Gedanken zum Silvesterabend
Das alte Jahr verabschiedete sich mit einem prächtigen Farben- und Lichtspektakel über dem Sempachersee. Der Himmel leuchtete in Gelb-, Gold- und Blautönen, welche sich in der spiegelglatten Seeoberfläche widerspiegelten – ein stilles Wunder der Natur vom Schönsten. Keine sieben Stunden später war es um die Ruhe geschehen und zig Knallkörper und Feuerwerke wurden gezündet, welche die Natur erschütterten und einem durch Mark und Bein gingen – und dies nur für ein paar Sekunden künstlichem Funkenregen am Himmel. Wären wir nicht in der sicheren Schweiz, sondern in der Ukraine, würde man das Getöse der Feuerwerke mit Raketeneinschlägen assoziieren. Vielleicht sind die in die Schweiz geflüchteten Menschen aus der Ukraine bei jedem Knall vor Schreck zusammengezuckt? Wo bleibt hier die viel beschworene Solidarität? Und haben wir nicht eine Energie- und Klimakrise? An der Anzahl und Länge der gezündeten Feuerwerke könnte man meinen, Geld sei in Hülle und Fülle vorhanden und an das Verpesten der Luft (geschweige denn an die unsinnige Lärmbelästigung der Fauna) wird kein einziger Gedanke verschwendet. Was macht der Mensch nur, um sich an ein paar Sekunden Feuerwerk zu ergötzen? Würde er eine Sekunde in sich hineinhören, würde er erkennen, welche Scheinheiligkeit solche Aktionen symbolisieren und sich gewahr werden, welche Wunder die Natur uns vor unserer Haustür bietet, würde er nur ein bisschen bewusster und achtsamer durch diese Welt gehen.
Melanie Brunner-Müller, Oberkirch