Feuer und Flamme für Luftballons bis zur Zuckerwatte
Durch den Flecken flanieren, an der Sonne sitzen, plaudern, Zuckerwatte schlecken und Heirassa auf dem Karussell, das ist die Kilbi in Beromünster. Heuer setzte sie gleichzeitig ihren stimmungsvollen Schlusspunkt unter Sommer, denn am Sonntag begann bekanntlich auch der Herbst.
Die Wochen der Sommerhitze liegen hinter uns, am Kilbiwochenende hat die Sommersonne aber noch einmal ihr schönstes Gesicht gezeigt, um dann dem nicht minder freundlichen Gesicht der Herbstsonne Platz zu machen. Es herrschte noch einmal Kurzärmelwetter – der sprichwörtliche Altweibersommer. Nach dem heiteren ersten Kilbitag, erfolgte der Auftakt in den Sonntag mit dem sympathischen Kilbi-Gottesdienst. Diesen hat Marktchef Alfons Röhtlin letztes Jahr ins Leben gerufen. Es zeigte sich bereits damals, dass er bestens ins Kilbi-Umfeld passt. Nicht zuletzt dank dem Gast Adrian Bolzern, Seelsorger der Zirkus-, Schausteller und Marktleute, der den besinnlichen Anlass humorvoll und motivierend mitten im Lunapark platzierte. Bolzern, dessen frohes Gemüt mitten in die Predigten schwappt – Halleluja! – blieb dem Ruf, der ihm voraus eilt, nichts schuldig. Er begrüsste die Anwesenden «hier in Gunzwil…und Beromünster», die Kunstpause und das Augenzwinkern liess die Opposition im Keim ersticken. Alle hatten sich ja auf dem Primaschulhausplatz versammelt, bestenfalls in Sichtweite zur Grenze nach Gunzwil. Selbst durch eine Gemeindefusion todgesagte leben aber länger, und Bolzern zeigte sich über die nach wie vor vorhandene Rivalität bestens informiert.
Derweil hatte Bolzern das Publikum wieder in den Bann gezogen. Mit Witzen. «Welches Getränk sollten Führungspersonen trinken? Leitungswasser. Treffen sich zwei Kerzen, sagte die eine: ‹Was machst Du heute?› Die andere: ‹Ich gehe aus.› Was ist ein Cowboy ohne Pferd? Ein Sattelschlepper.»
Feuer und Flamme
Natürlich besteht bei einem solchen Auftakt die Gefahr, dass der besinnliche Kern eines Gottesdiensts verloren geht. Nicht so bei Bolzern. Zielsicher nahm er die Kurve zum Gottesdienst mit dem Thema «Feuer und Flamme». Er basierte auf der Pfingstgeschichte, nachzulesen in der Apostelgeschichte, wo sich der heilige Geist verbreitete «wie Zungen von Feuer, die sich zerteilten und sich auf jeden setzten.» Bolzern hatte dazu an alle Anwesenden riesige Cheminée-Streichölzer verteilt und verdeutlichte deren Potenzial nun mit dem Lied «I han es Zündhölzli azündt» von Mani Matter. Mit dem auf den Teppich gefallenen «Zündhölzli» und den kaskadenartig beschriebenen Auswirkungen hin zum dritten Weltkrieg. Der allerdings nicht ausbrach, denn Matters Lied endet ja: «Gott sei Dank dass i’s vom Teppich wider furt ha gno». Er lud die Anwesenden ein, das Feuer des Glaubens und des Friedens, in die Welt zu tragen. «Denn im Gegensatz zu vielem anderen wird der Glaube grösser, wenn man ihn teilt», so Bolzern.
Der Gottesdienst wurde musikalisch umrahmt von der Länderformation «Stalder-Muheim» aus Greppen. Bei deren Vorstellung war Bolzern deren Namen entfallen. Sagt, wie heisst ihr nochmal? «Formation Gonzbu!», so die schlagfertige Antwort von Bassgeiger Christian Muheim. Auch die Familie Paffrath war heuer wieder dabei, ihre beeindruckenden artistischen Einlagen gaben dem Anlass jenes «Feuer», das Bolzern von Anfang an versprochen hatte. Zum Schluss verteile Bolzern als Dank mehrere Flaschen Wein. Marktchef Alfons Röthlin durfte noch auslesen. Er bekam, wie gewünscht, einen «Weissen». «Die letzte Flasche von meinem Hochzeitswein, einen Walliser», so Bolzern. Für die andern gab es Roten. An Pastoralraumleiterin Theres Küng, an Schausteller Marcel Flammer und die Ländlerformation. Die Familie Paffrath lud er zu einem gemeinsamen Tag im Europapark ein, «Ich habe dort VIP-Status, dann müssen wir nirgends anstehen», versprach er. Mit dem von der Kirchgemeinde offerierten Apéro – Apfelkuchen und Landessender-Most – klang der Gottesdienst aus. Während im Flecken die Grills bereits glühten und nun auch die Zuckerwatteschleudern gestartet wurden.
Alfons Röthlin wäre ja nicht Alfons Röthlin, wenn er nicht schon an die nächste Kilbi denken würde. Auch in Sachen Kilbi-Gottesdienst. Etwas, was zum dritten Mal stattfindet, gilt bekanntlich als Tradition. Das gilt für den Gottesdienst 2025, der erneut von Bolzern gestaltet wird. Röhtlin sagt dazu: «Im unteren Flecken beim Karussel, wäre auch ein schöner Ort für den Gottesdienst.» Heuer hätte übrigens die Autoscooterbahn als «Arena» dafür gedient, wenn der Scooter nicht unverhofft ausgefallen wäre.
Martin Sommerhalder