Frischer Wind zur Bundesfeier
In Schlierbach wird die Bundesfeier wechselweise von den Ortsvereinen organisiert. Bei der letztjährigen Präsidentensitzung hat sich ein neuer Verein in das Rotationsverfahren eingeklinkt: Männerobe. Der Verein existiert seit Mai 2019, hat zirka 40 Mitglieder, dient der Förderung und Wahrung der Bier-/Wein- und Grilltradition und führt kulinarische und kulturelle Veranstaltungen durch. Mit einem motivierten und engagierten Team haben die Männer eine grossartige Bundesfeier organisiert.
Schon das im Flyer angekündigte Spanferkel und Chili sin Carne dürfte den ein oder anderen Schlierbacher neugierig gemacht haben. Entsprechend gross war der Ansturm. Neben den kulinarischen Highlights sorgten «Spiel und Spass für Jung und Alt» für Abwechslung. Es gab die Möglichkeit zum «Stein stossen» mit Kinder-, Frauen- und Männer-Stei (6, 20 und 40 Kilogramm), zum Armbrustschiessen und zum Zuschlagen bei «Hau den Lukas». Für die musikalische Unterhaltung hatte man die Los Green Onionos aus Büron engagiert und auch die Festrede war ungewöhnlich anders.
Wer bei der Ankündigung zur Festrede durch die Schule Schlierbach auf die Schulleiterin oder eine Gemeindevertreterin gewartet hatte, wurde erst einmal enttäuscht. Stattdessen wurde eine unterhaltsame Videobotschaft der Schulkinder ausgesendet. Die Kinder waren im Vorfeld befragt worden, was für sie das Wort «Heimat» bedeute, was das Besondere an der Schweiz und an Schlierbach sei und was sie ändern würden. Mit Heimat verbinden die Kinder ihre Mitmenschen, die Natur, die sie umgibt, eine Umgebung, die sie kennen, ihre Freunde und natürlich Schlierbach. Typisch für die Schweiz aus Sicht der Kinder sind die vier Landessprachen, Bauernhöfe und Tiere, das Sackmesser, Seen und schöne Orte, Raclette, Chääs und Aromat (grosses Gelächter). An Schlierbach schätzen die Schüler den Wald, dass man gut aufgenommen wird und sich einander hilft, die vielen Kinder und Vereine. Bei der Frage was sie verändern würden, kamen aber auch Themen wie verschmutzter Wald, die fehlende Busverbindung nach Triengen in die Sekundarschule, oder der Wunsch nach einer Bibliothek oder einer Halfpipe (Sportanlage Skateboards) zum Ausdruck.
Federführend bei der Orgaisation der Bundesfeier in Schlierbach (v.l.): Fabian Blum, Severin Troxler, Marco Fischer (knieend), Marcel Troxler.
«Ein bisschen frischen Wind in die Sache bringen» war dem Verein bei der Organisation ein wichtiges Anliegen, so Lukas Müller, Präsident von Männerobe. Dafür haben die Männer keinen Aufwand gescheut. Jedes Detail war geplant und nichts dem Zufall überlassen. Angefangen bei den eigens für den Anlass angefertigten Biertischen aus Paletten, über den mit dem Logo gravierten Steinen zum Stossen (sogar eine Kopie des Unspunnensteins 83,5 kg war vorhanden), bis hin zu einer aufwendigen Eigenkonstruktion eines Spanferkelgrills (federführend Severin Troxler). Die Nationalhymne wurde in diesem Jahr zur Abwechslung mit E-Gitarre statt mit Schwyzerörgeli gespielt und von einem einzelnen jungen Mann (Marco Fischer) statt vom Jodlerchörli angestimmt. Zugute sei dem Verein bei der Planung gekommen, dass es unter den Mitgliedern viele unterschiedliche Talente gäbe, so Lukas Müller, der selbst Steinmetz von Beruf ist. «Ideenreich, frisch, anders, mutig», so die Resonanz zur Veranstaltung bei den Besuchern. Insbesondere die selbst gebauten Biertische, jeder mit einem Brandlogo des Vereins versehen, wurden rege zum Austausch genutzt. Die Besucher deckten alle Altersgruppen ab. Auffällig war für ein solch traditionsreiches Fest: neben Senioren und Familien, waren aussergewöhnlich viele junge Leute anwesend. Der Wunsch «als Verein im Dorf wahrgenommen zu werden» dürfte nach dieser Bundesfeier Realität geworden sein.
«Spiel und Spass für Jung und Alt»: Kinder beim Armbrustschiessen.
Text und Bilder von Sylvia Schubkegel