt und immer wieder darauf Bezug nimmt, sollte als Lehrvideo in Komikerschulen für die Nachwelt festgehalten werden. Dies bewies sie schon zum Einstieg in Reinach – wer auf den vordersten Plätzen sitzt oder sonstwie auffällt, lebt gefährlich. Dafür machte sie für die Fotografen im Saal schon zu Beginn einige schöne Posen, «damit das schon mal erledigt ist»…
Die frechsten Sprüche des Abends:
«Ich bin aus der Schweiz – für meinen Mann Thomas Spitzer aus Köln bin ich die rassige Südländerin».«Ehefrau ist ein sehr strenger Job… wenn man ihn wirklich ernst nimmt». «Impf- und Testzentren werden irgendwie immer provisorischer.»
«Booster, das tönt schon so cool, wie lässt sich das noch steigern? Die nächste Impfung heisst dann wohl «Baparaboo»…»
«Reinach ist so reich und so erfolgreich geworden, es ist nun eine AG.»
Dazu passt Hazel Bruggers Frage ans Publikum «Sind Deutsche im Saal?». Da melden sich zwei aus Lörrach. Fragt Hazel «Was um alles in der Welt macht ihr in Reinach AG?» – «Wir wollten Kultur in Reinach BL geniessen, sahen aber erst bei der Hinfahrt, dass du in Reinach AG auftrittst». Das Publikum ist nicht zu halten vor Freude…
Comedy auch zu Wickeltisch und angestöpselter Milchpumpe
Fazit: Hazel hat einen drastischen Humor. Ihr Erfolg ist bemerkenswert, da sie keinerlei Tabus kennt. Sie macht in ihrem neuen Programm, dem Nachfolger von «Tropical» auch vor sich selbst nicht Halt. Ganz im Gegenteil. Per Podcast und Youtube ist sie längst zur öffentlichen Frau geworden, nimmt ihre Fans mit bis auf den Wickeltisch, an die Elektro-Wiege und zum Anstöpseln der Milchpumpe. Vor einem halben Jahr ist sie Mutter geworden: ein Lebensveränderungs-Tsunami, der in jedem dritten Satz ihres Programms aufscheint. Unfassbar komische Bilder findet sie für das Leiden der jungen Brugger. Ihr Credo lautet: «Wir wollen zeigen, dass deutsche Comedy auch geil sein kann. Wir glauben, dass auch smarte Leute ein Recht auf Quatsch haben.» Kein Widerspruch, genauso ist es.
Im Zugabeblock konnte man tatsächlich Fragen stellen, was genutzt wurde: Ob sie im Aargau übernachte oder gleich wieder sechs Stunden zurück nach Deutschland reise. Sie entgegnete, locker auf den Mikrofonständer gelehnt: «Ich hab einen ICE gechartert, will immer möglichst schnell weg von der Aargauer Provinz.» – «Du musst mal nach Luzern kommen, da willst du nicht wieder weg…» Hazel hüpft zum nächsten Thema… Hazel Brugger hat auf jeden Fall geliefert, man darf auf ihre Weiterentwicklung gespannt sein.
Text und Fotos: Karl Heinz Odermatt