Fleckenzunft ab sofort im Ausnahmezustand
Mottolos, ohne Zunftrat und ohne Aktivitäten: so geht die Fleckenzunft Beromünster in das kommende Jahr. Für die Zunft keine Fasnacht im 2024, und für die Fasnacht keine Zunft. So wurde es am Katharinenbot vom Samstagabend nach langer, eingehender und teils hitziger Diskussion beschlossen. Dies als radikale Zäsur infolge der unmissverständlich verfahrenen Situation, in der die traditionsreiche Fasnachtsgesellschaft schon seit Längerem steckt. Dass es diese Saison keinen Zunftmeister geben würde, war schon vor dem Bot klar.
Nach dem Hoch die Ernüchterung: Genau vor einem Jahr berichtete der Anzeiger Michelsamt über die freudige Aufnahme von sage und schreibe 14 Neumitgliedern in der Fleckenzunft. Sie wolle mit neuem Schwung in die Zukunft starten, vieles sei veraltet und ins Stocken geraten, der frischmotivierte Zuwachs solle neu aufmischen. Doch die Realität zeigte ein anderes Gesicht. Alle Neumitglieder bis auf zwei gaben per Katharinenbot vom Samstag, 18. November, ihren Austritt. Für Zunftmeisterin Heidi II., die das Amt infolge Mangels zweimal ausgeübt hat, besteht auch dieses Jahr keine Nachfolge. Dies hatte sich bereits im Verlauf des Herbstes herauskristallisiert.
Zäsur oder Reduktion?
Für den Zunftweibel Roland Zeidler stand eine herausfordernde Versammlung bevor. Es stand ein Antrag im Raum, der verlangte, sämtliche Aktivitäten für die kommende Saison zu sistieren und eine kommissionäre Führung interimsweise einzusetzen. Ein Zäsurjahr ohne Zunftrat, welches Zeit und die nötige Distanz geben soll, um neue Lösungen für die Zukunft der Fleckenzunft auszuarbeiten. Antragsteller war Zunftmitglied Claudio Leitgeb, der ausführlich erklärte, dass nur ein kompletter Abschluss und Neustart zielführend sei.
Dem gegenüber hatte der Zunftrat der Fleckenzunft schon in der Einladung zum Bot seine Stellung formuliert und als Gegenvorschlag beantragt, eine sehr reduzierte, aber dennoch stattfindende Fasnachtsaktivität 2024 mit gewohnten Strukturen durchzuführen. Die Bändeli im Flecken, der Besuch im Bärgmättli, das Gregorifüür... dies sei man der Gesellschaft schuldig, und die komplette Aufhebung der Aktivitäten erachte man als Risiko. Eine Annahme des Antrags von Claudio Leitgeb barg auch die Brisanz, dass sie den gesamten Zunftrat per sofort seines Amtes entheben würde.
Die Stimmung am Samstagabend im Fläckekafi war entsprechend angespannt und aufgeheizt. Wortmeldungen gab es viele, darunter auch sehr deutliche, wobei doch allen eigentlich das Gleiche am Herzen lag, nämlich das Fortbestehen der Zunft und die Wahrung der Tradition. Auf welche Weise dies nun aber geschehen sollte, musste an diesem Abend entschieden werden.
Hart auf hart
Fasnacht oder Verzicht? Zunftrat oder Interimsführung? «Chirurgie oder Axt», brachte man es bildlich auf den Punkt. Für Leitgeb war ein Zäsurjahr die chirurgische Lösung einer verfahrenen Situation, für Zeidler war es ein Axthieb. 42 Anwesende hatten nun zu entscheiden und der Ausgang dieser Abstimmung war nach vorangegangenem Wortabtausch bei Weitem nicht voraussehbar. Doch vorerst wurde schon mal das Nachtessen serviert, was die erhitzten Gemüter ein wenig beruhigte.
Fastenzeit schon jetzt
Bei der Weiterführung der Versammlung stellte Zunftmitglied Ingrid Oehen einen Ordnungsantrag in Richtung versöhnlicher «Sowohl-als-auch-Variante», bei der sie eine Art Zusammenschluss von Zunftrat und kommissionarischer Führung vorsah. Er wurde abgelehnt. Es blieb also hart auf hart, und um 21.50 Uhr wurde durch Handerheben der Stimmberechtigten offensichtlich entschieden, dass der Antrag von Claudio Leitgeb angenommen wurde. Die Fleckenzunft ist im Ausnahmezustand. Für sie beginnt die Fastenzeit schon jetzt.
Und ... die Bändeli?
Was sind die Hintergründe des Zerwürfnisses in der Fleckenzunft? Wer übernimmt nun die kommissarische Führung, wer wird sich in einer Arbeitsgruppe zusammenfinden und neue Lösungen ausarbeiten? Und was passiert mit dem Vermögen der Gesellschaft in dieser Situation? Und: werden diese Saison wirklich keine rot-gelben Bändeli im fasnächtlichen Fleckenhimmel flattern? Die AZM-Printausgabe von kommender Woche berichtet darüber mehr.
Text und Bilder: Ursula Koch-Egli