Fleckenzunft: Der neue Zunftrat ist gewählt
Am vergangenen Freitag fand das ausserordentliche Bot der Fleckenzunft Beromünster statt. Damit hat das Sabbatical, welches sich die Mitglieder der Fleckenzunft am Katharinenbot vom vergangenen November auferlegt haben, ein Ende. Die wichtigste Nachricht: Es wurde ein neuer Zunftrat gewählt, die Geschichte der bald 124 Jahre alten Fleckenzunft geht weiter.
Am Katharinenbot der Fleckenzunft im vergangenen November waren die Emotionen hochgeschnellt, die Erregung war grösser, als manch einer erwartet hatte und das Geschehen erinnerte beinahe an eine Fasnacht. Der Anzeiger Michelsamt war anwesend und konnte gewissermassen «live» von den Ereignissen berichten. Vor diesem Hintergrund ist es nicht unverständlich, dass die Zunft beim ausserordentlichen Bot vom vergangenen Freitag lieber unter sich tagen wollte.
Die Essenz dessen, was sich an diesem Bot ereignet hat, liegt der Redaktion aber in schriftlicher Form vor. Die wichtigste Nachricht zuerst: Ein neuer Zunftrat ist gewählt! Die Fleckenzunft besteht also weiter. Folgende Personen wurden gewählt: Stephan «Fadm» Meyer als Weibel (Präsident), Richard A. Scherer als Statthalter (Vizepräsident), Ingrid Oehen als Kanzlerin, Cornelia Küng als Säckelmeisterin (Kassierin) und Mario Gloor als Zeugherr. Damit steht fest, dass die Zunft weiterbestehen wird. Somit konnte die Auflösung der Zunft vermieden werden. Der neugewählte Zunftrat führt den Verein ab sofort und die Amtszeit der kommissarischen Leitung um Claudio Leitgeb ist zu Ende.
Statutenrevision
Nebst der Wahl eines neuen Zunftrats behandelten die 27 anwesenden Mitglieder am Bot, das lediglich rund eine Stunde dauerte, auch ein zweites Traktandum: die Satzungsänderungen. Vor der Abstimmung gab es, laut Claudio Leitgeb, eine kurze Diskussion darüber, ob man die Revision überhaupt jetzt beschliessen soll? Ob man sie nicht dem neuen Zunftrat überlassen soll, der die Absicht äusserte, die Statuten einer Totalrevision zu unterziehen. Nach diversen Voten pro und kontra wurden die vorliegend teilrevidierten Statuten angenommen.
Die Änderungen sind moderat und stehen im Zeichen der weiteren Öffnung und Zusammenarbeit. Änderungen widerspiegeln das Resultat aus den Diskussionen in den Workshops bezüglich der Aussenwirkung der Zunft.
Die einzige fundamentale Anpassung der Satzung betrifft den Auflösungsmodus. Neu entspricht er den Abklärungen tatsächlicher Möglichkeiten, den Verein ordentlich aufzulösen. Ebenso wurde der Status der Fleckenzunft von «Gesellschaft» auf «Verein» angepasst. Dies aufgrund Erfahrungen mit Behörden in der Coronazeit.
Rückblick auf das Sabbatical
Anstelle des Zunftrats war im Sabbatical bekanntlich eine kommissarische Leitung bestehend aus Claudio Leitgeb und Monika Bucher, unterstützt von Hubert Peters und Dave Stocker, aktiv. Während dieser Zeit ruhte die Aktivität der Fleckenzunft zugunsten von zwei Workshops zur Klärung der Zukunftsfragen. Sämtliche Zunftmitglieder und Ausgetretene der letzten zwei Jahre wurden jeweils zu diesen Workshops eingeladen. Das Ziel beider Workshops lautete: «Fleckenzunft ist als Verein attraktiv und gewinnt neue Mitglieder».
Im Vordergrund des ersten Workshops stand die Befindlichkeit der Teilnehmenden und man erörterte die Mitgliederentwicklung der letzten rund 20 Jahre. Als Diskussionsgrundlage für den zweiten Wokshop wurden aus diesen Erkenntnissen «Thesen» formuliert, die auf den Statuten und der «Einschätzung der öffentlichen Wahrnehmung» beruhten und diskutiert wurden. Als Resultat stand am Ende die erwähnte moderate Revision der Satzungen.
Es erfolgte auch eine Sitzung mit den Nachbarszünften bezüglich einer Verschiebung des Fasnachtsumzuges nach Hildisrieden. Man entschied sich bekanntlich dagegen, der Umzug findet 2025 wie geplant im Flecken Beromünster statt.
Claudio Leitgeb zieht Bilanz: «Das Sabbatical war eine sehr anspruchsvolle Zeit. Ab und zu stellte ich fest, dass hüben und drüben nicht immer mit offenen Karten gespielt wurde. Der Teilnehmer eines Workshops hat es auf den Punkt gebracht und gesagt, es herrsche mehr ein Gegen- als ein Miteinander.» «Nichtsdestotrotz sehe ich den Auftrag als erfüllt an.» Denn, den meisten Zunftmitgliedern sei nun bewusst, dass sich der Verein wegen des Mitgliederschwundes in einer misslichen Lage befinde. Es sei auch geäussert worden, die öffentliche Wahrnehmung der Zunft sei schon seit Jahren «angeschlagen». Eine Gruppe von Neuen wäre zwar eingetreten, hat aber die Zunft aus verschiedenen Gründen nach einem Jahr wieder verlassen. Für die meisten war der Mangel an Anpassung an die heutige Zeit, mangelnde Einführung und eine andere Auffassung über die Vereinsführung ein Grund für den Austritt.
Diese Erkenntnisse aus den vergangenen 10 Monaten gelte es jetzt ernst zu nehmen und sich auf den Weg in die Zukunft zu machen. Diese Weichen stelle nun der Zunftrat. «Diesen Weg weiter zu begehen und neue, motivierte Mitglieder zu begrüssen, wünsche ich der Zunft», so Leitgeb versöhnlich.
Der neue Zunftrat
Die frisch gewählten Mitglieder des Zunftrats sind keine unbekannten Gesichter, Weibel Stephan Meyer ist Altzunftmeister und Ehrenzünftler. Gegenüber dem Anzeiger Michelsamt nennt er als Hauptgrund, sich (wieder) als Zunftrat zur Wahl zu stellen: «Mir war wichtig, dass die 123 Jahre alte Tradition der Fleckenzunft weitergeht.»
Moderate Änderung der Statuten? Bekannte Gesichter im Zunftrat? Die Tradition soll weitergehen? Das lässt den Schluss zu, dass auch der neue Auftritt der Zunft nur marginale Veränderungen erfahren wird.
Der neue Weibel sieht das allerdings anders: «Es hat Diskussionen gebraucht, damit man erkannte: So geht es nicht weiter. Ob für dies ein Jahr Fasnachtsabstinenz das Richtige war, ist wohl unterschiedlich zu betrachten.» Das Problem sei ja nicht erst durch den Eintritt und kurz darauf den Wiederaustritt der ganzen Gruppe Neuzünftler vor Jahresfrist entstanden. «Wir haben uns schon vor zwanzig, dreissig Jahren zu einem elitären Verein entwickelt – oder das wurde jedenfalls so aufgefasst. Wir sind aber eine Fastnachtsgruppe wie alle anderen, die Chommerbuebe, die Dos Promillos oder die Hahnerüücher, lediglich halt die älteste von allen», so Meyer. Er betrachte sich als Bindeglied zwischen Alt und Jung und habe für beide Standpunkte Verständnis. Es sei immer schwierig zu entscheiden, was Tradition sei und was ein alter Zopf, der Neuem Platz machen müsse. So hätten einige Junge am Auftritt der Zunfträte im Frack Anstoss genommen. Für ihn sei das aber eine Tradition, die fest mit der Zunft verbunden sei. In die Zukunft zu gehen, heisse oft die Diskussion über solche Details zu führen. «Zum Beispiel steht nirgends geschrieben, welche Farbe der Frack haben soll…», so Meyer.
Insgesamt teilt er damit Leitgebs Auffassung, der bekanntlich immer wieder wiederholte, das Gelingen liege nicht nur an einer Person oder dem Zunftrat, es seien alle aufgefordert mitzutun. Das Ganze sei ein fortwährender Prozess.
Kommende Termine der Fleckenzunft
– 11. November: Apéro um 11.11 Uhr im Rosengarten Möischter
– 16. November: Jahrzeit um 17.45 Uhr in der Pfarrkirche, gefolgt vom Katharinenbot im Rosengarten Möischter
– 1. Januar 2025: Katerbummel,
17 Uhr, Treffpunkt Scholbrunnen
– 4. Januar 2025: Dreikönigsbot im Rest. Herlisberg, Herlisberg, zu Ehren der Zunftmeisterpersönlichkeit
Voranzeige: Der Fasnachtsumzug findet am Sonntag, den 2. März 2025, in Möischter statt.
Martin Sommerhalder