«Es war unser Ziel, den 1. Rang zu erreichen»
Er darf sich den weltbesten Landschaftsgärtner nennen: Reto Dali aus Gunzwil erarbeitete sich Gold an den Berufsweltmeisterschaften in Lyon, zusammen mit seinem Teampartner Samuel Binder. Der Anzeiger Michelsamt traf den strahlenden jungen Weltmeister zuhause im Obergalee.
Reto Dali, wie geht es Ihnen drei Tage nach Erreichen des Weltmeistertitels?
Reto Dali: Gut, danke, der Alltag kommt langsam wieder.
Wie lange dauerte die Vorbereitungszeit auf die WorldSkills?
Es dauerte etappenweise über zwei Jahre hinweg.
Wer hat Sie dabei begleitet?
Lorenz Arbogast vom Verband JardinSuisse als Experte und Pascal Flüeler als Trainer. Sie haben die Trainings organisiert und die Kurse, etwa Pflästern oder Mauern.
Sie erreichten den Sieg zusammen mit Ihrem Teampartner Samuel Binder aus Reiden. Woher kennt Ihr euch?
Von den überbetrieblichen Kursen in der Lehrzeit kannten wir uns flüchtig. Dass wir ein Team wurden für die WorldSkills, geschah per Zufall, gemäss der Vorausscheidung vor drei Jahren an den SwissSkills.
Offenbar eine gute Kombination. Trug sie zum Erfolg bei?
Ja, wir haben uns sofort mega gut verstanden. Die Chemie stimmt total zwischen uns. Es ist ein sehr glücklicher Zufall, dass wir uns so gut verstehen. Das trug wesentlich zum Erfolg bei. Du kannst die besten Gärtner sein, wenn es untereinander nicht funktioniert, wird das nichts!
Habt Ihr mit diesem Rang gerechnet?
Es war unser Ziel, den ersten Rang zu erreichen. Während des Wettkampfs merkten wir schon, dass wir gut dran waren, und haben bis am Schluss gehofft, dass es reicht.
Und dann, die Rangverkündigung! Wie war es?
Super! Wenn du weisst, das Training zahlt sich aus, dann fällt der ganze Druck ab. Es war toll! Man hatte ja sehr lange trainiert für den einen Moment.
Sie hatten einen grossen Fanclub dabei ...
Ja! (lacht) Meine Eltern, meine Schwester, mein Bruder und meine Freundin kamen nach Lyon, dann waren meine beiden Chefs von Egli Gartenbau mit der Firma vor Ort, meine Gotte und Götti mit Familien, die Familie der Freundin, dazu viele Kollegengruppen.
Wie lange dauerte eure Arbeit?
Es begann am Dienstag mit einer Eröffnungsfeier. Ab Mittwoch haben wir an vier Tagen insgesamt 22 Stunden gearbeitet.
Wie kamen Sie mit der Nervosität zurecht?
Nervös war ich vor allem am Dienstag. Man weiss, man hat nur eine Chance. Wenn irgend etwas bei der Arbeit in die Hose geht, gibt es keine zweite Chance mehr. Aber jeder Tag, der gut gelaufen war, nahm etwas von der Nervosität weg.
Gab es Missgeschicke?
Ja, uns wurde eine zu kleine Teichfolie zugeteilt, was wir erst im Verlauf der Arbeit feststellten. So mussten wir einen Teil wieder zurückbauen. Dafür wurde uns aber Zeit zur Verfügung gestellt. In dem Moment musste man wirklich Nerven haben.
Haben Sie Ihren Lehrabschluss als Landschaftsgärtner auch so herausragend gemacht?
Nein, nicht sonderlich. Ich war nach dem Lehrabschluss 2020 unter den besten zwanzig, deshalb kam ich in die Vorausscheidung für die Swiss Skills.
Warum waren Sie motiviert, bei den WorldSkills mitzumachen?
Um zu zeigen, dass die Schweiz die besten Gärtner hat!
Was nützt Ihnen diese Auszeichnung für die Zukunft?
So etwas steht sicher gut da in einem Lebenslauf. Aber viel mehr wert ist es für einen selber, für das eigene Gefühl.
Gibt es schon berufliche Pläne nach diesem Erfolg?
Nun, die WorldSkills sind ja erst frisch vorbei. Ich weiss noch nicht, welche Türen aufgehen werden, aber für die Zukunft ist es sicher ein Vorteil. Da steht noch vieles in den Sternen. Sicher werde ich die eine oder andere Weiterbildung machen.
Was und wie gärtnern Sie persönlich am liebsten?
Ich bin nicht so der Pflanzentyp, lieber arbeite ich auf dem Bau. Ich habe sehr gerne grosse Projekte. Der Gartenbau gefällt mir hauptsächlich. Zur Abwechslung einen schönen Garten zu machen, gefällt mir aber auch.
Zurück nach Lyon in Frankreich: Habt Ihr da tüchtig gefeiert?
Ja, wir haben lange gefeiert! Im Fussballstadion fand die Siegerehrung statt und danach in der Basketballarena die Schlussfeier für die Teilnehmenden und die Experten. Danach ging es mit dem Fanclub am Sonntagabend noch in die Stadt. Es wurde spät!
Interview: Ursula Koch-Egli / Bilder: zvg