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«Frau Biedermann und die Brandstifter» an der Kanti Beromünster: Ein brandgefährliches Lehrstück

Die Theatergruppe der Kanti Beromünster bestach am vergangenen Wochenende mit drei Aufführungen. Sie führte die Tragikomödie «Frau Biedermann und die Brandstifter – ein Lehrstück ohne Lehre» von Max Frisch auf. Das ironische Theaterstück behandelt auf unterhaltsame Art die Unfähigkeit des Menschen, voraussehbare Katastrophen zu erkennen und couragiert zu handeln. 


Frau Biedermann bewirtet ihre brandgefährlichen Gäste.

 

Was kann man tun gegen die Brandstifter in der Stadt? Diese Frage stellt sich auch Dorothea Biedermann, die in der Zeitung von einer Serie angsteinflössender Brandstiftungen liest. Dass sie schliesslich selbst Opfer von Brandstiftern wird, will sie so lange nicht wahrhaben, bis es zu spät ist.

Frau Biedermann stellt sich taub und blind

Seit längerer Zeit halten Brandstifter die Stadt auf Trab. Sie nisten sich in die Dachböden ein und fackeln die Häuser ab. Mehr als verständlich, fühlt sich die Bevölkerung bedroht. So auch Frau Biedermann. Die Zeitungen berichten über die kriminellen Taten. Und so eine Zeitung liest auch die Geschäftsfrau Dorothea Biedermann, welche immer wieder lauthals verkündet: «Aufhängen sollte man diese Brandstifter, ja aufhängen.» Das untergebene Hausmädchen Anna bringt der Hausherrin Wein und berichtet von einer unbekannten Frau, die an der Tür steht und sich nicht abwimmeln lässt. Kurz darauf betritt die gewitzte, arbeitslose Josy Schmitz das Wohnzimmer und bittet um Obdach. Ihre Bemerkung, dass sie Ringerin war, trägt nicht unbedingt zur Beruhigung von Frau Biedermann bei. Der Dachstock genüge ihr voll und ganz. Nach insistieren und mehrmaligem Appell an die Menschlichkeit, gewährt die Hausbesitzerin Biedermann der Wildfremden eine Bleibe im Estrich. Denn sie fühlt sich halb geschmeichelt und halb bedroht. Nachdem auch noch der «fachkundige» Komplize Eisenring auftaucht und die beiden Benzinfässer in den Dachboden schleppen und Zündschnüre vermessen, wird Frau Biedermann schon misstrauisch. Ihr treu ergebener Ehemann Babo ist etwas kritischer und warnt seine Frau vor der Gefahr, die sich im Dachstock abspielt. Aber die Hausherrin ignoriert sämtliche Zeichen und lädt die beiden Gäste zu einem üppigen Gänseessen ein. Die zwei Brandstifter reden während der Mahlzeit ganz offen über ihre kriminellen Pläne. Dorothea Biedermann tut so, als sei dies alles ein Scherz und macht die Gäste lieber zu ihren Freunden. So jagen die beiden Brandstifter schlussendlich das Haus sowie das halbe Viertel in die Luft. Mit diesem Ende wird dem Publikum im Don-Bosco-Saal vor Augen geführt, dass der Mensch in der Lage ist, eine erkennbar drohende Gefahr auszublenden und seinem Untergang direkt in die Augen zu sehen.

Sehr viel Text und erstaunliche Bühnenpräsenz

Die grössten Rollen hatten Philomena Hausheer als Dorothea Biedermann, Chloe Christen als Josy Schmitz, Julian Flury als Komplize Eisenring, Sandro Huwyler als Ehemann Babo Biedermann und Lea Schuler als Hausmädchen Anna inne. Manch eine und einer staunte, wie viel Text einzelne Schauspielerinnen und Schauspieler verinnerlichen mussten. So schlüpften sie gekonnt in ihre Rollen und verkörperten die Personen sehr authentisch. Weiter wirkten in kleineren Rollen sowie im Feuerwehrchor mit: Valentina Flury, Sophia Hausheer, Emma Imbach, Jana Küng, Viola Lustenberger, Carla Nauer, Paula Schärli, Jana Thürig, Lia Weber, Eliane Wey, Leonie Zeier.

«Theater ist Lebensschule»

Alle Schauspielerinnen und Schauspieler überzeugten durch ein erstaunlich ausdrucksstarkes und sicheres Auftreten. Das Publikum bestätigte und verdankte mit seinem Applaus die gelungene Darbietung. «Es ist fantastisch, wie die Schülerinnen und Schüler auf der Bühne über sich hinauswachsen. Theater ist Lebensschule, in diesem Jahr auch ganz klar mit der Aktualität des Stücks», sagt der Rektor der Kantonsschule Beromünster, Marco Stössel, zur Aufführung. Dieses Gelingen ist zweifelsohne den Regisseurinnen Laetitia Kiener und Luzia Schäfer zu verdanken. Sie studierten dieses Theaterstück mit der Freifachklasse Theater der Kanti Beromünster ein. Mit grosser Genugtuung äussert sich auch Laetitia Kiener: «Ich bin unheimlich stolz auf die tollen Leistungen der Schauspielerinnen und Schauspieler!» Einzelne Rollen wurden von der ursprünglich männlichen an die weibliche Form angepasst, da mehr Schülerinnen mitspielten als Schüler. Ob Frau oder Herr Biedermann – dies spielt im 2024 natürlich keine Rolle mehr.


«Der Schweizer Klassiker ‹Biedermann und die Brandstifter – ein Lehrstück ohne Lehre› wurde im Jahre 1958 uraufgeführt. Die positiven Reaktionen beruhten jedoch auf einem Missverständnis. Das Publikum interpretierte das Theaterstück nicht als Farce gegen die bürgerliche Heuchelei, sondern sah es als Aufruf, ja keine fremden Menschen ins Haus zu lassen. Max Frisch war entsetzt und schrieb einen Epilog, wo er seine satirische Botschaft deutlich machte.»



Der Schein trügt. Schon bald brennt es lichterloh.

 

Auch der Feuerwehrchor schafft es nicht mit seiner Stimme der Vernunft. Das Unheil wird bis zum Schluss verdrängt.

  

Text: Antonia Schärli-Egli, Bilder: Marco Stössel 




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