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Freifahrtschein für Rassismus?

Der Jahresanfang in unserer Gegend führt bei mir immer wieder zu Stirnrunzeln. Es gibt mindestens eine Schule im Michelsamt, die es selbst im Jahr 2023 noch eine gute Idee findet einen der drei heiligen Könige mit Blackfacing als Schwarzen Mann darzustellen. Und jetzt an der Fasnacht bekommt man so wahnsinnig «kreative» (rassistische) Mottos wie «Lamapfleger» zu sehen. Ganz beliebt sein werden sicher auch die «Mexikaner mit Poncho, Strohhut und Schnauz» oder die glorreiche Amerikanische Geschichte. Welches Kostüm darf es denn sein? Der «edle Wilde» oder die «schreckliche Rothaut» oder vielleicht gar die «devote Squaw»? Am liebsten kommt diese natürlich mit ihrem Peiniger dem Cowboy zum Fest. All diesen Sujets ist gemein, dass sie rassistisch, verallgemeinernd und klischeehaft sind. Ausserdem sind sie alle unnötig. Immer wieder zeigen auch Guuggenmusiken, wie es anders geht (z.B. die Vogelmoosschamanen vom letzten Jahr).

Ich will keine Spassbremse sein. Jedem sei sein Spass gelassen. Aber er darf nicht auf die Kosten der anderen (schwächeren) stattfinden. Die rassistischen Verkleidungen verletzen und irritieren Rassismusbetroffene, die notabene gerade an den feuchtfröhlichen Tagen noch vorsichtiger sein müssen. Das Argument «das haben wir aber schon immer so gemacht» verfängt weder beim Schwarzen König noch bei den Fasnachtskostümen. Der dritte König wurde erst nach über 1000 Jahren Schwarz. Und beim Fasnachtsbrauch geht es darum aktuelle Debatten und die Mächtigen aufs Korn zu nehmen. Das Treten nach unten ist unwürdig und sollte in der gut informierten heutigen Zeit nicht mehr stattfinden. Vergessen Sie nicht: Nach der Fasnacht wischen wir uns die Schminke ab, hängen das Kostüm in den Schrank und machen mit dem «normalen» Leben weiter. Wenn Sie es sich bei Ihrer Hautfarbe aber nicht um Schminke und bei den Haaren nicht um eine Perücke handelt, geht das nicht. Und im «normalen» Leben findet dann leider allzu häufig Rassismus in seinen verschiedenen Arten statt. Seine Sie klug, lassen Sie solche Kostüme, Perücken und Schminke sein. Seien Sie kreativ und veräppeln Sie unsere Politiker und Politikerinnen, Sportvereine und die Wirtschaft.

Ramona Thalmann-Hüsler, Neudorf




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