Gebruncht, bis die Instrumente flogen
Gipfeli, Fasnachtsklänge und ein Hauch dunkler Magie: Beim Lüütertüter-Brunch von vergangenem Sonntag bot die Hildisrieder Guugge ein reichhaltiges Buffet, präsentierte ihr diesjähriges Kleid und zeigte, dass sie für die nahende Fasnacht in Topform ist.
Ein herrlicher Zmorge-Duft begrüsste die rund 350 Besucherinnen und Besucher letzten Sonntag im Zentrum InPuls in Hildisrieden. Die Lüütertüter luden wieder zum beliebten Brunch ein. Dabei sah man den Vereinsmitgliedern keineswegs an, dass es am Vorabend noch wild zu- und hergegangen war. Mit strahlenden Gesichtern und viel Motivation wurden Freunde, Gäste und Unterstützer empfangen, denen man ein reichhaltiges Zmorge-Buffet präsentierte.
Das prächtige Zmorge-Buffet lud zum Schlemmen ein. (Bild: Franziska Kaufmann)
Selbstverständlich war auch mit hohem Besuch zu rechnen: Mit Zunftmeister Urs I. und Daria Käppeli sowie einer grossen Delegation der Götschizunft stand einem stimmungsvollen Sonntagsbrunch nichts mehr im Wege. Nach einer Ansprache von Vereinspräsident Ramon Wolf wurde dem Zunftmeisterpaar die Ehre zuteil, das Buffet zu eröffnen. Vom regelrechten Blitzlichtgewitter der Hausfotografen und Zeitungsberichtenden liessen sich die beiden nicht aus der Ruhe bringen und eröffneten feierlich die prächtig angerichteten Käse- und Fleischplatten, Brotkörbe, Müesli- und Früchteschalen. Nebst Orangensaft floss selbstverständlich auch viel Kaffee. Letzteres kam dem einen oder anderen Fasnächtler angesichts der vorabendlichen Tanzeinlagen bei Festen in der Region sehr gelegen.
Für einmal ohne Wein
Die erfahrenen Brunch-Gänger merkten rasch, dass die traditionelle Gönnerwein-Degustation in diesem Jahr ausblieb. Dafür habe man sich bewusst entschieden, erklärte Präsident Ramon Wolf: «Der Brunch soll Brunch sein, und wir wollen gemeinsam die Zeit geniessen, um uns auf die Fasnacht einzustimmen.» Nichtsdestotrotz können Interessierte den Gönnerwein – «oder eine ganze Kiste», so Wolf – bei einem Vereinsmitglied bestellen. Die Heimlieferung erfolgt wie gewohnt.
Zur dunklen Seite übergegangen
Neu war auch das Outfit, mit dem die Lüütertüter auftraten. Traditionellerweise wird dieses mit einer PowerPoint-Präsentation und Modenschau vorgestellt. «Heute waren einige Vereinsmitglieder froh, endlich wieder einmal ein Kleid anziehen zu dürfen, das noch ganz ist – ‹ohni Schränz› und mit allen Knöpfen», meinte Präsident Wolf schmunzelnd. Unter Applaus betrat daraufhin eine Delegation des Motto-Grüpplis die Bühne – mitsamt Grind und in Vollmontur. Heuer treiben die Lüütertüter unter dem Motto «Dark Side of Höudi» ihren Schabernack. Entsprechend dunkel ist das Gewand gehalten: Ein schwarzer Mantel mit glänzend gemustertem Stoff gilt als Herzstück des Gewandes. Goldene Borten, Nieten und Knöpfe setzen edle Akzente. Dass man dieses Jahr düster unterwegs ist, kommentierte Wolf augenzwinkernd: «Wie ihr wisst, schauen wir jeweils gut, dass die Fasnacht für uns trotzdem genug bunt wird.»
Durch die detaillierte Kleidvorstellung führte Anja Schürmann aus der Mottogruppe. Unterstützt von den Models Céline Odermatt und Robin Estermann wurden die Frauen- und Männergewänder souverän präsentiert. Die Damen tragen ein elegantes, figurbetontes Kleid mit ausgestelltem Rock und goldenen Verzierungen. Die Männer bestechen mit einem edlen Gilet und einem markanten Faltenrock im Schottenrock-Stil. Tampi Manuel Estermann überzeugt mit einem pompösen Grind und Gewand. Ein besonderer Blickfang ist der mächtige Umhang, auf dem eine Voodoo-Puppe, das Logo des diesjährigen Fasnachtsmottos, prangt. Stolz präsentierte er zudem seinen Tampi-Stock aus einer Baumwurzel, der an einen Magierstab erinnert – eine weitere Anlehnung an die «Dark Side of Höudi». Die Grinde ähneln bleichen, ausdruckslosen Fratzen – ein mögliches Mahnmal dafür, was geschieht, wenn man sich zu stark der dunklen Seite hingibt. Die diesjährige Plakette ist als Flaschenöffner in Form eines Schlüsselanhängers gestaltet.
«Es hed ghäscheret»
Was an einem Brunch einer Guuggenmusig natürlich nicht fehlen darf, ist die musikalische Einlage. Und diese lieferten die Lüütertüter eindrücklich ab. Es «häscherete» dermassen, dass nicht nur das Publikum aufstand und mitfeierte. Vor lauter Spielfreude flogen sogar Schlaginstrumente umher. Davon liess man sich jedoch keineswegs aus dem Takt bringen. Stücke wie «Du schreibst Geschichte», «Run to the Hills» oder die legendäre Version von «Killing in the Name», bei der Tampi Mäni Estermann inbrünstig mitsang, kamen beim Publikum bestens an. Von den Klängen angespornt wechselten einige Gäste – insbesondere die anwesenden Guuggen-Delegationen – vom Kaffee zum Bier, und man liess den Brunch in geselliger Stimmung ausklingen.
Franziska Kaufmann