Fehlende Wertschätzung
Hört, hört! Vier Jahrzehnte nach der hohen Arbeitslosigkeit wird das Know-how älterer Mitarbeitenden als wertvolle Ressource für ein Unternehmen erkannt. Als das Volk den EWR-Beitritt ablehnte, sah das ganz anders aus. Im Vorfeld der Abstimmung wedelten Manager grosser Unternehmen den Mitarbeitern mit Konsequenzen falls sie mit Nein stimmen. Am 6.12.1992 lehnte das Volk den Beitritt ab. Ich war dafür. Über 200 000 Menschen verloren die Stelle. Die Langzeitstellenlosen nicht eingerechnet. Sie wurden zur Sozialhilfe und IV abgeschoben; wohlgemerkt, in keiner nationalen Statistik erfasst. 45-Jährige plus im Alter waren wertlos, obwohl sie arbeitswillig waren und verwertbares Know-how hatten. Die Wirtschaft wollte diese Arbeitskräfte nicht mehr. Sie wurden gnadenlos von der bezahlten Arbeitswelt ausgesperrt. Eine Stelle erhielt, wer maximal 30 Jahre, langjährige Erfahrung und vielsprachig in Wort und Schrift war. Aha! Zwei Jahrzehnte später mussten Wirtschaftsfachleute eingestehen, wie viel Geld in den Vorjahrzehnten durch Makulatur und Fehlproduktion vernichtet wurde. Der Ressourcenverlust war in allen Branchen erheblich. Und jetzt sollen es die «Alten» mit 65+ Lebensjahren richten. Bereits heute gibt es viele Bereiche, in denen künstliche Intelligenz (KI) besser ist als die menschliche, leibliche Leistung. Die Auswirkungen, trotz neuem Wissen, werden auf Jobs und Löhne gravierend sein. Und dann? Es gibt keine Signale seitens Wirtschaft, dass die heutigen und späteren Berufstätigen bis 65 angestellt bleiben, geschweige darüber hinaus Stellen angeboten werden. Es ist richtig und wichtig über die Zukunft bezahlter Arbeit nachzudenken. Ohne Nachbesserungen der Abstimmvorlage lehne ich sie ab.
Manfred V. Urech, Sankt Erhard