Öffnen der Zivilschutzanlage ist «unwahrscheinlich»
Es herrscht Krieg in Europa und die Schweiz hat Solidarität angekündigt. Geflüchtete sollen unbürokratisch und vor allem rasch aufgenommen werden. Dass die Zivilschutzanlage in Beromünster für Frauen und Kinder aus der Ukraine geeignet ist, ist indes unwahrscheinlich.
Angesichts des grossen Leids in der Ukraine zeigt sich die Schweiz solidarisch. Nicht nur gab es Rekordspenden via Glückskette für das kriegsgebeutelte Land, auch soll die Schweiz unbürokratisch und rasch Hilfe bei der Aufnahme von Flüchtlingen bieten. Der Bundesrat hat am 11. März 2022 den Schutzstatus S definitiv aktiviert, mit dem auch eine Unterbringung in Gastfamilien möglich ist. Mit der bisherigen Anzahl Plätzen kommt der Kanton Luzern an seine Grenzen. Deshalb schafft er in St. Urban eine temporäre Asylunterkunft, wie er das bereits 2015 gemacht hat. Der Kanton nutzt dabei ein vorübergehend leerstehendes Gebäude auf dem Areal des Klosters St. Urban, das bis August 2021 durch die Luzerner Psychiatrie genutzt wurde. «Dieses Gebäude kann nun als temporäre Asylunterkunft für vorerst ein Jahr genutzt werden», schreibt der Kanton in einer Mitteilung. Es bietet Platz für bis zu 80 Personen. Die Betreuung wird durch die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen (DAF) im 24-Stunden-Betrieb während sieben Tagen die Woche sichergestellt.
Unterschied zu 2015
2015 hat der Kanton Luzern auch in Beromünster eine temporäre Asylunterkunft eröffnet. In der Zivilschutzanlage Linden wurde Platz für 80 Männer, vorwiegend aus Eritrea und Syrien, geschaffen. Wie wahrscheinlich ist, dass Beromünster wieder Asylsuchende aufnimmt und seine Zivilschutzanlage öffnet? «Aktuell ist dies nicht angedacht», sagt Ramona Thalmann, Bereichsleiterin-Stellvertreterin Soziales von der Gemeinde Beromünster auf Anfrage. Sie sagt aber auch: «In der aktuellen Situation ist die Zivilschutzanlage Linden höchstwahrscheinlich nicht geeignet. Im Unterschied zu 2015 suchen heute vor allem Frauen, Kinder und ältere Personen Asyl. 2015 waren es hauptsächlich junge Männer. Die Anforderungen an die Unterbringung und Betreuung sind somit andere als damals.» Ramona Thalmann schliesst aber nicht aus, dass bei einem Kapazitätsengpass in der Schweiz, eine Öffnung der Zivilschutzanlage Linden geprüft wird. «Zuständig für die Koordination ist der Kanton», betont sie. Bereits heute leben Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Beromünster.
Die Solidarität in der Region ist gross. Wer helfen will, der findet eine Anlaufstelle beim Kanton. Dieser hat eine Meldestelle eingerichtet. Gesucht werden Personen, die Kapazität für eine Unterbringung haben oder anderweitige freiwillige Helfer, etwa Dolmetscher oder Alltagshelfer, werden gesucht. Interessierte können sich bei der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen Luzern unter 041 228 73 73, infoline.ukraine@lu.chmelden.
Sandro Portmann