«Für mich ist es ein Nachhausekommen»
Auf den kommenden Jahreswechsel hin erhält die Stiftung Lebenshilfe Reinach einen neuen Stiftungsrats-Präsidenten. Der in der Region bestens bekannte und in Reinach verwurzelte Andreas Huber übernimmt den Posten von Thomas Oetiker, der das Amt acht Jahre lang innehatte und auf eine erfreuliche Entwicklung zurückblicken kann. Die bisher erfolgreiche Strategie soll fortgeführt werden.
«In der Geschichte der Lebenshilfe Reinach (Lh) hat sich die Stiftung stets den Bedürfnissen der Klienten entsprechend gewandelt» − Dieses Zitat stammt aus dem Jahr 2015, ausgesprochen vom damals frisch gewählten Präsidenten Thomas Oetiker. Der heute 66-Jährige übernahm das Amt von Ruedi Hug, der den Stiftungsrat acht Jahre präsidiert hatte. Auch Oetiker schliesst nun «seinen» Zyklus nach acht Jahren ab und würde die Aussage von damals heute noch unterschreiben: «Wir haben immer dem Bedarf entsprechend gehandelt und uns nicht auf Experimente eingelassen. Darin sehen wir unsere Verantwortung, die wir so auch gegenüber unseren Klienten wahrnehmen, unterstreicht Oetiker. «Es hat immer ein Austausch auf Augenhöhe stattgefunden, der letztlich zum bestmöglichen Resultat geführt hat.» Herausforderungen wie Corona und der Wechsel in der Geschäftsleitung von Martin Spielmann zu Philippe Crameri seien auf dieser gesunden Basis einfacher zu bewältigen gewesen, «und auch die vielen positiven Begegnungen mit unseren Klientinnen und Klienten und dem motivierten Personal waren für mich und uns alle immer sehr bereichernd.»
Der «Neue» ist in Reinach verwurzelt
Oetikers Nachfolger heisst Andreas Huber. Der 64-Jährige ist vielen Menschen in der Region bestens bekannt, denn er leitete von 1988 bis 2019 die Reinacher Geschäftsstelle der «Mobiliar». Wie davor schon sein Vater, sein Grossvater und sein Urgrossvater − insgesamt während 123 Jahren. Der jüngste Spross in dieser Aufzählung ist demnach fest verwurzelt mit der Region und kennt die Besonderheiten und die Eigenschaften rund um Reinach. Hubers erster Berührungspunkt mit der Stiftung Lebenshilfe Reinach liegt darum schon eine Weile zurück. 1986 verkauften er und seine Geschwister das Elternhaus an der Gigerstrasse 46 in Reinach an die Stiftung, die damals im Begriff war, den Wohnbereich aufzubauen. Anfang der 1990er-Jahre sei er ein erstes Mal angefragt worden, ob er sich als Stiftungsrat bei der Lh sähe. «Ich sagte: keine Chance, ich habe zu viel zu tun», erinnert sich Andreas Huber, der damals die Geschäftsleitung der «Mobiliar» frisch übernommen hatte. «Ich war voll im Saft und hatte alle Hände voll zu tun.» Danach habe es natürlich geschäftliche Kontakte gegeben und er habe sich nach der Jahrtausendwende bei einem Patronats-Komitee zugunsten der Stiftung engagiert, bis 20 Jahre später Thomas Oetiker in Sachen Stiftungsrat auf ihn zugekommen sei: «Er überzeugte mich auf dieses Jahr hin dem Stiftungsrat beizutreten. In der Zeit bis heute reifte in mir die Überzeugung, dass ich bereit bin, auch dem zweiten Wunsch von Thomas nachzukommen, nämlich das Präsidium zu übernehmen.»
Rückkehr an die Gigerstrasse
Huber freut sich darauf, die Stiftung nach aussen zu repräsentieren, an der künftigen Strategie mitzuarbeiten und den Austausch mit Geschäftsleiter Philippe Crameri zu pflegen. Gross ändern werde sich nur wegen dem Personalwechsel nichts, ist Huber überzeugt. «Mein Ziel ist es, die erfolgreiche Lh so weiterzuentwickeln wie sie heute läuft. Was meine Vorgänger aufgebaut haben, werden wir gemeinsam mit der Geschäftsleitung weiterführen.» Das klingt vorerst unspektakulär, die Herausforderungen seien aber da: «Es geht darum, sich nach dem zukünftigen Bedarf der Klientinnen und Klienten auszurichten. Eine Tendenz geht dabei in Richtung intensivere Begleitsettings aufgrund von zunehmendem Pflegebedarf oder herausfordernden Verhaltensweisen» − und ja, auch das Thema Fachkräftemangel werde sie in Zukunft stärker umtreiben. Mit 290 Arbeitsplätzen (umgerechnet 200 Vollzeitstellen) ist die Lh eine der grössten Arbeitgeberinnen in der Region. Wertschätzung, Kommunikation auf Augenhöhe und ein angenehmes Wohn- und Arbeitsklima werden deshalb grossgeschrieben und bilden auch aus Sicht des neuen Präsidenten den Grundstein für den Erfolg. «Bevor ich in den Stiftungsrat eingetreten bin, durfte ich in den Betrieben ‹schnuppern› und ich war überrascht, wie sich der vergleichsweise kleine Betrieb aus den 1980er-Jahren zu einem grossen, professionellen Unternehmen gewandelt hat.»
Die Neubesetzung führt übrigens auch dazu, dass der neue Präsident wieder Zugang zum 1986 verkauften Elternhaus erhält – dieses ist noch immer im Besitz der Lh und lautet heute auf den Namen Wohnhaus Breite. «So gesehen ist es für mich wie ein Nachhausekommen, ich werde mir auf jeden Fall ansehen, wie mein altes Zimmer heute aussieht.»
Text und Bild: Remo Conoci